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Raus aus der Schuldenfalle

Ulrike Fetscher berät immer mehr junge Leute

Das Haus per Raten abzahlen, dann den Job verlieren: Ulrike Fetscher hilft Menschen, die in der Schuldenfalle stecken. Ihr Büro ist in der Villa Metz in Tübingen.

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Tübingen. Rund 1000 Menschen suchten vergangenes Jahr Hilfe bei Ulrike Fetscher. Eine konstante Zahl. Zugenommen hat aber der Anteil der jungen Menschen bis 25 Jahre. Waren es 2010 noch zehn Prozent gewesen, stieg die Anzahl 2011 auf 14 Prozent. Handy und Internet treiben junge Menschen häufig in die Schuldenfalle, beobachtet Fetscher. „Die jungen Leuten haben allerdings nicht wie wild telefoniert oder völlig planlos im Netz Sachen bestellt“, stellt sie klar. „Sondern sie haben die Geldbeträge berücksichtigt. Dass sie dann aber die Rechnungen nicht zahlen konnten, lag oft daran, dass der Ferienjob wegbrach, der das Ganze finanzieren sollte.“

Artikelbild: Ulrike Fetscher berät immer mehr junge Leute © VRD - Fotolia.com © VRD - Fotolia.com

Und mit noch einer Vorstellung bricht sie. „Schulden haben heißt nicht, dass es immer um riesige Beträge geht.“ So seien es bei Jugendlichen im Schnitt 2000 Euro – für junge Leute allerdings eine Menge Geld. Auch allein Erziehende leiden häufig unter Geldsorgen. Um die 6000 Euro Schulden häufen sich bei ihnen in der Regel an.

Ulrike Fetscher berät Menschen in finanzieller Not. Bild: Vey Ulrike Fetscher berät Menschen in finanzieller Not. Bild: Vey

„Schulden als Schuld“, würden auch die vielen anderen empfinden, die zu ihr kommen. Das kann der Vater sein, der sich Sorgen macht, die Familie nicht mehr ernähren zu können. Das können Arbeitslose sein, denen die Waschmaschine kaputt geht. „Da wurde nicht geprasst, sondern der Kauf einer lebensnotwendigen Anschaffung führte ins Schuldenloch“, so Fetscher.

„Die Leute wollen ihre Situation ändern“, versichert Fetscher. Nur schaffen es die meisten eben nicht alleine. Dann heißt es, gemeinsam die Ordner mit Rechnungen und Mahnungen zu sichten. Auch ist zu klären, wie viel Geld für den Lebensunterhalt gebraucht wird und was danach zur Schuldentilgung übrig bleibt.

Fetscher berichtet von Hartz-IV-Empfängern, die sich monatlich 30 Euro absparen, um ihr Minus zu tilgen. „Jene, die ihre Schulden nicht wirklich verringern wollen, kommen gar nicht erst hier her, oder sie brechen nach kurzer Zeit ab.”

 

 

 

 

Manche Fälle dauern lange. Beispielsweise, wenn ein Haus über Ratenzahlung finanziert werden sollte und die Arbeitsstelle wegbricht. Ein paar Monate spielt die Bank meist mit, verzichtet auf die Zahlungen. Dann wird es ernst. Fehlt immer noch ein gesichertes Einkommen, steht der Hausverkauf an – wobei der Verkaufspreis niedriger sein kann als der Darlehensbetrag.

Restschulden bleiben. Manchmal springt die Familie ein, gewährt einen zinslosen Kredit. Falls nicht, kommt es zum Vergleich zwischen der Bank und dem Zahlungssäumigen, bei dem die Bank einem geringeren Zahlungsbetrag zustimmt. Lässt sich aber selbst damit die Schuld nicht ausgleichen, folgt die Privatinsolvenz. Sie bestätigt dem Schuldner eine Zahlungsunfähigkeit. Sechs Jahre wird vom Insolvenzverwalter geprüft, ob vom Einkommen etwas gepfändet werden kann. Nach dieser Zeit ist der Gläubiger von seiner Restschuld befreit.

Nun könnte man auf die Idee kommen: Ich habe sowieso kein Geld, mache mal schnell einen teuren Urlaub und nach sechs Jahren erledigt sich die Sache von selbst. Doch da winkt Fetscher ab. „Schon beim Kauf eines Autos funktioniert das nicht. Es würde gepfändet, müsste also zurückgegeben werden.“ Seit 13 Jahren macht Fetscher Schuldnerberatung. „In der Zeit war gerade mal ein einziger Betrüger dabei.“ Birgit Vey / Bild: © VRD - Fotolia.com

18.07.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 17.10.2012 - 10:56 Uhr

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