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Orientierung im Orient

Archäologe sucht nach Zeugnissen in biblischen Ländern

Biblische Archäologie ist ein Orchideenfach. Zwei Institute gibt es in ganz Deutschland. Eines sitzt in Tübingen und wird von Jens Kamlah geleitet. Wir sprachen mit ihm über Gegenstand und Ziel seiner Forschung.

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TAGBLATT ANZEIGER: Was brachte Sie zur biblischen Archäologie?

Jens Kamlah erlorscht die Lebensverhältnisse der Menschen in biblischen Zeiten. Bild: Vey Jens Kamlah erlorscht die Lebensverhältnisse der Menschen in biblischen Zeiten. Bild: Vey

Kamlah: Diese Arbeit im Freien und dass man etwas entdecken kann, fasziniert mich. Außerdem trage ich Verantwortung für Zeugnisse der Vergangenheit. Dazu kam mein Interesse für das Alte Testament. Es ist mein Traumberuf.

Zur Zeit forschen Sie im Libanon an der Ausgrabungsstätte Tell el-Burak. Welche ist Ihre wichtigste Entdeckung?

Bei der Palastausgrabung fanden wir 4000 Jahre alte Wandmalereien. Das hohe Alter macht diesen Fund zu etwas Besonderem. Und die Tatsache, dass wir nicht nur ein paar Brocken freilegen konnten, sondern die Wände in ihrer ursprünglichen Höhe erhalten sind. Abgebildet sind königliche Jagdszenen.

Was bieten diese Wand- malereien an Erkenntnissen?

Sie zeigen uns, wie intensiv der Austausch zwischen Europa und dem Orient in dieser frühen Zeit bereits war (zirka 2000 vor Christus). Der Orient wird heute oft nur als Krisengebiet wahrgenommen. Aber die Geschichte zeigt uns, dass viele kulturelle Errungenschaften in Europa aus dem Orient übernommen wurden, dass Europa dem Orient viel verdankt.

„Archäologie braucht Frieden“, betonte einer Ihrer Kollegen. Deckt sich das mit Ihren Erfahrungen während des Libanon-Kriegs?

Ja, während des Bürgerkriegs bis 1990 war es für uns nicht möglich, Ausgrabungen zu machen. Heute arbeiten wir mit wissenschaftlichen Kollegen aus dem Libanon zusammen, die sehr gut einschätzen können, ob die Lage instabil ist. Beispielsweise fuhren wir 2007 nicht in den Libanon, sondern blieben in Tübingen, um hier Ergebnisse auszuwerten. Dafür sind die Kollegen aus dem Libanon zu uns gekommen.

Welches Hauptziel verfolgt Ihre Forschung?

Um ein Missverständnis gleich auszuräumen: Wir wollen nicht klären, ob die Bibel archäologisch gesehen Recht hat. Das wäre eine zu verkürzte Sicht. Uns geht es darum, dass man die Lebensverhältnisse der Menschen im Altertum erkennt und so die Entstehungsgeschichte der Bibel versteht.

Ein Beispiel?

Die Menschen lebten damals als Kleinbauern. Sie hatten Felder und Vieh, waren Selbstversorger. Aus dieser Welt heraus sind die Bibeltexte entstanden, was Bibelstellen wie „Der Herr ist mein Hirte“ zeigen.

In sechs Jahren soll Ihre Forschung abgeschlossen sein. Bleibt für junge biblisch-archäologische Wissenschaftler nichts mehr zu erforschen?

Es gibt weiterhin viele Ausgrabungen und noch lange sind nicht alle Fragen geklärt. Auch geht es um den Schutz der alten Zeitzeugnisse. So ist dafür gesorgt, dass dem Nachwuchs der Stoff nicht ausgeht.

Fragen von Birgit Vey

06.06.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 06.06.2012 - 13:55 Uhr

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