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Straßen im Kreis

Uhlandstraße

Der Politiker, Wissenschaftler und Dichter Ludwig Uhland wurde als Freiheitskämpfer und Vordenker der nationalen Einheit im Kaiserreich so verehrt, dass es heute angeblich in jeder Stadt Deutschlands eine Uhlandstraße gibt. In Tübingen ist man dem großen Sohn der Stadt zuliebe noch etwas weiter gegangen.

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Hier gibt es außerdem noch ein Uhlanddenkmal, ein Uhlandgymnasium, ein Ludwig-Uhland-Institut, ein Uhlandbad, eine Uhlandstube und auch die Polizeiwagen sind nach ihm benannt: „Uhland Zwo, bitte kommen.“ Neben Goethe und Schiller war Ludwig Uhland, am 26. April 1787 in Tübingen in der Neckarhalde geboren, der bekannteste deutsche Dichter des 19. Jahrhunderts. Seine 1815 erschienenen Gedichte wurden bis 1875 in 60 Auflagen etwa zweihunderttausendmal verkauft.

Ludwig Uhland wurde am 26. April 1787 geboren. Archivbild Ludwig Uhland wurde am 26. April 1787 geboren. Archivbild

Was sprach seinen Leserinnen und Leser so an, dass ein kleines Gedicht mit drei Strophen à vier Zeilen über eine zugegebenermaßen ziemlich schön gelegene, aber sonst nicht gerade großartige Kapelle, diese in eine Pilgerstätte verwandelte?

Die herausragende literarische Qualität seines Werks kann es nicht gewesen sein. Die Rührseligkeit all der holden Mägdleins und die Rechtschaffenheit der ihnen zugeordneten tapferen Ritter, die Uhlands Gedichte und Balladen bevölkern, dieser manchmal etwas unglückliche Mix aus nostalgischer Folklore und mittelhochdeutscher Schwärmerei, strengen an.

So wie Uhland angeblich jahrelang mit demselben schwarzen Tuchanzug ausgekommen sein soll, so reicht ihm auch für seine Dichtung ein „kleiner poetischer Hausrat“, meistens entlehnt aus dem Formen- und Formelschatz des Volksliedes. Damit erschuf er ein sentimentales Pseudomittelalter. Erfolgreich übrigens: Theodor Storm soll gestanden haben, er hätte Ludwig Uhland noch als Primaner für einen mittelalterlichen Minnesänger gehalten.

Die so entstandene Gegenwelt, in der vergangene Zeiten und andere Lebensordnungen wieder lebendig wurden, war in ihrer ganzen sparsamen Schlichtheit vertraut genug, um Momente der Geborgenheit erfahren zu können. Die Sehnsucht nach Konstanten war groß in einer Zeit, in der das „gute, alte Recht“ nichts mehr gelten sollte und in der man im Laufe eines Menschenlebens mehrmals das Land wechseln konnte, in dem man lebte, ohne je den Wohnort verlassen zu müssen.

In diesen unruhigen Zeiten wird der Dichter Uhland die Stimme der Selbstvergewisserung eines Bürgertums, dem es mittlerweile zugefallen war, die gesellschaftlich verbindlichen Wertvorstellungen zu entwickeln. Das ist erstaunlich. Ausgerechnet jemand, der aktiv an den geistigen und politischen Umwälzungen im Europa an der Wende zum industriellen Zeitalter beteiligt war, wird zum Symbol bürgerlich-beschaulicher Bodenständigkeit.

Dabei war Uhland, der fast sein ganzes Leben in dem damals ziemlich kleinen und unscheinbaren Tübingen verbrachte, einer der bedeutendsten Politiker seiner Zeit. Er trat für ein frei zu wählendes Staatsoberhaupt und den Aufbau eines Staates von unten ein, verkämpfte sich couragiert für Freiheit und Menschenwürde und gehörte als Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung keinem Club und keiner Partei an, um die eigene Unabhängigkeit nicht zu gefährden. Nach seinem Tod 1862 titelte eine französische Zeitung: „Deutschland hat sein Gewissen verloren.“

Andrea Bachmann

25.04.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 25.04.2012 - 14:11 Uhr

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