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Kommentar

Saufen für Führungskräfte

Sucht ist ein großer Korb, in den alles Mögliche geworfen wird. Bei den Jugendlichen, sagt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Mechthild Dyckmann, habe das Glücksspiel sowie das pathologische Computerspiel und der Internetgebrauch stark zugenommen. Das Trinken dagegen nehme eher ab, hat die Drogenbeauftragte festgestellt. Außer dem Rauschtrinken, was früher drastischer Komasaufen genannt wurde.

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Wer am Freitagabend durch Tübingen geht, kann das bestätigen. Die Altstadt ist der Ort eines riesigen öffentlichen, meist friedlichen Gelages. Ab 22 Uhr, hat man den Eindruck, trifft man kaum jemand, der nicht betrunken ist. Bier ist der Stoff, aus dem der Rausch ist.

Fred Keicher Fred Keicher Archivbild

Viele Jugendliche zieht es aber aus Tübingen hinaus, in Stuttgarter und unbegreiflicherweise Reutlinger Discos. Treffpunkt ist in Bahnhofsnähe. Die jungen Männer und Frauen versorgen sich mit einer Flasche Billigwodka und Maracujasaft zum Vorglühen. Es sind meistens Schülercliquen, die sich so auf die Piste begeben. Sie kennen einander, sie wissen, mit wem sie sich die Kante geben.

Artikelbild: Omständliches telefoniera

Erstaunlich ist aber der Termin: die Nacht von Freitag auf Samstag. Vermutlich deshalb, weil sie dann bis Montag Zeit haben sich auszuschlafen. Das perfekte Timing lässt vermuten, dass die Führungskräfte von morgen den Stressabbau trainieren. Nach dem Stress im Turbo-Gymnasium unter der Woche die Party am Wochenende. Aber so, dass jeder am Montag wieder topfit ist.

Andernorts ist ein Zerfall der Trinksitten zu beklagen. Reden wir von den Verbindungshäusern. Drei Paletten Oettinger Bier vor einer trinkstarken Verbindung auf dem Österberg konnten wir vor einiger Zeit als Hommage an einen scheidenden Ministerpräsidenten verstehen. Aber jetzt beobachten wir dieselbe Marke auch regelmäßig in Palettenstärke vor Verbindungshäusern auf dem Schlossberg.

04.07.2012 - 08:30 Uhr

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