Die Bergfinken überflügeln alle anderen Vogelarten. Das ist ein Ergebnis der "Stunde der Wintervögel", an der 6100 Vogelfreunde teilgenommen haben.
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PETRA WALHEIM
Stuttgart Anfang Januar sind Millionen von Bergfinken aus dem hohen Norden unter anderem in den Schönbuch eingeflogen. Gerade rechtzeitig, um von den Vogelfreunden gezählt zu werden, die an der "Stunde der Wintervögel" des Naturschutzbunds Deutschlands (Nabu) teilgenommen haben. 6173 Tierfreunde haben landesweit in dieser einen Stunde, in der sie die Vögel in Gärten und Parks zählen sollten, 102 602 Bergfinken gesehen. Die Einwanderer sind Spitzenreiter.
Das sind keine Blüten – das sind Bergfinken auf ihrem Schlafbaum.
Weit abgeschlagen folgen der Haussperling (26 209), auch Spatz genannt, auf Platz zwei, die Kohlmeise (18 020) auf Platz drei. Im vergangenen Winter hatte die Kohlmeise mit einer Zahl von 29 752 Tieren die Tabelle angeführt. Ihr Bestand ist im Vergleich zum Vorjahr um 36 Prozent zurückgegangen, der Spatz hat um 21 Prozent zugelegt. Insgesamt wurden in 4064 Gärten weit mehr als 250 000 Vögel gezählt. Das ist ein Plus von 29 Prozent.
Gänsehaut im Goldersbachtal: Bergfinken verdunkeln den Himmel über einer Waldlichtung im Schönbuch. Bilder:Sommer
Die Amsel, die bei der Winterzählung 2011 mit 19 640 Tieren noch auf Platz drei gelandet ist, steht aktuell auf Platz sechs. Sie wurde am Dreikönigs-Wochenende, an dem der Nabu zur "Stunde der Wintervögel" aufgerufen hatte, nur 11 251 Mal gesehen. Das ist ein Rückgang um 39 Prozent. Die Zahl der Amseln wurde von den Nabu-Experten mit großer Spannung erwartet. Denn das Usutu-Virus hatte im Sommer nach Einschätzung der Experten mehrere 100 000 Amseln getötet. Am nördlichen Oberrhein, wo das Virus besonders stark gewütet hatte, sind die Bestände regional um bis zu 80 Prozent eingebrochen.
"Diese erschreckenden Zahlen sind kein Grund zur Panik", sagt Stefan Bosch, Vogelexperte des Nabu. Er geht davon aus, dass die Vögel schnell gegen das Virus immun werden und die Bestände sich innerhalb weniger Jahre erholen.
Dass die Anzahl der Buchfinken, Kohl- und Blaumeisen stark rückläufig ist, beunruhigt die Experten nicht: Die Zahlen bedeuteten nicht, dass auch die Bestände rückläufig sind, sagt Bosch. Aufgrund des milden Winters seien die Vögel nur nicht so häufig an den Futterstellen und in Gärten zu finden. "Die Vögel sind trotzdem da und nur andernorts unterwegs, wo sie nicht so einfach gezählt werden konnten."