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Wer sich ändert, bleibt

Auch in unruhigen Zeiten die Ruhe bewahren

Der Europäischen Union und ihrem Kampf gegen Monopole sei‘s gedankt, dass zwei typische bundesdeutsche Institutionen nächstes Jahr fallen: Das Kaminfeger- und das Branntweinmonopol.

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Fred Keicher

„Ich muss schaffen, bis ich schwarz bin“, sagt Walter Kraus aus Poltringen. Kein Wunder: Er ist Kaminfeger, und das seit 45 Jahren.

Artikelbild: Auch in unruhigen Zeiten die Ruhe bewahren © Gina Sanders / Fotolia.com

Bislang hatte er einen festen Kehrbezirk in Wendelsheim, Oberndorf, Wurmlingen und einem Zipfel von Hirschau. Jetzt kann jeder Hausbesitzer einen Kaminfeger seiner Wahl beauftragen. Dieser Wechsel hat viel Unruhe bei den Kaminfegern ausgelöst: „Man hat Anfangs Angst bekommen, dass Leute kommen, die ganze Dörfer fegen“, so Kraus. Die Angst hat sich gelegt. Nur eins sei laut Kraus sicher: „Billiger wird‘s nicht.“ Wegen eines einzelnen Hauses macht kein Kaminfeger lange Anfahrten.

Die Übergabe hat Walter Kraus allerdings viel Arbeit beschert. Für seine Kunden musste er 3000 Feuerstättenbescheide schreiben. Davon hat er bislang 2000 zurückbekommen. Diese Kunden haben ihn weiter beauftragt. Bei den anderen wird er einfach nachfragen.

Dass man die Leute kennt, ist ihm wichtig. 1985 hätte es in Tübingen in fünf Jahren fünfmal Wechsel beim Kaminfeger gegeben. Da hätten viele geklagt: „Muss ich schon wieder nauf steigen unters Dach?“ Kraus hat Kunden, die hinterlegen einfach einen Schlüssel, wenn er sich angekündigt hat. „Da habe ich das Gefühl, ich hab meine Arbeit recht gemacht.“

Auch bei den Schnapsern gibt es einschneidende Veränderungen. Für die Obstbrenner hat das Branntweinmonopol eine Gnadenfrist bis 2017. Für sich selber macht sich Josef Albus von der Bieringer Kaiserbrennerei keine Gedanken: „Dann bin ich 75.“

Für die so genannten Stoffbesitzer verändert sich die Situation dramatisch. Wenn die den Ertrag ihrer Streuobstwiese gebrannt haben, konnten sie die Steuer damit bezahlen, dass sie der Monopolverwaltung Schnaps abgetreten haben. Jetzt müssen sie die Steuer ans Finanzamt zahlen. Albus fürchtet, dass entweder viel Schnaps auf den Markt kommt, oder die Streuobstwiesen nicht mehr gepflegt werden.

27.12.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 27.12.2012 - 16:31 Uhr

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