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Bier für Sportler

Brauerei Schimpf behauptet sich im harten Wettbewerb

Wodka verbindet man mit Russland, Champagner mit Frankreich. Und Bier mit Bayern. Doch die zweite Bierhochburg ist Baden-Württemberg mit seinen rund 190 Brauereien. Eine ist die Brauerei Schimpf in Remmingsheim-Neustetten. Deren helles Hefeweizen wurde 2012 zum besten und das Kristallweizen zum zweitbesten Bier gekürt - und zwar weltweit.

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Remmingsheim. In großen Edelstahlgefäßen brauen die Schimpfs ihre Biere. Rund 6000 Liter fasst der Behälter für die Maische. Hinein gefüllt wird Gerstenmalz oder Weizenmalz, somit wird über die Getreidesorte der Geschmack des Biers festgelegt. Der Mälzer muss das Getreide erst vermälzen, dabei keimen die Körner und es entsteht aus Stärke Zucker. Danach wird das Ganze getrocknet, darren genannt. Dabei entscheidet die Temperatur, welche Farbe das Malz und damit später auch das Bier haben wird.

Martin Schimpf (rechts) übernimmt den Familienbetrieb in der fünften Generation von seinem Vater ... Martin Schimpf (rechts) übernimmt den Familienbetrieb in der fünften Generation von seinem Vater Alfred. Bild: Vey

Helles Malz entsteht bei etwa 80 Grad Celsius, dunkles bei Temperaturen um die 110 Grad Celsius. In der Brauerei wird dem geschroteten Malz dann Brauwasser beigemischt: Womit sich der Name für die Maische erklärt, denn maischen hieß früher mischen.

Jetzt wird der Zucker in Malzzucker aufgespalten. Abschließend werden die nicht lösbaren Teile herausgefiltert, der Treber. „Ihn holen Landwirte ab, denn er besitzt einen hohen Eiweißgehalt“, erklärt Martin Schimpf, Juniorchef. Fertig ist nach dieser Prozedur der Brauextrakt.

Dieser Extrakt wird mit Hopfen vermischt. Auch hier trifft der Baumeister eine wichtige Entscheidung. Für Pils braucht er die doppelte Menge an Hopfen im Vergleich zum Exportbier. Erneut findet eine Filterung statt, bevor Hefe dazukommt und den Zucker in Alkohol umwandelt. Eine weitere Auswahl muss bei der Zugabe der Hefe gefällt werden. Untergärige Hefe, die sich bei der Gärung am Boden absetzt, ergibt den herberen Pilsgeschmack. Das Weizenbier dagegen bekommt durch obergärige Hefe, die als Schaum nach oben steigt, seine fruchtige Note.

„Bier ist eines der reinsten Getränke“, unterstreicht Martin Schimpf, dessen Haus sich an das Reinheitsgebot von 1516 hält. Und er betont: „Wir lassen uns Zeit, treiben die Gärprozesse nicht durch Temperaturerhöhungen an.“ Zwischen sechs und acht Wochen dauert es, bis ein Bier fertig ist.

14 Sorten haben die Schimpfs im Angebot. 13 000 Hektoliter Bier jährlich produziert der Familienbetrieb, den Martin Schimpf in der fünften Generation vom Vater Alfred Schimpf übernimmt. Ein Renner könnte das alkoholfreie Weizenbier werden. Die Freiburger Universität testete das Bier. Ergebnis: Als Sportgetränk habe es positive Aspekte. Denn es sei ein isotonisches Getränk, dass über einen hohen Anteil an Maltose, Magnesium und Kalzium verfüge. Der Kaloriengehalt entspreche einer Apfelsaftschorle.

Wie eine futuristische Anlage wirkt die Brauerei, die vom Computerraum aus überwacht wird. Doch bei der Bierherstellung geht es ganz traditionell zu. So verweist der Junior-Chef darauf, dass die Kronenbrauerei keines ihrer Biere pasteurisiert. Die großen Biere, die quer durchs Land gekarrt werden, kommen ohne diese Sterilisation nicht aus. Schimpf beschränkt sich bei den Auslieferungen auf einen Radius von 40 Kilometern.

Nicht haltbar gemachtes Bier schmecke frischer, meint der Braumeister. Konsequent beziehe die Kronenbrauerei auch ihre Rohstoffe aus der Nähe und das Quellwasser stamme ebenfalls aus der Region. „Diese kürzeren Wege sind umweltschonend und nicht solche Kohlendioxid-Killer wie die Anlieferung von Rohstoffen aus der ganzen Welt, die bei großen Brauereien üblich ist“, betont Martin Schimpf. Für ihn sind es die entscheidenden Argumente, um im Wettbewerb gegen die Großbrauereien zu bestehen - und Kunden zu gewinnen.

Birgit Vey

02.01.2013 - 08:30 Uhr | geändert: 09.01.2013 - 15:08 Uhr

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