Bezirksmeister: Annika Deutschmann und Philipp Junger
Gomaringen, nein, eigentlich nur der Ortsteil Hinterweiler, ist neben Kirchentellinsfurt und Bodelshausen zu nennen, wenn über Kunstradfahren hier im Kreis gesprochen wird.
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Üblicherweise fahren Annika Deutschmann (links) und Philipp Junger jeweils im Einzelwettbewerb. Hier zeigen die beiden Bezirksmeister im Kunstradfahren den Lenkersitz-Steiger. Bild: Sturm
Kunstradfahrer haben eine gute Körperbeherrschung. Ihre Sportart ist am ehesten mit dem Voltigieren zu vergleichen. In beiden Sportarten absolviert man akrobatische Turnübungen auf einem Untersatz, der sich bewegt: Dort ein Pferd, hier ein Rad.
Zwei, die das Rad ziemlich gut beherrschen, sind Annika Deutschmann und Philipp Junger. Beide wurden am 5. Februar Bezirksmeister in ihrer Altersklasse, die Mädchen und Jungen von 14 bis 18 Jahren umfasst. Außerdem wuchsen beide im Gomaringer Ortsteil Hinterweiler auf. Das erklärt zum Teil, wie sie zum Sport kamen: Die kleine Hublandhalle ist eine Kunstrad-Hochburg hier im Kreis. Philipp Junger ist Spross einer Dynastie: Mutter, Tante und die älteren Schwestern beherrschen die Übungen auf dem fahrbahren Untersatz.
Die mit 15 ein Jahr ältere Annika Deutschmann kam zum Kunstradfahren, „weil es kein Kinderturnen im Ort gab“. Das Kunstradfahren „ging in die Richtung“, fand sie, als sie mit ihrer Mutter mal in der nahen Halle zugeschaut hatte. Dort geht es beim Training eher leise zu. Man hört das flirrende Geräusch der Räder, ansonsten fast nichts. Das sei bei der Meisterschaft ähnlich gewesen. „Man muss sich konzentrieren, zum Beispiel, um nicht in einen Anderen hinein zu fahren. Geschrei lenkt ab,“ sagt Philipp. Annika ergänzt: „Man kann aber schon beim Training schwätzen.“ Wird das auch gemacht? „Ja“, antworten beide, wie aus einem Mund.
Bezirksmeister wurden die beiden, jeweils in der Einzelkonkurrenz, in der größeren und für Zuschauer besser geeigneten Halle auf dem Höhnisch. Dort gehen beide auch zur Schule. Ihre Sportart werde kaum bemerkt, sagt Annika. Und wenn, dann fordere jemand etwa: „Mach mal einen Handstand auf dem Fahrrad.“ Das habe sie noch zu üben, sagt Annika, den Kopfstand auf dem Rad beherrscht sie dagegen: Der hinten aufgebogene Sattel bietet als dritter Punkt neben den Händen Halt.
Jeder hat andere Stärken: Im Gegensatz zu ihm beherrsche Annika den Schulterstand (der Kopf ragt neben dem Rahmen nach unten), ziemlich gut, sagt Philipp. Annika wiederum fallen die Steiger schwerer, bei denen man ausschließlich auf dem Hinterrad balanciert.
Höhere sportliche Ziele haben beide nicht. Obwohl sie qualifiziert wäre, reizen Annika die baden-württembergischen Meisterschaften nicht: „Das ist mir zu groß.“ Philipp, dreimal dabei, war jedes Mal Sechster. Die Sieger kommen stets aus Albstadt-Tailfingen, der Weltmeisterschmiede.