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Tübinger Straßen

Die Breuningstraße

Die Breuningstraße verbindet in der Tübinger Südstadt die Albrechtstraße mit der Hegelstraße. Aber ihr Namensgeber, der Tübinger Vogt Konrad Breuning, ist in Tübingen allenthalben vertreten: Die Familie wohnte in der Haaggasse, direkt unterhalb des Rathauses, an dem mittlerweile hellgrün verputzten Fachwerkhaus findet man eine Kopie des Familienwappens.

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Das Original ist im Stadtmuseum zu sehen. Dieses Wappen ziert auch den Taufstein der Tübinger Stiftskirche, der von der Familie gestiftet wurde, ein jüngerer Vertreter schenkte der Kirche eine Glocke, die den Namen der Familie trägt und die gesamte Ahnenreihe hängt in der Vorhalle der Stiftskirche, die deswegen Breuningkapelle genannt wird. Aber am bekanntesten ist das Porträt eines energisch dreinblickenden Mannes mit langen Haaren und vollem Bart an der Rathausfassade, das Konrad Breuning darstellen soll.

Das Porträt von Konrad Breuning ziert die  Fassade des Tübinger Rathauses .  Bild: Bachmann Das Porträt von Konrad Breuning ziert die Fassade des Tübinger Rathauses . Bild: Bachmann

Die Breunings werden 1352 zum ersten Mal erwähnt und waren eine der mächtigsten Familien der Stadt. Konrad Breuning wird 1440 geboren. Er war Richter, Spitalpfleger, Untervogtsamtverweser, Untervogt, Hofgerichtsassessor und schließlich Tübinger Vogt. 1495 bekommt er von Kaiser Maximilian Wappen und Adel verliehen, als der Kaiser den völlig unfähigen Eberhard II. absetzt, gehört Konrad Breuning zu dem Zwischenregiment, das solange eingerichtet wurde, bis Herzog Ulrich alt genug war, um die Regierungsgeschäfte zu übernehmen. Berühmt geworden ist Breuning aber vor allem wegen der wichtigen Rolle, die er beim Zustandekommen des Tübinger Vertrags spielte:

Im Mai 1514 kommt es in Württemberg zu Aufständen gegen die immer neuen Steuererhöhungen, mit denen Herzog Ulrich versucht, die vielen Kriege und seine ungeheuer aufwändige Hofhaltung finanzieren zu können. Um diese Rebellionen niederzuschlagen, benötigt Ulrich finanzielle Mittel.

Am 26. Juni 1514 wird in Tübingen der Landtag einberufen und nach zähen Verhandlungen auf Schloss Hohentübingen einigt man sich auf Folgendes:

Die Vertreter der Landschaften verpflichten sich, die ungeheuren Staatsschulden in Höhe von fast einer Million Gulden zu begleichen und sichern außerdem ihre Mithilfe bei der Bekämpfung des „Armen Konrad“, wie der Bauernaufstand im Remstal genannt wird, zu. Im Gegenzug erhalten sie dafür weit reichende Mitspracherechte bei Landesveräußerungen und Kriegserklärungen. Außerdem wird Tübingen Sitz des württembergischen Hofgerichts. Dieser Vertrag funktioniert als Tübinger Verfassung fast dreihundert Jahre und gilt als das erste Menschenrechtsdokument auf dem europäischen Festland.

Breunings Verhandlungsgeschick wurde ihm schlecht gedankt: Etwa ein Jahr nach Abschluss des Tübinger Vertrags wird der Tübinger Vogt wegen Hochverrat auf dem Hohenneuffen gefangen genommen und monatelang gefoltert, bis der damals 32-jährige Herzog seinen 77-jährigen politischen Gegner auf dem Stuttgarter Marktplatz öffentlich hinrichten ließ.

Andrea Bachmann

 

23.06.2010 - 08:30 Uhr | geändert: 23.06.2010 - 10:58 Uhr

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