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Sieg über die Arachnophobie…

… oder: Ich Held! Eine Kurzgeschichte von Anahid Bönzli aus Mössingen

Ich hab’s getan. Zum allerersten Mal.

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Artikelbild: … oder: Ich Held! Eine Kurzgeschichte von Anahid Bönzli aus Mössingen

Und es war schlimm, wirklich schlimm. Ich würde behaupten, sogar unglaublich schlimm. Abartig ist wohl das richtige Wort.

So gegen neun gestern Abend hab ich sie entdeckt. Eine riesige, fette, kohlrabenschwarze Spinne. Krabbelt einfach seelenruhig an mir vorbei, so als ob das gar nichts wär’.

Geistesgegenwärtig hab ich mir ein Glas geschnappt und die Spinne war gefangen. War echt ein hässliches Vieh. Da saßen wir dann, die Spinne und ich. Ich auf der Couch, die Spinne in ihrem Glashäuschen. Ich total zittrig, die Spinne eigentlich ganz relaxt.

Und nun? Platthauen? Aufsaugen? Ganz schön brutal, dacht’ ich mir. Die Spinne kann ja am Ende auch nichts dafür, dass sie eine Spinne ist. Oder das ich an einer krankhaften, lächerlichen Phobie leide. Und es seit 31 Jahren irgendwie geschafft hab, mich zu davor drücken.

Aber diesmal: Niemand weit und breit da, der dieses Vieh hinausbefördert. Kein Held in schimmernder Rüstung auf einem weißen Schimmel – oder so ähnlich. Nur ich.

Na gut, dachte ich mir, ich warte bis morgen. Wenn’s hell ist, seh’ ich wenigstens, ob sie wirklich weg ist oder mir noch am Ärmel hängt (was kein wirklich hilfreicher Gedanke war).

Am nächsten Morgen, ich sitz’ gemütlich am Tisch und trink ’nen Kaffee, fällt mir die Spinne wieder ein. Meine Verdrängungsmechanismen scheinen wohl noch gut zu funktionieren. Nur leider saß sie da und hat mich angeglotzt. Mit ihren fünf Augen. Oder sieben? Keine Ahnung, auf jeden Fall wohl einige. Und sie sah irgendwie wirklich armselig aus, die Beinchen (brrr!) ganz geknickt.

Oh Scheiße, hab ich gedacht, hoffentlich ist sie nicht erstickt, das wär’ ja noch viel fieser als platthauen oder aufsaugen, ein langsamer qualvoller Tod.

Na gut, wenn sie betäubt ist durch den Sauerstoffmangel (oder tot ist) ist’s wenigstens leichter, sie rauszubefördern. Hab’ ich mir gedacht. War nur leider falsch gedacht, weil, als ich dann endlich mental soweit war und das Stück Pappe unter das Glas geschoben hab’, ist sie aufgewacht. Hat wohl nur ein Nickerchen gemacht. Jetzt waren wir dann doch beide ziemlich nervös. Mein Puls auf 180, die Spinne am rotieren in ihrem Glas.

Mann, hab ich mir gedacht, so schwer kann das ja nicht sein. Ich hab gewartet, bis sich die Spinne beruhigt hat. Dann hab ich noch ein bisschen länger gewartet, bis ich mich auch wieder beruhigt hatte.

Und dann hab ich’s einfach getan. Fenster auf, Glas hochgehoben, zum Fenster gegangen, die Spinne auf den Glasboden geschüttelt und hinausgeworfen. Noch nicht mal das Glas ist mir runtergefallen. Was ein Wunder ist, weil ich gezittert hab’ wie irre und mich fünf Minuten lang abgeklopft und geschüttelt hab, falls das Vieh es doch irgendwie geschafft hat, auf mir statt auf dem Dach unter uns zu landen. Ist es aber nicht. Ich glaub’, ich schau’ lieber g’rad nochmal nach, nur vorsichtshalber.

Aber was zählt ist: Ich hab’s getan! Ganz allein, ohne Held und Schimmel und weiß der Geier was. Und wenn die nächste fette, eklige, kohlrabenschwarze Kellerspinne bei mir auftaucht, dann les’ ich mir den Mist hier durch und schmeiß sie einfach raus.

Oder ich lass’ die Fenster in Zukunft einfach zu, frische Luft wird doch eigentlich eh total überbewertet. Bild: Fotolia

14.12.2011 - 08:30 Uhr

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