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Rituale ohne Kirche

Humanisten bieten Alternativen zu Taufe und Konfirmation

Der Verband deutscher Humanisten bietet Alternativen zu kirchlichen Ritualen an. Auch in Tübingen formiert sich eine Gruppe (siehe auch nebenstehender Infokasten).

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Tübingen. In der Kirche werden alle wichtigen Lebensabschnitte festlich begangen: Mit Taufe, Konfirmation, Hochzeit und Beerdigung setzt sie nicht nur Meilensteine auf dem Lebensweg eines Menschen, sondern bietet auch Rituale an, um diese Momente im Leben angemessen und achtsam zu würdigen und zu feiern.

Moritz Schrottenholzer (v.l.), Lasse Erbis, Ralf Jaster und Marcel Kronfeld wollen in Tübingen ... Moritz Schrottenholzer (v.l.), Lasse Erbis, Ralf Jaster und Marcel Kronfeld wollen in Tübingen eine Gruppe der Humanisten aufbauen. Bild: Bachmann

Was tut man, wenn man mit Gott und Kirche nichts anfangen kann, sich für die Feier der Geburt eines Kindes oder des Übergangs vom Kind zum Erwachsenen aber trotzdem einen rituellen Rahmen wünscht? Wenn man nicht nur auf dem Standesamt heiraten oder eine tröstliche, aber kirchlich ungebundene Trauerfeier ausrichten möchte?

Moritz Schrottenholzer (15) hat sich auf die Suche nach einer kirchenfreien Alternative gemacht und ist fündig geworden: Im April hat er mit acht anderen Jugendlichen beim Verband deutscher Humanisten in Württemberg an einer Jugendfeier teilgenommen.

„Der Ansatz von den Humanisten hat uns gut gefallen“, erklärt Lasse Erbis (14), der mit Moritz an der Jugendfeier teilgenommen hat. Gemeinsam sind die beiden von November bis April immer wieder nach Stuttgart zu den Vorbereitungstreffen gefahren. Dabei wurden ethische Fragen diskutiert, alle Teilnehmer mussten Themen wie „Toleranz“ oder „Freundschaft“ bearbeiten und etwas dazu präsentieren. „Die Persönlichkeit des Einzelnen steht dabei im Mittelpunkt“, meint Lasse. „Ich muss begreifen, dass ich für das einstehen muss, was ich gemacht habe, und nicht alles an einen Vermittler abgeben kann.“

Jetzt machen die beiden eine Ausbildung zum Gruppenleiter. Gerne würden die Tübinger Humanisten, die bislang immer nach Stuttgart zu den Veranstaltungen fahren, auch in Tübingen eine Gruppe aufbauen. Marcel Kronfeld (33), frisch promovierter Softwareingenieur und Humanist seit 2010, ist überzeugt, dass gerade in einer Universitätsstadt weltanschauliche Gemeinschaften wie der Verband der Humanisten zum Aufbau einer säkularen Kultur beitragen könnten. „Es gibt kaum Angebote für konfessionslose oder atheistische Menschen, die deren spirituelle Sinnsuche auffangen.“

Braucht man überhaupt eine „Gemeinde zum Nichts-glauben“? Ralf Jaster, der Vater von Moritz, der erst durch die Jugendfeier seines Sohnes engeren Kontakt zum Verband der Humanisten bekommen hat, schätzt an ihm, dass er eine Plattform bietet, um in der Tradition der Aufklärung die großen Fragen des Lebens in einer Gemeinschaft diskutieren zu können. Die Kirche dürfe kein Monopol für solche Lebensfragen haben.

Zudem ist Ralf Jaster überzeugt, dass Rituale ein wichtiger Teil der menschlichen Gesellschaft sind: „Gewisse Daten im menschlichen Leben sind einfach universell, und die dazugehörigen Rituale sind oft viel älter als die Kirche und von dieser nur vereinnahmt worden.“

Andrea Bachmann

16.05.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 16.05.2012 - 09:44 Uhr

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