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Straßen im Kreis Tübingen

Friedrich-Zundel-Straße

Am 15. Juni wird in der Tübinger Kunsthalle eine neue Ausstellung eröffnet. „Off the Wall“, das heißt neben der Spur, sind die provokanten Möbelskulpturen des Briten Allen Jones. Dass sie in Tübingen gezeigt werden können, verdankt die Stadt der Initiative von Paula Zundel geb.

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Bosch, die einen passenden Ort für den künstlerischen Nachlass ihres Mannes benötigte.

In Lustnau erinnert eine Straße an den Künstler Georg Friedrich Zundel. Archivbild In Lustnau erinnert eine Straße an den Künstler Georg Friedrich Zundel. Archivbild

Dabei war Georg Friedrich Zundel die meiste Zeit seines Lebens Bauer. Er wurde 1875 in der Nähe von Maulbronn geboren und wuchs auf einem Bauernhof auf. Ab 1907 lebte er mit seiner zweiten Ehefrau Paula, der Tochter des Industriellen Robert Bosch, auf dem Berghof in Lustnau und widmete sich dort bis zu seinem Lebensende 1948 ebenfalls hauptsächlich der Landwirtschaft.

In der Zwischenzeit war Zundel ein anerkannter und durchaus bemerkenswerter Maler und ein überzeugter Sozialist. Nach einer Lehre als Dekorationsmaler arbeitete er eine Zeitlang in Frankfurt, beschloss dann jedoch, Kunst zu studieren, um seinen politischen und humanitären Idealen auf diese Weise Ausdruck verleihen zu können.

Mensch im Mittelpunkt

In Kalsruhe und Stuttgart verarbeiteten Ende des 19. Jahrhunderts zahlreiche Künstler die Impulse, die von der anderen Rheinseite kamen. Mit diesen „schwäbischen Impressionisten“ war der junge Zundel bekannt, allerdings ging er künstlerisch ganz eigene Wege. Seine Bilder waren realistischer, der Mensch stand immer im Mittelpunkt und neben der lichtdurchfluteten Pleinairmalerei seiner Kollegen wirken seine Bilder heute mit ihren fein abgestuften Farbtönen und den ruhigen Hintergründen erstaunlich zeitlos.

Liebstes Motiv Zundels ist der arbeitende Mensch, den er jedoch aus seiner typischen Umgebung und Aktivität herauslöst. Fast lebensgroß stehen die Handwerker und Arbeiter auf den Leinwänden, in ruhiger, klassischer Haltung. Zundels Kunst ist ausgesprochen unaufwendig. Es ist die Persönlichkeit, die Individualität, die den Maler am Modell interessiert, dessen Selbstbewusstsein ist wichtiger als ein Klassenbewusstsein.

Dieser sachlich-objektivierende Blick auf ein Motiv, das nur allzu leicht Gefahr läuft, ins Pahetische oder Sentimentale abzurutschen, macht den Reiz dieser ausdrucksstarken Handwerker- und Arbeiterporträts aus. An der Schwelle zum 20. Jahrhunderts waren diese Bilder so ungewöhnlich, dass Zundel rasch weit über Stuttgarts Grenzen hinaus bekannt wird.

Proletarische Kunst

Um 1900 begann Zundel, sich an Ausstellungen im Württembergischen Kunstverein zu beteiligen, in dem italienischen Dichter Sylvio della Valle di Casanova fand er einen Mäzen: 1903 konnte er mit seiner Familie in ein großes Landhaus in Stuttgart-Sillenbuch übersiedeln, das zu einem Treffpunkt für Künstler und Sozialisten wurde. Sogar Lenin kam zu Besuch und Rosa Luxemburg verfügte über ein eigenes Mansardenzimmer.

Bekanntschaft mit den Ideen des Sozialismus hatte Zundel bereits an der Stuttgarter Kunstschule gemacht. Inititalzündung war ein Vortrag von August Bebel, der den jungen Studenten tief beeindruckte. 1896 lernte Zundel Clara Zetkin kennen, die mit ihren beiden Söhnen Maxim und Kostja in Stuttgart neben der Familie Bosch wohnte. Die beiden heirateten 1899.

Zundel galt bald als Vertreter einer proletarischen Kunst und wurde von der sozialistischen Presse dementsprechend gefeiert. Dieser Begeisterung stand er jedoch mehr als skeptisch gegenüber. Trotz allen Engagements für die Sache des Sozialismus wollte er seine Kunst nicht zu parteipolitischen Propagandazwecken vereinnahmt wissen.

Seine persönliche künstlerische Entwicklung und die Trennung von Clara Zetkin trugen ebenfalls dazu bei, dass er sich immer mehr überzeitlichen, mythologischen Motiven zuwandte, seine Werke aber häufig nicht vollendete. Schließlich zog er sich völlig aus der professionellen Malerei zurück.

Andrea Bachmann

13.06.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 13.06.2012 - 10:54 Uhr

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