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Trotz Frost gibt’s Most

Sibirische Kälte hinterließ in Weinbergen und Streuobstwiesen kaum Schäden

Minus 17,1 Grad Celsius zeichnete die TAGBLATT-Wetterstation auf dem Dach des Verlagshauses an der Tübinger Uhlandstraße am Sonntag, 12. Februar, morgens um 9.10 Uhr auf. Das war das Minimum in diesem Winter.

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Artikelbild: Sibirische Kälte hinterließ in Weinbergen und Streuobstwiesen kaum Schäden

Ab minus 18 Grad – so geht die Regel – erfrieren die Weinstöcke. Die scheinen sich an die Regel gehalten zu haben.

Noch weiß man allerdings nichts Genaues. Die Tiefsttemperaturen verteilen sich sehr ungleich. In der Regel ist es in Bodensenken und tiefen Lagen kälter als in hohen Lagen. Direkt am Boden ist es allemal kälter als in zwei Meter Höhe, wo der Deutsche Wetterdienst die Temperaturen standardmäßig misst. Der hat in Freudenstadt ein Minimum von 19 Grad gemessen und in Stuttgart-Echterdingen minus 24 Grad.

„Noch sind alle Augen grün“, sagt Tom Ellinger zuversichtlich. Der Kusterdinger hat seine Weinberge in Hirschau. Erfrorene Knospen und Triebe erkennt man daran, dass sie innen braun werden. Schäden erwartet er am ehesten bei den Sorten Portugieser und Müller-Thurgau, die am frostempfindlichsten sind. Allerdings hat er gerade die beiden Sorten schon geschnitten: „Weil es halt im Dezember so warm war.“ Deshalb kann er jetzt nicht mehr regulierend eingreifen. Das kann man dadurch, dass man statt zwei, drei Fruchtruten auf dem Stamm lässt. Bei gutem Austrieb werden die wieder entfernt.

Frosthärter sind der Schwarzriesling und der Kerner. „Der hat das vom Riesling geerbt“, seinem einen Elternteil, und nicht vom anderen, nämlich dem Trollinger. Gottseidank, der Trollinger ist nämlich extrem frostempfindlich.

„Wenn die Eiseskälte plötzlich kommt, ist der Schaden an den Stöcken größer“, weiß Ellinger. Der Wein habe so was wie eine eingebaute Frostschutzeinrichtung. Wenn die Temperaturen langsam sinken, baut sich die eingelagerte Stärke in Zucker um. Der schützt den Stock besser vor dem Erfrieren.

„Ich war in den letzten Tagen nicht im Weinberg“, sagt Klaus Biesinger aus Wendelsheim. Der Weingärtner betreibt in Rottenburg die Weinstube Stanis. Dort war bis gestern eine ganz andere Jahreszeit.

Auch er geht davon aus, dass die Weinberge „nicht groß was abgekriegt haben“, vielleicht Portugiesertrauben in Flachlagen. Biesinger freute sich sogar über den Frost. So konnte er noch vor vier Wochen seinen Silvanereiswein ernten. Da hatte es unten in Wendelsheim minus 11 Grad, im Weinberg war es sogar wärmer: minus 8,5 Grad.

Gäbe es einen Schaden, es wäre das normale Betriebsrisiko. „Es hat jetzt viele Jahre einen Vollherbst gegeben“, sagt Biesinger. Ein Ertragsausfall wäre eine Art „Ausdünnungseffekt“. Tom Ellinger kann sich noch gut an die letzte sibirische Kältewelle 1984/85 mit Temperaturen bis minus 28 Grad erinnern. Damals hatte er frisch in Hirschau fünf Ar Portugieser gepachtet. Die hätten sich damals ganz normal entwickelt. In einer Augustnacht hätten alle Stöcke den Geist aufgegeben.

Bei den Obstbäumen kann man erst bei der Blüte sagen, wie sie durch den Winter gekommen sind, sagt Joachim Löckelt, der Obstbauberater beim Tübinger Landratsamt. Aber er geht davon aus, dass Obstbäume Temperaturen bis minus 20 Grad aushalten. Frostrisse an den Stämmen hat er keine beobachtet. Frost risse träten besonders dann auf, wenn die Unterschiede zwischen den Temperaturen tags und nachts sehr groß sind. Aber bei der letzten Kältewelle sei es tags auch bitterkalt gewesen.

Herbert Heberle ist der zweite Vorstand des Rottenburger Obst- und Gartenbauvereins. Er wohnt oben in der Magdeburger Straße und hat die Temperaturen dort aufmerksam verfolgt. Minus 19 Grad war das Minimum: „Das haben die Bäume ausgehalten.“

Fred Keicher

22.02.2012 - 08:30 Uhr

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