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Straßen im Kreis Tübingen

Gottlieb-Olpp-Straße

Passenderweise geht in Tübingen die Gottlieb-Olpp-Straße direkt in die Paul-Lechler-Straße über: Der Missionsarzt und Tropenmediziner Gottlieb Olpp leitete von 1909 bis 1937 das Institut für ärztliche Mission und die dazugehörige, von dem Unternehmer Paul Lechler mitfinanzierte, Tropenklinik.

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Die Eltern von Olpp waren im Auftrag der Rheinischen Mission in Südwest-Afrika tätig, und so konnte der kleine Gottlieb, der vor 140 Jahren am 3. Januar 18 72 geboren wurde, eine unbeschwerte Kindheit unter afrikanischer Sonne verbringen. Olpp erinnerte sich daran, dass er und seine Geschwister glitzernde Kiesel aus dem nahe gelegenen Fluss gesammelt hätten, die die Mutter einem englischen Händler schenkte, ohne zu ahnen, dass die gläsernen Steinchen vermutlich Diamanten und Rubine waren!

Gottlieb Olpp. Bild: DIFÄM Gottlieb Olpp. Bild: DIFÄM

1878 reisten die drei ältesten Geschwister nach Deutschland zurück, Gottlieb kam auf ein Internat der Rheinischen Mission, war zwei Jahre lang offizieller Spielgefährte eines Fürstensohnes und studierte Medizin in Marburg, Tübingen und München. Er schloss sich der Studentenverbindung „Wingolf“ an und approbierte 1896.

Im Norden der Stadt: Die Gottlieb-Olpp-Straße. Bild: Bachmann Im Norden der Stadt: Die Gottlieb-Olpp-Straße. Bild: Bachmann

Nach einer Spezialausbildung in Tropen- und Infektionskrankheiten ging der junge Arzt 1898 nach China. Im suptropischen Dongguan, einer mittelalterlichen Stadt mit 250 000 Einwohnern in der Nähe von Hongkong, kam er im Missionshospital in Kontakt mit Patienten, die an chronischer Opiumvergiftung litten, musste feststellen, dass die Pest in diesem Teil der Welt ihren Schrecken noch nicht verloren hatte und beschäftigte sich intensiv mit chinesischer Medizin.

1907 kehrte Olpp, ausgelaugt und erschöpft, wieder nach Deutschland zurück und nahm 1909 die Stelle eines 2. Direktors am Deutschen Institut für Ärztliche Mission (DIFÄM) und des Tübinger Tropengenesungsheim an, das er ab 1911 als alleiniger Direktor leitete.

Man sollte meinen, die Leitung einer „Weltapotheke“, wie das Institut für ärztliche Mission scherzhaft genannt wird, und der Tropenklinik würde eine einzelne Person bereits auslasten. Gottlieb Olpp genügte das nicht. Nach seiner Habilitation 1910 lehrte er an der Universität Tübingen und bot tropenmedizinische Kurse für Ärzte und Schwestern an, die sich auf dem Dienst in Übersee vorbereiteten.

Olpp war ein begabter, praxisorientierter Lehrer, dessen Kollegs und Übungen sich außerordentlicher Beliebtheit erfreuten. Daneben arbeitete er an zahllosen wissenschaftlichen Veröffentlichungen, betreute als Doktorvater eine beachtliche Reihe Dissertationen und reiste im Dienst des DIFÄM durch halb Europa, um Vorträge zu halten und Spenden für das Institut und seine Arbeit zu sammeln. 571 solcher Vorträge sind im Laufe der Jahre zusammen gekommen.

Olpp schwärmte für neue Techniken und unkonventionelle Behandlungsmethoden. So konstruierte er für seine Patienten Reitapparate, die die Bewegungen von Kamel und Pferd in Trab und Galopp nachahmten und „tropische Verdauungsbeschwerden“ sowie Depressionen lindern sollten. Als besonders einfühlsam den melancholischen Patienten gegenüber wurde der Umstand gewertet, dass diese „Karusseltiere“ vor einer Kulisse aus Kamelgruppe, Sphinx und Pyramiden aufgebaut wurden.

Bei aller Hochachtung vor seinem Engagement und Können galt der rastlose Mediziner aber auch als schwieriger und exzentrischer Mensch, mit dem es nicht leicht war, auszukommen. Nicht zuletzt, weil der hoffnungslos überlastete Olpp oft nahe am Rande des Nervenzusammenbruchs stand – heute nennt man so etwas, gesellschaftlich mittlerweile völlig legitimiert „burn-out“. 1937 schied Olpp aus dem Dienst des DIFÄM aus, 1950 ist er in Rummelsberg gestorben, nachdem er während des Zweiten Weltkriegs noch als einziger Arzt im dortigen Krankenhaus gearbeitet hatte.

Andrea Bachmann

04.01.2012 - 08:30 Uhr

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