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Einsam im Ramadan

Tarek Hegazy kennt die deutsche und die arabische Mentalität

Tarek Hegazy kommt aus einem Land, das sich im politischen Umbruch befindet: Ägypten. Wohin die Heimat des Tübinger Geschichtsstudenten in Zukunft steuert, ist zwar noch ungewiss. Doch über seine persönlichen Ziele ist er sich im Klaren.

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Tarek Hegazy studiert Geschichte an der Uni Tübingen und will Auslandskorrespondent werden. Bild: ... Tarek Hegazy studiert Geschichte an der Uni Tübingen und will Auslandskorrespondent werden. Bild: Vey

Tübingen/ Kairo. „Tübingen ist überschaubar, aber eine ganz nette Kleinstadt”, findet Tarek Hegazy. Der 25-Jährige kommt aus Kairo, eine Stadt mit 22 Millionen Einwohnern. „Kairo ist sehr lebendig“, erklärt der Student. Hupende Autos, volle Straßen und ein kaum geregelter Verkehr würden diese Weltstadt prägen. Sommertemperaturen von 40 Grad und dazu eine trockene Luft führten dazu, „dass man diese Hitze deutlich spürt“. Dennoch besitze Kairo eine besondere Ausstrahlung. „Diese Metropole muss man erleben“, wirbt Hegazy für seine Heimat und ergänzt: „Aber man muss sie auch überleben.“

Artikelbild: Özgun Parasi vermisst Kontakte mit deutschen Kommilitonen

Hegazy wurde in Kairo geboren und besuchte dort einen französischen Kindergarten. Denn diese Sprache kannte er von seinen Eltern, die in der französischen Schweiz Hotelmanagement studiert hatten. Anschließend ging Hegazy auf ein deutsches Gymnasium und machte dort sein Abitur. Drei Sprachen beherrscht Hegazy also fließend: deutsch, ägyptisch und französisch.

Doch Deutschland kannte der Abiturient noch nicht. Allerdings hat Hegazy durch seinen Großvater, einen Stuttgarter Busunternehmer, deutsche Wurzeln. Nach Tübingen kam er, weil er seine perfekten Deutschkenntnisse einsetzen wollte und „die geisteswissenschaftlichen Fächer hier fundierter sind als an den Unis in Kairo, die mehr auf Naturwissenschaften ausgerichtet sind“. Abgeschreckt haben den angehenden Studenten zudem die Kairoer Hörsäle, in denen sich um die 800 Kommilitonen tummeln.

„Ein Schock”, meint Hegazy, sei der Start in Tübingen gewesen. Im Winter 2004 kam er an. „In Kairo sind es dann immer noch um die 15 Grad plus. Hier in Tübingen musste ich dagegen 15 Grad minus aushalten. Damit hatte ich anfangs zu kämpfen.“ Und Überraschendes passierte. „Ich habe das erste Mal in meinen Leben Schnee gesehen.“ Inzwischen hat er sich an die Wintertemperaturen gewöhnt, die in diesem Jahr auch eher mild ausfallen. Das Multi-Sprachtalent ist auch in der Lage, „schwäbisch gut zu verstehen, aber verständigen kann ich mich damit nicht“.

Hegazy ist Moslem. Mit seiner Religion fühlt er sich im Schwabenland manchmal als Außenseiter. „Besonders in der Ramadan-Zeit fehlt mir meine Familie, mit der ich diese Fastentage gemeinsam verbrachte. Hier muss ich den Ramadan alleine meistern.“ Der Kontakt zu seinen Eltern ist dem Einzelkind auch sonst wichtig. Regelmäßig tauscht er sich mit seinen Angehörigen aus oder sie besuchen sich gegenseitig. Wobei Hegazy im vergangenen Frühjahr nicht nach Kairo reisen konnte. „Wegen den Aufstände in Ägypten gab es eine Auslandssperre und alle Flüge wurden gestrichen.“

Hegazy steuert den Master in Geschichte an. Danach will er als Auslandkorrespondent arbeiten. „Ich denke, dass ich dafür gute Voraussetzungen mitbringe. Denn ich kenne die deutsche wie die arabische Mentalität und habe in diesen zwei verschiedenen Welten gelebt.“

So schätzt Hegazy nicht nur die Käsespätzle, „mein schwäbisches Lieblingsgericht“. Er liebt ebenso Koshary, das ägyptische Pendant. Aus Nudeln, Reis, Linsen, Tomatensoße und gerösteten Zwiebeln besteht dieses scharfe Gericht, das mit Essig serviert wird. Birgit Vey

25.01.2012 - 08:30 Uhr

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