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Aber das Leben geht weiter

Ein Film über Vertreibung und Verlust der Heimat

„Aber das Leben geht weiter“ heißt der Dokumentarfilm von Karin Kaper und Dirk Szuszies. Im Oktober vergangenen Jahres wurde er bereits in Rottenburg gezeigt, jetzt kommt er nach Tübingen. Am kommenden Montag, 23. April, läuft er um 18 Uhr im Kino „Museum“. Die Regisseurin Karin Kaper ist auch dabei.

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Tübingen. Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg gab es millionenfach: Polen und Deutsche wurden aus ihrer jeweiligen Heimat vertrieben. In letzter Zeit rückt das Thema immer mal wieder in die mediale Öffentlichkeit. Wenn Deutsche dabei insbesondere als Opfer des Zweiten Weltkriegs gezeigt werden, die Ursachen nicht immer im Detail hinterfragt werden, kann das fatale Auswirkungen haben. Kaper und Szuszies suchen jedoch ganz bewusst mit ihrem Film ein Zeichen der Annäherung. Sie zeigen drei polnische und drei deutsche Frauen aus mehreren Generationen, deren Familiengeschichte sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf dramatische Art kreuzte.

Artikelbild: Ein Film über Vertreibung und Verlust der Heimat

Es ist ein Film über Heimat und Krieg, über das Überleben in der Fremde. Ein Film darüber, wie die große Weltgeschichte in das Leben der Menschen einschlägt und die Lebensbahnen durcheinanderwirbelt.

Edwarda Zukowska vor ihrem Haus. Edwarda Zukowska vor ihrem Haus.

Der Film erzählt sehr privat ein jahrzehntelanges besonderes Kapitel in den deutsch-polnischen Beziehungen. Kommentarlos kommen die Frauen zu Wort und lassen den Betrachter Anteil nehmen an ihrer subjektiven Sicht der Ereignisse. Er berücksichtigt nicht nur die erschütternden Vorkommnisse in den Kriegswirren bis zur endgültigen Vertreibung der deutschen Familie aus ihrem niederschlesischen Dorf Niederlinde. Er wirft auch ein Licht auf die Entwicklungen der Nachkriegszeit sowie auf spätere Jahrzehnte bis hinein in die Gegenwart.

Dem Schicksal der Deutschen, die später in Bremen und Umgebung eine zweite Heimat fanden, stellen Kaper und Szuszies das Schicksal der polnischen Familie gegenüber. Sie wurde 1940 von der sowjetischen Armee aus den Ostgebieten Polens nach Sibirien verschleppt. Nach einer bis Kirgistan führenden Odyssee bekam sie schließlich im Sommer 1945 den Hof der Deutschen zugesprochen. Das ehemalige Niederlinde heißt heute Platerówka und liegt 25 Kilometer von Görlitz entfernt.

„Aber das Leben geht weiter“ ist ein Film, der auch für die Debatte über aktuelle Flüchtlingsströme und Migrationsbewegungen von Bedeutung ist. Er veranschaulicht aus dem Blick der betroffenen Frauen den Machtmissbrauch und die Verletzung elementarer Menschenrechte.

Die Weltpremieren des Films waren am 6. und 7. Mai vergangenen Jahres auf dem 8. Neißefilmfestival in Zittau und Görlitz. Die beiden Vorführungen waren die meistbesuchten des Festivals. Vom Publikum und auch von der Presse wurde der Streifen mit überaus großer Zustimmung aufgenommen.

TA

„Aber das Leben geht weiter“, ein Dokumentarfilm von Karin Kaper und Dirk Szuszies, 104 Minuten, FSK ab 12 Jahren, 23. April, 18 Uhr, Museum-Lichtspiele in Tübingen.

18.04.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 18.04.2012 - 16:15 Uhr

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