per eMail empfehlen


   

Straßen im Kreis Tübingen

Albrechtstraße

Im Jahr 1918 wurde in Württemberg die Monarchie abgeschafft. König Wilhelm II. dankte ab und zog sich mit seiner Frau Charlotte in sein Jagdschloss nach Bebenhausen zurück. Da Wilhelm keinen Sohn hatte, wäre die Thronfolge des Hauses Württemberg an die katholische Linie und damit an Herzog Albrecht gefallen, der sich als überzeugter Monarchist nicht der Abdankung anschloss.

Anzeige


 

Der 1865 geborene Sohn von Herzog Philipp I. von Württemberg und Marie Therese von Österreich war im Stuttgarter Kronprinzenpalais aufgewachsen und zum Thronfolger erzogen worden. An ein Jurastudium in Tübingen schloss sich die Ausbildung zum Offizier an. Die Militärkarriere Albrechts war glänzend, der Kaiser verlieh ihm für seine soldatischen Verdienste den Orden „Pour Le Mérite“ und er gilt immer noch als einer der fähigsten deutschen Heerführer des 1. Weltkriegs, was aus heutiger Sicht allerdings ein fragwürdiger Ruhm ist.

Zweifelhafter Ruf

Nicht nur der deutsche Sieg in der Schlacht von Neufchateau, einer der sogenannten Grenzschlachten im ersten Kriegsjahr, ging auf seine strategischen Kompetenzen zurück. Auch für den Angriff halbausgebildeter Kriegsfreiwilliger, vor allem Schüler und Studenten, in der Schlacht bei Ypern, der als „Opfergang“ und „Mythos von Langemarck“ eine mittlerweile mehr als zweifelhafte Berühmtheit erlangte, zeichnete Herzog Albrecht verantwortlich. Die ersten Giftgasangriffe in der zweiten Flandernschlacht gingen ebenfalls auf sein Konto.

1965 wurde die Kaserne in Münsingen nach Herzog Albrecht benannt. Archivbild: Grohe 1965 wurde die Kaserne in Münsingen nach Herzog Albrecht benannt. Archivbild: Grohe

Als Oberbefehlshaber der „Heeresgruppe Herzog Albrecht“ kommandierte der mittlerweile zum Generalfeldmarschall avancierte Albrecht den gesamten Südabschnitt der Westfront von Verdun bis zur schweizerischen Grenze und organisierte die gesamte Vorbereitung und Durchführung der geplanten Westoffensive. Allerdings blieb Herzog Albrecht im Gegensatz zum preußischen Kronprinzen und dem Kronprinzen Rupprecht von Bayern nach dem verlorenen Krieg und dem Ausbruch der Novemberrevolution noch bis Weihnachten 1918 auf seinem Posten und führte die ihm unterstellten Truppen sicher in die Heimat zurück.

Kein Hakenkreuz am Palais

Die militärische Laufbahn Herzog Albrechts war nach dem 1. Weltkrieg beendet. Er zog sich auf seinen Familiensitz im Saulgau zurück und verwaltete nach dem Tod von Wilhelm II. das gesamte Hausvermögen des Hauses Württemberg.

1893 hatte Albrecht die Erzherzogin Margarethe Sophie von Österreich geheiratet, die nach der Geburt ihres sechsten Kindes bereits mit 32 Jahren starb, danach ging der Herzog keine weitere Ehe mehr ein.

Der Nationalsozialismus war dem Monarchisten, dessen unbestreitbaren „soldatischen“ Tugenden heute so schwer einzuordnen sind, zuwider und seine Söhne unterstützten diese Opposition. Als sich Philipp 1934 weigerte, die Hakenkreuzfahne am Kronprinzenpalais zu hissen, musste er mit seiner Familie Stuttgart verlassen. Sein jüngerer Bruder Carl Alexander war Benediktinermönch und emigrierte in die USA. Dort engagierte er sich in verschiedenen karitativen Organisationen und setzte sich für die Rettung verfolgter Juden ein. Als Herzog Albrecht 1939 starb, kam kein einziger nationalsozialistischer Würdenträger zur Beerdigung.

Heute erinnert passenderweise die Straße an der Tübinger Thiepvalkaserne an den letzten württembergischen Thronfolger. Und 1965 wurde die Militäranlage in Münsingen nach ihm Herzog-Albrecht-Kaserne genannt.

Andrea Bachmann

01.01.2013 - 08:30 Uhr | geändert: 02.01.2013 - 16:31 Uhr

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

Anzeige

(c) Alle Artikel, Bilder und sonstigen Inhalte der Website www.tagblatt.de sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.

Anzeige


Zeitzeugnisse
Anton Schäfle in Uniform. Das Bild entstand Anfang Februar 1917.

„Ich habe nämlich erbärmlich Hunger“

Der 18-jährige Musketier Anton Schäfle hat seinen Eltern seit seiner Ausbildung zum Soldaten im November 1916 bis zu seinem Fronteinsatz im Juni 1917 Briefe und Feldpostkarten geschickt. Die Wannweilerin Claudia Treutlein hat die Texte entziffert, fehlende Informationen recherchiert, alles dem TAGBLATT für die Veröffentlichung überlassen. Briefe und Karten sind ein Zeugnis des Hungers, den die Soldaten im Ersten Weltkrieg an der Front erleiden mussten. Nicht nur deshalb konnte sich Anton Schäfle für den Ersten Weltkrieg nicht begeistern; der Hof daheim war ihm viel wichtiger.

Neun Jahre nach dem Original entführt Regisseur Robert Rodriguez ein zweites Mal in die Stadt der Sünde, Gewalt und Korruption.

»weiter...

Ein Literaturfan imaginiert sich in der französischen Komödie seine neue Nachbarin zur Flaubert-Figur.

»weiter...

Im konventioneller inszenierten Nachfolgefilm der „Feuchtgebiete“ kämpft eine junge Frau abermals mit Sex gegen ihre Ängste.

»weiter...


Anzeige


Karikatur der Woche
Single des Tages
date-click