Die Hochschulgruppe You-Manity engagiert sich entwicklungspolitisch
Die Welt retten in kleinem Maßstab
In knapp einer Woche geht es los: Die Podiumsdiskussion zum Thema „Helfende Hand oder langer Arm der eigenen Politik? - Deutsche Entwicklungszusammenarbeit in der Kritik“ findet statt. Die Planung wurde bereits vor einem Jahr eingeleitet, aber: „Wir hatten bis vor einer Woche noch keinen Moderator“, erzählt Michael Ost, Mitglied der Tübinger Hochschulgruppe You-Manity, Initiator der Diskussionsrunde. „Ja, es sind uns immer wieder Leute abgesprungen, bis zuletzt“, ergänzt Kathrin Fischer, die seit diesem Semester dabei ist.
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Beide sind mehr als froh, dass sie zuletzt Johannes Schard, den ärztlichen Leiter der Stiftung des deutschen Instituts für Katastrophenmedizin gewinnen konnten. Er wird am kommenden Montag, 30. Januar, um 18 Uhr im Hörsaal 22 des Kupferbaus der Frage nachgehen, in wie fern sich deutsche Entwicklungszusammenarbeit an eigenen wirtschaftlichen Interessen orientieren darf und soll. Eingeladen sind „hochkarätige Gäste“, wie Fischer erzählt, „das kann was werden“, sagt sie breit lächelnd.
Gegensätzliche Meinungen
Vor allem Teilnehmer aus dem Ministerium zu gewinnen, gestaltete sich als schwierig. Letztendlich kamen sie doch, die erhofften Zusagen und so ist eine spannende Auseinandersetzung vorprogrammiert.
Am Tisch versammelt sind Ursula Eid, ehemalige parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, sowie Christian Wilmsen als Vertreter des Ministeriums. Dieser „Ministeriumspart“, wird, nach Einschätzung von Michael Ost, „die deutsche Entwicklungspolitik natürlich eher positiv beurteilen“. Für Ecken und Kanten sorgt Gisela Schneider, die als Direktorin des Deutschen Instituts für ärztliche Mission aus einer von der Regierung unabhängigen Perspektive argumentiert. Kurt Gerhardt, der vierte Diskussionsteilnehmer, ist Mitinitiator des Bonner Aufrufes, der Entwicklungspolitik in ihrer jetzigen Form scharf kritisiert und zu einem grundsätzlichen Umdenken entwicklungspolitischer Interessen auffordert.
„Wir hoffen, die Leute aus der Reserve zu locken und das Thema von allen Seiten zu durchleuchten“, sagt Ost mit Blick auf die kommende Veranstaltung. „Es soll vor allem aufmerksam gemacht werden auf das, was funktioniert und auch auf das, was daneben läuft“, betont Kathrin Fischer mit leichtem Allgäuer Dialekt.
Die Hochschulgruppe
Für You-Manity geht es in Bezug auf das vielfach kontrovers diskutierte Thema „vor allem darum, aus gemachten Fehlern zu lernen, also sich umfassend zu informieren“, erklärt Kathrin Fischer, „andere Menschen und auch uns selbst“. Weiterbildung ist eine zentrale Säule der Hochschulgruppe, die sich vor drei Jahren aus einem Projekt der Stiftung des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin entwickelt hat. Zweiter Schwerpunkt ist die Vernetzung mit anderen You-Manity Gruppen. Dritte Säule ist die praktische Projektarbeit. You-Manity hat ihr eigenes Projekt in Uganda aufgezogen: „Doc on Bike“ stattet einen einheimischen Arzt mit Motorrad und Grundequipment aus um so auch Familien in entlegenen ländlichen Gebieten eine medizinische Grundversorgung zu ermöglichen.
„Inzwischen erreichen wir mit dem Projekt fast 300 Familien! Es hat also etwas gebracht“, freut sich Michael Ost. „Vor allem, weil Familien in Uganda deutlich mehr Mitglieder zählen“, stellt er mit einem Schmunzeln fest.
Bis zur Podiumsdiskussion werden sich die 15 Mitglieder von You-Manity in Tübingen noch häufiger zusammen setzten, um letzte Vorbereitungen zu treffen. Das entworfene Konzept muss mit dem Moderator abgesprochen, Fragen überlegt und Themen ausgearbeitet werden. Es bleibt noch einiges zu tun - während die meisten Studenten schon Nächte über dicken Wälzern büffeln, weil die Klausuren nahen. Die ehrenamtlichen Mitglieder lassen sich davon nicht abschrecken. „Keiner von uns hat den Anspruch, auf einen Schlag die Welt zu retten“, anwortet Kathrin auf die Frage, warum sie sich bei You-Manity engagiert. „Aber wenn auch in kleinem Maßstab - man will etwas bewegen!“ Und kommenden Montag geht es los. Paula Kersten