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Straßen, Plätze, Bauten

Der Tübinger Bismarckturm

Am Lichtenberger Weg, zwischen Schloss und Spitzberg, auf der rechten Seite, etwas abseits der Straße, steht der Tübinger Bismarckturm. Otto von Bismarck ist sicherlich eine der schillerndsten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte.

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Als 1871 Wilhelm I. im Spiegelsaal von Schloss Versailles zum deutschen Kaiser proklamiert und der einheitliche deutsche Nationalstaat ausgerufen wird, wird Otto von Bismarck der erste Kanzler dieses neu geschaffenen Reiches. Dessen Politik wird von ihm entscheidend mitbestimmt: außenpolitisch durch ein geschicktes Bündnissystem, innenpolitisch durch die Schaffung des ersten Sozialversicherungssystems und durch die extrem repressiven Sozialistengesetze.

Meinungsverschiedenheiten mit dem dritten Kaiser des deutschen Reiches, Wilhelm II., führen dazu, dass Otto von Bismarck zurücktritt. „Es ist nicht leicht, unter diesem Kanzler Kaiser zu sein“, hatte bereits Wilhelm I. über den machtbewussten und autoritären Bismarck gesagt.

Nach seiner Entlassung setzte eine beispiellose Bismarckverehrung ein, die sich nach seinem Tod 1898 noch verstärkte. Überall entstanden Bismarckgesellschaften, wurden Straßen nach ihm benannt – auch in Tübingen gibt es eine – und wurden Bismarckdenkmäler errichtet. Sein Portrait schmückt auch die alte Universitätsbibliothek in Tübingen. Besonders beliebt waren die sogenannten Bismarcktürme. Von diesen gibt es in Deutschland ungefähr 80, 47 von ihnen sehen so aus wie der in Tübingen.

Sie sind nicht nur Denkmäler, sondern auch Ausdruck einer neuen Freizeitkultur. Im Kaiserreich entdeckte das Bürgertum den Sonntagsspaziergang. Man erging sich im Grünen, erklomm dabei gerne eine Anhöhe, von der aus man möglichst weit in das Deutsche Kaiserreich schauen konnte und fühlte sich – national.

Gesteigert werden konnte dieses Vergnügen noch, wenn auf der Anhöhe ein Turm stand, dem Andenken an Kanzler oder Kaiser gewidmet. 1899 schrieb die Deutsche Studentenschaft einen Architekturwettbewerb aus, der die Errichtung möglichst vieler solcher Türme anregen sollte.

Der Architekt Wilhelm Kreis gewann mit seinem Modell „Götterdämmerung“ den Wettbewerb, die Stadt Tübingen stellte den Bauplatz auf dem Schlossberg, wo die Tübinger Studenten bereits jedes Jahr am 18. Januar im Gedenken an die Reichsgründung einen Fackelzug veranstalteten, kostenlos zur Verfügung. 1907 wurde der Turm in Tübingen eingeweiht.

Nachdem er in den 1970er-Jahren geschlossen wurde, verfiel er mehr und mehr. 1999 übernahm ein Tübinger Ehepaar die Kosten für die Sanierung und seit dem 1. Juni 2000 kann der Turm wieder bestiegen werden. Wer das tun möchte, kann sich beim Tübinger Kulturamt einen Schlüssel ausleihen.

Andrea Bachmann

26.05.2010 - 08:30 Uhr | geändert: 10.08.2010 - 18:00 Uhr

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