Wer normalerweise mit dem Bus in die Woche startet, muss umplanen: Pendlern rät die Gewerkschaft Verdi, sich zu privaten Fahrgemeinschaften zusammenzuschließen.
Tübingen. Zum Warnstreik aufgerufen sind der Tübinger und Reutlinger Stadtverkehr. In neun weiteren Städten und Regionen von Ludwigsburg bis zum Markgräfler Land soll der Busverkehr ebenfalls lahmgelegt werden. Geht es nach der Gewerkschaft, rollen am Montag ab vier Uhr früh im Tübinger und Reutlinger Stadtverkehr keine Busse mehr.
Pendler sollten sich zu Fahrgemeinschaften zusammenschließen, rät Verdi-Bezirkssekretär Martin Gross. Damit habe man bereits bei den Nahverkehrsstreiks in Stuttgart im vergangenen Jahr gute Erfahrungen gemacht.
Für Patienten und Beschäftigte der Tübinger Kliniken ist indes eine Sonderregelung in Sicht. Die Gewerkschaft signalisierte gestern, dass eine Notdienstvereinbarung am Montagmorgen den Verkehr zwischen Hauptbahnhof und Kliniken sicherstellen könnte. Für Reutlingen ist bislang keine vergleichbare Regelung im Gespräch.
TüBus-Geschäftsführer Hans-Jürgen Hennig sagte gestern, beim Unternehmen sei „zur Stunde nicht bekannt, wann und in welchem Umfang was stattfinden wird“. Bisher habe man nur Ankündigungen. „Die Stadtwerke und damit die TüBus GmbH stehen in direktem Kontakt mit der Gewerkschaft, um die wichtigsten Verkehre trotzdem absichern zu können.“ Was bei den Gesprächen herauskommt, „werden wir sehen“.
Die Streikenden jedenfalls wollen sich am Montag im Reutlinger Kulturzentrum franz. K treffen und gegen 13 Uhr zu einer Kundgebung mit dem Verdi-Verhandlungsführer Rudolf Hausmann auf den Marktplatz ziehen.
Hintergrund des ganztägigen Warnstreiks sind Tarifverhandlungen zwischen dem Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer (WBO), in dem die rund 400 privaten Busunternehmen organisiert sind, und Verdi Baden-Württemberg. Die Beschäftigten der TüBus GmbH und des Reutlinger Stadtverkehrs werden nach WBO-Tarif bezahlt. „Die Fahrer sind in den letzten Jahren zu kurz gekommen, was ihre Arbeitsbedingungen betrifft“, sagt Verdi-Bezirkschef Gross. „Sie machen einen verantwortungsvollen Job und haben eine faire Bezahlung verdient.“
Betroffen sind mehrere Tausend Beschäftigte im Land. Sie fordern unter anderem hundertprozentige Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, bezahlte Freistellung für verpflichtend vorgeschriebene Schulungen, ein volles Weihnachtsgeld und einen Tarifvertrag für Azubis und Angestellte. Denn die Verhandlungen um den gekündigten Manteltarifvertrag in der Branche kommen nicht voran. Nach drei Verhandlungsrunden hatte die Gewerkschaft die Arbeitgeber aufgefordert, ein besseres Angebot vorzulegen – was von der WBO abgelehnt wurde.