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Kollektion als Provokation

Caro Rein präsentiert ihre extravagante Mode in Berlin

Einen morbiden Charme und Fetisch-Charakter besitzen die Kleidungstücke, die Caro Rein modelliert. Das passte: Mit ihrem Reutlinger Modelabel Siok wurde sie Ausstatterin bei der Casting-Show „Voice of Germany“. Dabei übernahm Rein erst vor einem Jahr das Label.

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Reutlingen. Pumps mit Nieten, Lederjacken und hautenge, schwarze Spitzenanzüge gehören zur Kollektion. Knapp ist manches Pailettenkleid und Kreuze zieren einige der dunklen T-Shirts. „Ja, etwas provokant, extravagant soll meine Mode sein“, bestätigt die Designerin, „aber nicht obszön“. 2011 übernahm Rein das Label Siok. „Ich wollte mein eigenes Unternehmen haben“, betont die 24-Jährige, die an der Stuttgarter Modeschule studierte und ein Jahr bei einem großen Modeunternehmen arbeitete. „Unsicher war ich anfangs schon, ob ich auch den Markt, die Kunden und Absätze finde“, räumt sie ein. Denn die Modemacherin wollte professionell beginnen und ihre Kleidung nicht an einer x-beliebigen Straßenbude sondern über Händler verkaufen. Mittlerweile klappt dieses Geschäft. Häuser in Stuttgart, Hamburg und einigen anderen Städten bieten ihre Mode an. Anfangs regelte Rein diese Vertriebsangelegenheiten selbst, mittlerweile kümmert sich eine Agentur darum.

Provokation als Kalkulation: Caro Rein will mit schwarzem Leder schwarze Zahlen schreiben. Bild: ... Provokation als Kalkulation: Caro Rein will mit schwarzem Leder schwarze Zahlen schreiben. Bild: Vey

„Ich war selbst ganz überwältigt, dass meine Mode so gut ankommt“, erklärt Rein. Denn nicht nur ein großes Modehaus aus Stuttgart interessiert sich für die kommende Kollektion, begeistert von einer früheren Kollektion waren auch die Kleidungsexperten bei „Voice of Germany“. Zudem zeigte Rein ihre Kleider im Frühjahr und Sommer auf der Fashion Week in Berlin. Solche Auftritte haben ihren Preis. Eine Produktion koste um die 10 000 Euro. Neben den Kleidern, die im Ausland angefertigt werden, müssen auch Fotoshootings und hochwertige Kataloge bezahlt werden, Knackpunkt für Selbstständige ist dabei, dass „ich diese Beträge vorfinanzieren muss“. Und selbst wenn alles gut läuft, die Kleidungsstücke viele Kunden finden, „fließt das Geld wieder in die Firma“. Rein selbst hat also nicht viel verdient. „Ich muss noch sehr zurückstecken.“

Artikelbild: Sandra Müller recycelt alte Klamotten zu hochwertiger Kleidung

Oft ist Rein bis nachts um zehn Uhr in ihrem Reutlinger Büro. Auch die Wochenenden verbringt sie meist dort. „Leben und Job, das trenne ich nicht.“ Doch es macht ihr wenig aus, auf Privates zu verzichten. „Eine solche Aufgabe muss man mit Leidenschaft machen“, betont sie. Wobei die Designerin auch Fehler machte. So beteiligte sie sich an einer Messe und war ganz überrascht, dass nur Kleider aus Hanf-Stoffen angeboten wurden. Legere Schnitte, bestimmt für ökologisch Interessierte, standen im Mittelpunkt. „Da war ich mit meinen Ledersachen völlig falsch.“

Neuen, jungen Gründern rät Reim, nicht alleine zu starten. Sie selbst hat einen Partner, arbeitet mit dem Ingenieur Carmelo Messina zusammen. „Man braucht jemanden, um die vielen Dinge zu besprechen“, findet die junge Frau. Durchhaltevermögen, sich mit einem geringen Verdienst arrangieren und dennoch viel Biss haben, seien weitere Eigenschaften, die für Selbstständige wichtig sind. Und: „Man muss zu hundert Prozent hinter seiner Idee stehen.“ Birgit Vey

25.07.2012 - 08:30 Uhr

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