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Schule ohne Noten

Montessori-Pädagogik aktiviert Lernimpulse

Etwas abgelegen, hinter dem Tübinger Westbahnhof, liegt die Freie Aktive Schule. Es ist ein heller Bau, der eher an ein Waldhaus als an eine Lern-Anstalt erinnert. Hier lernen die Schüler nach den Montessori-Prinzipien (siehe auch neben stehenden Info-Kasten).

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Birgit Vey

 

Mathe zum be-greifen: In der Montessori-Schule wird mit dem Holzkasten gelernt. Bild: Vey Mathe zum be-greifen: In der Montessori-Schule wird mit dem Holzkasten gelernt. Bild: Vey

Tübingen. Noten, vorgegebenen Unterrichtsstoff und Klassen: Das kennen die Schüler der Freien Aktiven Schule nicht. Statt dessen ist der Schulraum in kleine Lernnischen unterteilt, die durch Stoffvorhänge abgetrennt sind. Dort nehmen die Schüler an den Tischen Platz, nachdem sie sich aus den davor stehenden Regalen bedient haben. Auswählen konnten sie zwischen den sinnlichen Materialien, die Maria Montessori entwickelt hat: beispielsweise Perlenketten oder farbige Stoffreihen.

Anders als in gängigen Schulen können die Schüler hier auch entscheiden, mit welchem Fach sie beginnen. Ob erst Rechnen oder Schreiben – das bestimmen sie selbst. Denn in dieser Schule setzen die Pädagogen auf den „Lernimpuls“. Damit beschrieb Montessori den im Kind angelegten Drang, sich für eine Sache zu begeistern, oder die Neugierde, sich mit etwas beschäftigen zu wollen.

Einen hohen Stellenwert misst die Freie Aktive Schule dem selbstständigen Arbeiten bei. Als „individuelle Lernzeit“ steht es im Stundenplan. So holt eine Grundschülerin einen Holzkasten aus dem Regal, in dem rote Kreise liegen. Als ersten Kreis sieht sie eine ganze Fläche, als zweiten einen Kreis, der aus zwei Hälften besteht. Legt die Schülerin nun die zwei Hälften über den ganzen Kreis, kann sie erkennen: Zusammen ergeben die Hälften eine 1. Und das notiert die Schülerin auf: ½ und ½ ist gleich 1. Die ersten Schritte zum Bruchrechnen sind getan. Allein, ohne Lehrer, hat die Schülerin das geschafft. „Spielend lernen“, nennt es Schulleiterin Gabriele Schmid. Auch das deutlich jünger Mädchen neben ihr – die Schule arbeitet altersgemischt – macht ihre Aufgabe ganz ohne fremde Hilfe. Die zwei Kurven des „S“ fährt sie mit den Fingern auf Sandpapier nach: eine vorbereitende Schreibübung.

„Montessori hat ihre Materialen sehr gut durchdacht“, sagt Schmid. Als weiteres Beispiel verweist die Schulleiterin auf ein Kind, das mit Rechenaufgaben beschäftigt ist. Multiplikationen sind gefordert, die Lösungen stehen auf der Rückseite des Lern-Kastens. „Damit liegt die Kontrolle beim Kind selbst“, erklärt Schmid. „Es muss sich nicht von Erwachsenen überprüfen lassen, ob etwas richtig oder falsch ist.“

Eine ungezwungene Atmosphäre herrscht an dieser Schule, in der sich die Schüler jederzeit frei bewegen können. Mancher läuft barfuß herum. Und macht ein Schüler mal eine Pause, stört das hier niemanden. Die Lehrer werden mit den Vornamen angesprochen. Doch selbst die Bezeichnung Lehrer vermeidet man in der Freien Aktiven Schule. Begleiter werden sie hier genannt.

Englisch, Kunst und andere Fächer werden im kleinen Kreis von rund sechs Schülern erlernt. Eine Aufteilung in Schularten gibt es in der Aktiven Freien Schule nicht. Sekundarstufe 1 ist der Begriff für die fünften bis zehnten Klassen. Wobei ab der 7. Klasse Prüfungsvorbereitungen stattfinden. Doch auch hier bleibt die Wahl bei den Schülern, die sich für den Hauptschul- oder Realschulabschluss entscheiden können.

Info: Anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens laden Schule und Kindergarten am Samstag, 12. Mai, zum Tag der offenen Tür ein.

www.aktive-schule.de

09.05.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 09.05.2012 - 15:39 Uhr

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