Bekräftigung mit 516 Unterschriften Öschinger Bürger
Nicht weniger als 516 Unterschriften hat die Öschinger Aktion „Pro Fachwerk am Kirchturm“ gesammelt – und am Donnerstagabend dem Pfarrer persönlich übergeben. Auf dem Rathaus.
Öschingen. Ein ungewöhnlicher Zwist hat den Mössinger Vorort in zwei Lager geteilt: Die einen wollen ihre Kirche neu verputzen. Die anderen wollen den Kirchturm so sanieren, dass das Fachwerk oben erhalten bleibt – als Wahrzeichen von Öschingen. Einig sind sich alle – nachdem gravierende Schäden im Oberstübchen des Gotteshauses entdeckt worden waren –, dass der schlanke Turm der evangelischen Martinskirche dringend gerichtet werden muss. Seit Monaten ist er deshalb auch schon eingerüstet.
In einer gemeinsamen Sitzung des Ortschaftsrates mit dem Kirchengemeinderat hatte es im November in dieser Frage, wie berichtet, ein glattes „Patt um den Kirchturm“ ergeben. Und nicht etwa die Kirchenleute wollten das schmucke Fachwerk bei der Renovierung bewahren, es waren die Ortschaftsräte, die heftig dafür plädierten, dieses weithin sichtbare Erkennungsmerkmal des Ortes zu konservieren. Auch wenn es teurer wird.
In der einst selbstständigen und bis heute sehr selbstbewusst gebliebenen Albrandgemeinde an der Kreisgrenze zu Reutlingen, seit 1971 Stadtteil von Mössingen und damals gegen den Mehrheitswillen der Bevölkerung eingemeindet, hat sich nach dieser denkwürdigen Ortschaftsratssitzung prompt eine kleine Bürgerinitiative gebildet, eine Aktion „Pro Fachwerk am Kirchturm“, die bis zum Jahresende in allen Haushalten fleißig Unterschriften sammelte.
Rundum eingerüstet, das Fachwerk oben ist deshalb verdeckt: Turm der Martinskirche.Bild: Bauer
Als Sprecher von „Pro Fachwerk“ übergab Eberhard Luz, Pächter des Waldfreibadkioskes und seit kurzem auch des Sportheims, den Packen mit Unterschriften am Donnerstag im Rathaus dem Vorsitzenden des Kirchengemeinderats und Ortspfarrer Stefan Lämmer. Im Beisein des Ortsvorstehers Wolfgang Eißler, der ebenfalls staunte: Das seien ja fast mehr Stimmen als jene, die sich sonst erfahrungsgemäß bei Wahlen beteiligten – 561 pro Fachwerk, bei rund 2600 Einwohnern in Öschingen: Das sei schon ein Wort, fand Luz, ein Votum, an dem man nicht so einfach vorbeigehen könne. Pfarrer Lämmer sagte eine erneute Diskussion im Kirchengremium über dieses Ergebnis zu: „Der Kirchengemeinderat wird am kommenden Dienstag ein viertes Mal verhandeln, in öffentlicher Sitzung, es wird aber eine geheime Abstimmung geben – mal sehen, was das Gremium draus macht!“ Lämmer versprach: „Wir werden sachlich und in Ruhe darüber diskutieren.“ Und: „Vielleicht findet man ja ein dritte Lösung, einen Kompromissvorschlag!“
Das machte nun wiederum den Ortsvorsteher sehr hellhörig: „Dann müssten wir im Ortschaftsrat auch nochmal darüber diskutieren“, meinte Eißler. Denn eines werde bei der Sache immer vergessen: „Die Stadt trägt ja auch die Hälfte der Kosten!“
Die kirchlichen Gremien, bis hin zum Oberkirchenrat, haben sich bisher vor allem deswegen für eine Verputzlösung ausgesprochen, weil sie günstiger käme als der Erhalt des Fachwerks. Eißler wies hier allerdings darauf hin, dass das ganze Dachgesims aus Holz ist – „das muss man regelmäßig streichen“. Und Luz bekräftigte: „Wenn man das richtig macht, möchte ich fast wetten, hält das wie ein Verputz!“