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Hölderlin für heute

Daniela Danz liebt Lyrik

Nach 15 Jahren besucht die ehemalige Germanistikstudentin Daniela Danz ihre frühere Unistadt. Doch jetzt lehrt sie nicht nur als Dozentin beim Studio Literatur und Theater, sondern sie ist auch die diesjährige Stadtschreiberin.

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Tübingen. „Toll“, findet es Daniela Danz, nochmals in Tübingen zu sein. So hat sie gleich den Brecht-Bau besucht und in die ehemalige Rolle als Studentin will die Literatin auch wieder schlüpfen, indem sie zu Germanistik-Vorlesungen geht. „Mal sehen, ob das Mikrophon immer noch pfeift“, sagt die 36-Jährige lachend. Daneben unterrichtet Danz selbst. Hölderlin-Gedichte wird sie mit Studenten und Studentinnen untersuchen. Wobei die Hölderlin-Expertin überzeugt ist: „Seine Texte haben Substanz, die sich auf heute übertragen lässt.“

Daniela Danz Bild: Vey Daniela Danz Bild: Vey

Danz, die unter anderem in Prag, Berlin und Leipzig studiert hat, findet Tübingen vor allem wegen Hölderlin attraktiv: „Die Größe einer Stadt misst sich nicht an der Einwohnerzahl, sondern an der geistigen Größe.“ Und da habe die Stadt mit ihren Dichtern und dem mittlerweile verstorbenen Germanistik-Professor Paul Hoffmann einiges zu bieten.

Seit zehn Jahren lebt Danz mit ihrem Mann in Halle. Als Stadtschreiberin auserkoren wurde sie, weil ihr Roman „Trümmer“ und die Gedichtbände „Serimunt“ sowie „Pontus“ schon dem deutschen Feuilleton gefallen haben. Gelobt wurde ihre überlegte, formal authentische Art, antike Geschichte mit gegenwärtigen Erfahrungen zu verknüpfen.

Näher als Romane sind ihr jedoch Gedichte. Die Lyrikerin schätzt die „komprimierte Form“. Auch als Stadtschreiberin wird sich Danz auf Gedichte konzentrieren. In ihrem neuen Band werden Höderlins späte Hymnen und abgewandelte, griechische Mythen im Mittelpunkt stehen.

Gerne holt Danz die Lyrik auch aus ihrem Elfenbeinturm heraus. Dann nämlich, wenn sie mit Schülern Gedichte bespricht. So arbeitet die Autorin beispielsweise an einem internationalen Projekt mit, bei dem sich Kinder aus Rumänien, Armenien und Ostjerusalem beteiligen. „Von diesen jungen Leute kommt oft ein ganz unorthodoxes „Hä“, wenn etwas nicht verstanden wurde“, erzählt sie. Diese unverstelltenFragen würden dazu beitragen, sich intensiv mit Gedichten zu beschäftigen.

Bis Juni ist das Aufseherhäuschen am Stadtfriedhof ihr Zuhause - umrahmt von Gräbern, Kerzen und Kreuzen. Doch auf diese Umgebung angesprochen, kontert sie: „Zwischen denen in den Gräbern und mir liegt nur ein zeitlicher Unterschied. In spätestens 60 Jahren bin ich auch dort.“ Außerdem ist Danz, die zusätzlich Kunstgeschichte studierte, mit solchen Gefilden vertraut. Mit Krematorien befasste sie sich in ihrer Abschlussarbeit und als Kunstgutinventarisatorin ist sie schon mal auf Friedhöfen unterwegs.

Birgit Vey

Am Sonntag, 17. Juni, liest Daniela Danz um 14 Uhr im Tübinger Stadtmuseum zum Thema „Poesie“.

13.06.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 13.06.2012 - 10:58 Uhr

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