Das Medienecho auf die Eröffnung des bundesweit ersten Islam-Zentrums an einer Universität war immens groß. Viele berichteten schon vorab, andere hielten sich an den vorgestrigen Festakt. Wir blätterten und klickten durch Print- und Online-Ausgaben.
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Zeit online
In Tübingen ist am Montag das erste Zentrum für Islamische Theologie eingeweiht worden. (. . .) Noch wirkt das Tübinger Zentrum etwas provisorisch: Es gibt einen kleinen Seminarraum, als Bibliothek dient die private Büchersammlung des Professors, und der geplante Gebetsraum ist noch im Bau. (. . .) Wenn einige der Tübinger Studenten in ein paar Jahren eine Stelle als Imam antreten, dann werden sie die ersten Vorbeter sein, die in Deutschland ausgebildet wurden. Integrationspolitiker sind überzeugt, dass damit viel für die Integration der vier Millionen Muslime in Deutschland getan wäre. Denn bislang kommen die Imame meist aus der Türkei, sprechen kein Deutsch und kennen die westeuropäische Kultur nicht. Allerdings haben Kritiker die Sorge, dass die Islam-Zentren auch zum Einfallstor für konservative Glaubenslehrer an deutschen Universitäten werden könnten. (. . .)
Zu Beginn dieses Wintersemesters nahm das Zentrum für Islamische Theologie den Lehr- und Forschungsbetrieb auf. Vorübergehend ist es in der Rümelinstraße 27 untergebracht, einer spätklassizistischen Villa, die das Ehepaar Köstlin Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem kulturellen Zentrum ausbaute. Bild: Metz
Der bislang einzige Professor der Zentrums, der international hoch angesehene Koran-Experte Omar Hamdan, [hat] mit seinem wissenschaftlichen Ansatz Kritik hervorgerufen. In Interviews hatte Hamdan gesagt, die islamische Theologie werde nicht infrage stellen, dass Gott selbst der Verfasser des Korans ist. Doch Kritiker fordern eben diese Distanz zur heiligen Schrift des Islam, so wie sie auch in der christlichen Theologie üblich ist. (. . .)
Süddeutsche Zeitung
Theologe sei er, nicht Politiker. Omar Hamdan sagt das immer wieder, seit im Oktober bekannt wurde, dass er der erste Professor für islamische Theologie werden wird, an der Universität Tübingen. Ein frommer Wunsch war das, mehr nicht. Wenn es um den Islam geht, ist in Deutschland das Religiöse politisch. Und ein islamischer Theologieprofessor steht mit allem, was er tut und sagt, in der Öffentlichkeit, wie sehr er sich die Ruhe des Gelehrtenschreibtisches auch wünschen mag.
die tageszeitung
(. . .) Zu den heiklen Punkten gehört, dass muslimische Verbände bei der Berufung von Professoren und Dozenten ein Mitspracherecht haben – so wie auch die Kirchen bei der universitären Ausbildung von christlichen Theologen in Deutschland ein Wörtchen mitzureden haben. (. . .) Gegenüber Omar Hamdan gab es da keine Einwände, weshalb der Deutschpalästinenser seit Oktober das neue Zentrum für islamische Theologie in Tübingen leitet. (. . .) Dass der Koranwissenschaftler einen ganz eigenen Kopf besitzt, zeigte er kürzlich in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur epd. Es gebe in Deutschland bereits mehr als genug Moscheen, sagte er da. Im Zeitalter von Internet und Monitoren reiche eine Zentralmoschee pro Großstadt völlig aus, per Liveübertragung könnten die Freitagspredigten von dort in andere Gemeinden übertragen werden. Solche Vereinheitlichungsgedanken dürften nicht allen gefallen. Ihnen steht die starke Zersplitterung der muslimischen Gemeinden in Deutschland entlang nationaler und konfessioneller Trennlinien entgegen.
Rheinische Post online
Die Tübinger Universität kündigt „ein Mindestmaß an innerislamischem Pluralismus“ an. Ein Beiratsmitglied bezeichnete die Lehre indes als sunnitisch. Kritisiert wird zudem, dass muslimische Verbände die Berufung von Lehrkräften beeinflussen können. (. . .)
Heilbronner Stimme
Professor Bernd Engler, Rektor der Tübinger Universität und Motor des Zentrums, war der Stolz anzusehen. Mehrere Hundert Menschen füllten den Festsaal der Uni restlos. Für Feier wie Zentrum gilt: Die Teilnahme wird als positives Zeichen gedeutet. Staat und Universität sind froh, dass sich die Islam-Verbände auf eine wissenschaftliche Ausbildung künftiger Imame und Religionslehrer einlassen. Die Vertreter der Muslime sehen darin eine Anerkennung – gerade vor dem Hintergrund der Sarrazin-Debatte. (. . .)
Deutschlandfunk
(. . .) Die Bundesregierung hofft, mithilfe der Zentren die Integration des Islams in Deutschland zu stärken. Doch das ist ein Missverständnis der neuen Institute. Dort soll und muss es vor allem darum gehen, islamische Theologie als wissenschaftliche Disziplin zu etablieren. Der theologische Diskurs darf nicht aufgrund noch so honoriger Überlegungen verzweckt werden. Mit Recht wehren sich zahlreiche muslimische Wissenschaftler gegen solche Begehrlichkeiten der Politik. Das heißt nicht, dass die Zentren in ihrer Ausrichtung und Ausbildung an den Bedürfnissen der deutschen Gesellschaft, Muslimen wie Nicht-Muslimen, vorbeigehen dürften. Deshalb muss dort – neben der theologischen Forschung – die Ausbildung von Imamen groß geschrieben werden.
Radio Vatikan
(. . .) Politiker versprechen sich vom Islamstudium an deutschen Unis eine bessere Integration der Muslime. Ob die Dozenten in ihrem Fach sattelfest sind, beurteilt in Tübingen eine Kommission der Uni; ein Beirat von Muslimen will hingegen überprüfen, ob sie auch gläubige Muslime sind. Diese Konstruktion sehen einige kritisch.
Bild online
Uni Tübingen bildet eigene Imame aus. Tübingen ist als liberales Uni-Städtchen berühmt, es ist auch die Wahlheimat des emeritierten Theologie-Professors und Kirchen-Rebellen Hans Küng (83). Er initiierte die Stiftung Weltethos. Seine Botschaft: kein Frieden unter den Religionen ohne Dialog zwischen den Religionen. Jetzt werden hier Muslime ausgebildet. (. . .) Studentinnen des neuen Islam-Studiengangs dürfen übrigens mit Kopftuch in die Uni. an / jol