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Kommentar

Ohne Groll in das neue Jahr

Die Schlange lauerte bekanntlich im Paradies, der Tod wohnt auch in Arkadien. Wer von den lärmgeplagten Altstadtbewohnern denkt, droben auf den Hügeln Tübingens oder schon auf den Halbhöhenlagen sei alles besser, der hat natürlich recht. Im Prinzip wenigstens. Der Teufel liegt im Detail.

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Fred Keicher

Denn auch auf den Hügeln werden Zeitungen zugestellt. Frühmorgens. Manche dieser Zusteller haben Mofas. Manche dieser Mofas sind recht laut. Besonders morgens um fünf, wenn der Tag jung ist und die „Zeitung für Deutschland“ zugestellt wird. Es sei hier nicht gelästert über die verehrte Konkurrenz. Aber nicht verschwiegen werden soll der Eindruck, dass dort nicht nur im Feuilleton gerne der große Auftritt inszeniert wird. Das gehört offensichtlich zum Markenkern, zur Corporate Identity, bei einer ordentlichen Firma geht das hinunter bis zum Austräger.

Fred Keicher studierte neugierig seine Wahlunterlagen Fred Keicher studierte neugierig seine Wahlunterlagen Archivbild

Der Zusteller war diesen Sommer krank. Das hat sich schnell herumgesprochen. Seine Vertretung kam nämlich zu Fuß und lautlos. Manche haben deshalb verschlafen. Vielen entgingen aber auch die wunderbaren Sommermorgen mit ihrem rauschenden Regen.

Im Herbst kehrte die alte Ordnung wieder ein. Pünktlich jeden Morgen um fünf Uhr. Die Nachbarin fügte sich nicht ganz klaglos in ihr Schicksal: „Na ja, da muss ich halt wieder das Fenster schließen und die Rollläden runter lassen. Aber muss der immer gerade vor meinem Schlafzimmerfenster Gas geben?“ Dort fängt die Steigung an. Das war immer so. Das wird auch noch lange so bleiben.

Was aber Weihnachten in den Herzen der Menschen bewirken kann, beweist folgende Geschichte. Ohne Groll, ohne einen Schimmer von Vorwurf, erzählte die Nachbarin neulich: Sie habe dem Zusteller ein Geschenk gemacht, „weil er doch immer so pünktlich ist“. Und hoffentlich auch im neuen so Jahr so pünktlich bleibt.

27.12.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 27.12.2012 - 16:41 Uhr

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