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Rap geht auch mit Köpfchen

Der Rottenburger Lil’ Chrizz will mit intelligenten Texten punkten

Die meisten spucken nur große Töne. Er hat wirklich was zu sagen: Christoph Schönberner aka „Lil’ Chrizz“ kommt aus Thüringen, lebt seit zwei Jahren in Rottenburg und macht in Tübingen eine Ausbildung zum Koch. Sein Steckenpferd: Sprechgesang mit intelligenten Texten.

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Rottenburg. Die HipHop-kulturellen Vorzeichen in Deutschland haben sich geändert. Während in den 90er-Jahren vor allem afrodeutsche Rapper bewiesen, dass Deutsch-Rap mehr als stupides Ghetto-Gelaber sein kann, bestimmen heute Berliner Aggro-Rap, Großmäuligkeit und zum Teil eine bedrohliche Hasskultur die Szene. Je derber und beleidigender die Reime, desto erfolgreicher.

Intellektueller HipHop

Doch es gibt auch andere Beispiele in der Szene, die mit Sprachwitz, intelligenten Wortspielereien und friedlichem Auftreten auf sich aufmerksam machen. Der 21-jährige Lil’ Chrizz aus Rottenburg ist so einer. Hinter seinem Rappernamen verbirgt sich mit Christoph Schönberner. Ein junger Mann, der dem HipHop einen Hauch von Intellektualität verleiht. Ohne aggressives Gangsta-Posing und primitivem Ghetto-Slang feilt er an anspruchsvollen Texten, unterlegt sie mit vertrackten Samples und Underground-Beats.

Eine eins für den Goethe-Rap

Vor zwei Jahren ist Lil’ Chrizz von Thüringen nach Rottenburg zu seinem Bruder gezogen und hat in Tübingen eine Ausbildung als Koch begonnen. Musikalisch sozialisiert wurde er jedoch im thüringischen Triptis ganz in der Nähe von Jena. Dort hat er vor fünf Jahren mit dem Rappen begonnen und erste Stücke aufgenommen. Fünf CDs sind seitdem entstanden, die aber alle aus Geldmangel nicht gepresst und veröffentlicht wurden, sondern ausschließlich als Download zur Verfügung stehen.

Angefangen hat alles am Gymnasium in Triptis, als er im Deutsch-Unterricht ein Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe auswendig lernen sollte. Lil’ Chrizz schlug vor, das Gedicht „Willkommen und Abschied“ vorzurappen. Seine Mitschüler waren begeistert „und selbst meine Lehrerin fand die Idee gut. Am Ende bekam ich eine eins dafür“, erzählt er mit stolzem Unterton. Das zweite Stück mit dem Titel „Mathe zum Quadrat“ schrieb der junge Rapper anlässlich eines Schulwettbewerbs in Jena. Dort errang er ebenso den ersten Platz wie beim „SchoolJamLyrics-Wettbewerb“, bei dem er sich mit dem Klimawandel auseinandersetzte.

Christoph Schönberner aka Lil’ Chrizz will HipHop mit intellektuellem Touch. Bild: Spieß Christoph Schönberner aka Lil’ Chrizz will HipHop mit intellektuellem Touch. Bild: Spieß

„Natürlich vertrete auch ich den deutschen Battle-Rap“, erzählt Lil’ Chrizz beim Interview, „aber ich versuche, durch diverse stilistische Mittel, häufige Verschachtelung der Sätze, zweideutige Zeilen und anspruchsvolles Vokabular das textliche Niveau hochzuhalten.“

Nur wenig böse Wörter

Deshalb hat er auch vor zwei Jahren in Triptis die Rap-Crew „SJM“ („Schöne Jungens Musik“) gegründet, in der er sich mit sechs Rappern im Netz austauscht. Ende des Jahres ist die Veröffentlichung einer gemeinsamen Sampler-CD geplant. In den nächsten zwei Jahren soll auch ein Soloalbum folgen.

Zunächst aber steht erstmal der Abschluss der Ausbildung an. Zudem möchte Lil’ Chrizz seine „Skills“, wie es in der Rap-Sprache heißt, verbessern, „denn die Fähigkeiten eines Rappers definieren sich auch durch anspruchsvolle Wortspiele – und vor allem daran arbeite ich.“ Auch äußerlich hat Lil’ Chrizz nichts, was man von einem „richtigen“ Rapper erwartet: Er hat kein Gold im Mund und um den Hals. Er verwendet nur wenig böse Wörter, glänzt vielmehr mit spitzzüngigen Reimen.

Es gibt sie also noch, die deutschen Rap-Texte mit Inhalt, in denen es um mehr geht als ums Ablästern über Rapper-Kollegen und infantile Prahlereien. Und es klingt allemal sympathischer, wenn sie auf so intelligente Art und Weise wie von Lil’ Chrizz vorgetragen werden.

Jürgen Spieß

Musikstücke liegen unter www.myspace.com/lilchrizzone.

02.03.2011 - 08:30 Uhr | geändert: 08.03.2011 - 17:45 Uhr

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