Keine Schulferien ohne Schule. Und keine Schule ohne Lehrer. In Nehren genoss ein Schulmeister einen solch legendären Ruf, dass man eine Straße nach ihm benannt hat. Johann Conrad Schneider wurde 1794 geboren.
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Das Nehrener Rathaus nebem dem Dürr’schen Anwesen (links) diente auch als Schulhaus, in dem Johann Conrad Schneider unterrichtet hat. Bild: Bachmann
Seine Mutter Johanna Dürr kam bereits aus einer regelrechten Schulmeisterdynastie, ihr Vater Anastasius war ebenso Lehrer wie ihr Bruder Josias, der außerdem das Amt des Schultheißen bekleidete. Die Familie baute zwei stattliche Häuser an der Hauptstraße und hatte jahrhundertelang großen Einfluss im Dorf. Die „Schulhanne“, wie Schneiders Mutter genannt wurde, heiratete einen Bauern und eigentlich hätte Johann Conrad Schneider den Hof übernommen. Aber nachdem der für den Schuldienst vorgesehene Sohn von Josias Dürr früh gestorben war, trat Johann Conrad Schneider 1814 die Nachfolge seines Onkels an.
1815 heiratete er Anna Nill, die Tochter einer angesehenen Bürgersfamilie. Die beiden bekamen sieben Kinder und bis 1838 scheint das Haus der Lehrerfamilie ein ausgesprochen glücklicher Ort gewesen zu sein. Im März jenen Jahres starben zuerst zwei Kinder und wenige Tage darauf deren Mutter. „Als Ehegattin und Mutter und als Christ war sie ein Muster vorzüglicher Tugenden. Gottes Hand liegt schwer auf mir und meinen sieben Kindern“, trauerte der Witwer und allein erziehende Vater.
Großzügiger Kreditgeber
Vielleicht angesichts des eigenen Unglücks kümmerte sich der Schulmeister nicht nur darum, dass die Nehrener Kinder lesen, schreiben und rechnen lernten, sondern unterstützte zahlreiche Familien, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens standen. Dem späteren Brauereibesitzer Ernst Wulle, der aus einer bitterarmen Schreinerfamilie stammte, besorgte er 1832 eine Lehrstelle als Bierbrauer in Stuttgart.
Darüber hinaus verlieh Schneider immer wieder Geld. Die Zusätze, die er in seinem sorgfältig geführten Hausbuch hinter gewährten Krediten vermerkt, lassen darauf schließen, dass er auf die Rückzahlung häufig verzichtete: „Ins Grab geschenkt“ wurden Kapital und Zins, um die Hinterbliebenen des Schuldners nicht zu belasten. Hofschauspieler, Wundärzte, Lehrerkollegen, Bauern, Witwen und Waisen, Gemeinderäte und der Totengräber profitierten von Johann Conrad Schneiders Großzügigkeit.
Ausgezeichneter Lehrer
1841 wurde beschlossen, in Nehren ein neues Rathaus zu bauen. Der repräsentative Bau an der Hauptstraße neben den Dürr’schen Anwesen diente auch als Schulhaus. Im ersten Stock, neben der Amtsstube des Schultheißen, waren die Schulräume, die Lehrerfamilie wohnte darüber.
1844 starb Schneiders Sohn Eduard, 19 Jahre alt und frisch gebackener Lehrer, zwei Jahre später die 16-jährige Tochter Pauline. Von den sieben Kindern blieben drei übrig, selbst im 19. Jahrhundert war das eine bittere Bilanz. Die Töchter Philippine und Amalie heirateten die Schulmeister von Bodelshausen und Murrhardt, der 1826 geborene Sohn Paul wurde ebenfalls Lehrer und unterrichtete in einer Albgemeinde. Eines Abends soll er zu seinem Vater nach Hause gekommen sein und erklärt haben, er hätte vom „Pfaffenregiment“ genug. Den begabten Sänger zog es auf eine größere Bühne als das Klassenzimmer und tatsächlich gelang ihm eine beachtliche Karriere als Sänger am Königlichen Hoftheater in Stuttgart, wo er von König Karl mehrfach ausgezeichnet wurde.
Ausgezeichnet wurde auch sein Vater. Zum 50-jährigen Dienstjubiläum wurde Johann Conrad Schneider 1864 eine goldene „Civilverdienstmedaille“ verliehen, dazu gab es eine silberne „Schnuppdabaksdoßen“ und eine „Prachtbibel“. 1877 ist der Nehrener Schulmeister, dem in 54 Jahren Generationen von Kindern zu Füßen saßen, gestorben.