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Ein Revoluzzer mit Ethno-Flair

Liedermacher Tom Liwa hat Indierock-Geschichte geschrieben

Er gilt als Ikone der hiesigen Singer- und Songwriter-Szene: Tom Liwa ist ein Rebell, egal, ob er sich als Songwriter präsentiert oder richtig abrockt. Am heutigen Mittwoch stellt er im Tübinger Löwen sein neues Soloalbum „Goldrausch“ vor.

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Das Leben ist kompliziert. Aber schön. Auf diese einfache Formel lässt sich die Botschaft von Tom Liwa bringen. Darüber lassen sich immer neue Lieder schreiben, in denen sich viele wieder erkennen können.

Träumer mit Bodenhaftung: Tom Liwa Bild: Spieß Träumer mit Bodenhaftung: Tom Liwa Bild: Spieß

Von den späten 80er- bis in die mittleren 90er-Jahre hinein war Liwa, Jahrgang 1961, mit seinen Flowerpornoes der mehr oder weniger heimliche Wortführer jener Generation, für die der Begriff 78er geprägt wurde. Über den Status des ewigen Geheimtipps ist er trotzdem nie ernstlich hinausgekommen. Dazu ist seine Musik zu verschroben, zu kauzig. Der Duisburger ist ein Träumer mit Bodenhaftung. Irgendwo muss es sie doch geben, die Liebe mit Idealverlauf, so sein Credo: „Wir sind Enten vom selben Teich/ Das wusst’ ich gleich“, hat er einst in einem seiner Songs die Liebe erklärt. Naivität und geronnene Lebenserfahrung treffen sich auch in vielen seiner neuen Lieder. Sie beziehen ihre Poesie aus einer einfachen, klaren Sprache. Intellektuelles Gebaren braucht es dafür nicht.

Liedermacher galten ja als völlig out, bevor in den 90er-Jahren Bernd Begemann, Funny van Dannen und eben Tom Liwa das Gitarrenlied ins Zeitlose wendeten. Die Musik des Esoterik-Fans ist alles andere als spektakulär, sein Auftreten eher skurril als souverän. Sein Gitarrenspiel zum ruhigen Fluss des Sprechgesangs ist solide, ein Virtuose ist er nicht. Alles wirkt unaufgeregt, wie bei einer Session. Während sich Funny van Dannen als abgeklärter Humorist gefällt, gibt Bernd Begemann den charmanten Klassenclown. Tom Liwa dagegen ist auf eine melancholische Weise lustig, seine Schwermut ist in eine wunderbar lakonische Komik verpackt.

Seit einer Weile gibt Liwa auch Qi-Gong-Workshops. Deren typischen Verlauf erklärt er in einer seiner launigen Conferencen so: „Es kommen Leute, die Probleme haben. Danach sind die Probleme weg. Sie sind absolut selbstbewusst und glücklich. Daraufhin werden sie von ihren Partnern verlassen, die das neue Selbstbewusstsein nicht zu ertragen vermögen.“ Da gibt’s nur eine Lösung: Die Leute gehen wieder zu einem Workshop bei Tom Liwa. Ein funktionierendes Geschäftsmodell.

Seinen mitunter revolutionären Anliegen, die der 50-Jährige in einschmeichelnde Songs verpackt, tut das natürlich keinen Abbruch. Im Gegenteil: Hat man sich erst auf diese Personalunion aus Rock-Revoluzzer und Liedermacher eingelassen, kann man sein blaues Wunder erleben. Mit scharfem Blick, spitzer Zunge und viel Gefühl für Timing formt Liwa nicht nur banale Alltäglichkeiten zu mitreißenden Songs, sondern bezieht auch politisch Stellung.

Tom Liwas Musik wirkt niemals glatt, kalkuliert oder gar zahm. Der Liedermacher gibt sich als kauziger Revoluzzer mit Ethno-Flair, als einer, der den Traum von der Liebe mit Idealverlauf noch lange nicht aufgegeben hat. Jürgen Spieß

Tom Liwa stellt am Mittwoch, 9. Mai, sein neues Album um 21 Uhr im Tübinger Kino Löwen vor.

09.05.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 09.05.2012 - 15:36 Uhr

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