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Schwäbische Quadrate

Ritter Sport produziert seit 100 Jahren Schokolade

Erst kam das Quadrat, dann der Knick, schließlich wurde sie bunt: die Ritter Sport Schokolade. 2012 feiert sie ihr 100-Jahr-Jubiläum.

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Birgit Vey

Waldenbuch. In Bad Cannstatt fing alles an. Dort heirateten 1912 der Konditor Alfred Ritter und Süßwarenladeninhaberin Clara Ritter, geborene Göttle. Bald gründeten sie ihre erste Firma. „Mein Großvater machte noch vieles selbst“, erzählt Enkelin Marli Hoppe-Ritter, die heute im Beirat des Unternehmens sitzt. Und zur Konditorehre gehörte ein breites Spektrum: Pralinen, Schokostangen, bemalte Marzipan-Früchte oder Schnapsbohnen, um nur einige Angebote zu nennen. In den 1930er Jahren wurde Bad Cannstatt zu klein. Ritter Sport zog nach Waldenbuch- und hier wurde das Quadrat geboren. Denn 1932 bemerkte Clara Ritter auf dem Fußballplatz, dass die Zuschauer Schwierigkeiten hatten, Langtafeln in ihre Sakkos zu stecken. „Machen wir doch eine Schokolade, die in jede Sportjacketttasche passt“, schlug sie vor. Damit war die wegweisende Entscheidung getroffen: Ritter Sport dampfte die zwei Längsseiten auf ein quadratisches Format ein. Glücklicher Nebeneffekt: Weil die 100-Gramm-Tafel bei unverändertem Gewicht und geringerer Fläche dicker wird, finden nun auch ganze Nüsse Platz - diese Sorte zählt zur Lieblingsschokolade der Kunden.

In Waldenbuch wurde das süße Quadrat geboren. Bild: Ritter. In Waldenbuch wurde das süße Quadrat geboren. Bild: Ritter

Im Zweiten Weltkrieg musste die Produktion eingestellt werden. „Es gab weder Kakao noch Mitarbeiter“, so Hoppe-Ritter. Danach starteten die Ritters jedoch wieder durch. „Als kleines Mädchen habe ich damals meiner Großmutter geholfen“, erinnert sie sich. Beispielsweise schnürte das Mädchen Pakete, die in die „Ostzone“ geschickt wurden. Jeden Tag besuchte die junge Hoppe-Ritter ihre Oma, die sich bis zu ihrem 82. Lebensjahr für Ritter Sport einsetzte und 1959 starb.

Marli Hoppe-Ritter Bild: Vey Marli Hoppe-Ritter Bild: Vey

Seit den 1950er Jahren leitete Hoppe-Ritters Vater, Alfred Otto Ritter, die Firma. „Er hat das Sortiment gestrafft und sich aufs Quadrat konzentriert“, weiß die Tochter. Hinzu kam 20 Jahre später der Slogan „Quadratisch , praktisch, gut“. Dann folgten 1972 die olympischen Spiele in Deutschland. Da passte der Name Ritter Sport bestens. Zwei Jahre später beschloss Hoppe-Ritters Vater, dass mehr Farbe zur Schokolade muss: Jede Sorte bekam einen anderen Ton. So steht blau für Vollmilch, grün für Nuss oder rot für Marzipan. Praktisch war, dass in der gleichen Zeit ein anderes quadratisches Produkt auf den Markt kam: der Farbfernseher. Noch eine geniale Idee schloss sich 1976 an: der Knickpack. Dieser neue Öffnungsmechanismus war 20 Jahre als Patent geschützt

Heute leitet Hoppe-Ritters Bruder Alfred Theodor die Geschäfte. Und das Quadrat geht längst auf Weltreise: in 90 Ländern gibt es Ritter Sport, unter anderen in Russland und den USA. „Ich sitze in der zweiten Reihe, die ist angenehmer“, beschreibt Hoppe-Ritter ihre Stellung. Beispielsweise engagiert sich Marli Hoppe-Ritter beim Nicaragua-Projekt Cacaonica, bei dem Kakao zu fairen Preisen bei den Bauern eingekauft wird. Daneben erhielt das Unternehmen 2009 für seine familienfreundliche Arbeitszeitgestaltung beim Top Job Award den ersten Platz. Denn 30 verschiedene Teilzeitmodelle bietet die Firma, die besonders Frauen nutzen.

Noch eine Weile wird Marli Hoppe-Ritter weitermachen. Dann sind die Urenkel dran. Die drei Kinder des Bruders und ihre zwei Söhne werden das Familienunternehmen in der vierten Generation mitgestalten und für 900 Mitarbeiter(innen) Verantwortung übernehmen.

27.06.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 27.06.2012 - 20:21 Uhr

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