Daniel Varetto war ein Exot unter den hiesigen Torhütern
Im Mai vor 20 Jahren ließ sich Daniel Varetto den Schriftzug „black & white“ in die Frisur rasieren. Der inzwischen 44-Jährige Ex-Fußballer erklärt, wie es dazu kam.
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Daniel Varetto (links) auf der Bank des SV Hirrlingen, hier mit Hans-Roland Zug. Archivbild: Franke
Das Bild hier rechts fehlte bisher in Daniel Varettos Fotokiste. Aber er weiß sofort, wann es aufgenommen wurde: „Ich war Torwart beim SV Hirrlingen.“ Allerdings bald als Ersatzmann, nachdem er eine Auseinandersetzung mit Rainer Willfeld hatte, dem Trainer des damaligen Landesligisten: „Es war das erste Mal für mich, nicht Stammtorwart zu sein.“
Zwillinge: Daniel (links) und Michael Varetto heute. Bild: Sturm
Daniel Varetto und sein Zwillingsbruder Michael stammen aus der Jugend des SV 03 Tübingen. Als der Torwart der D1-Jugend ausfiel, schlug Michael Varetto seinen Zwillingsbruder, bis dahin Stürmer, als Ersatz vor. Heute feixt Michael: „Ich habe sein Talent sofort erkannt.“ Die sportlichen Wege der Brüder trennten sich bald. Daniel ging nach Derendingen, Hirrlingen, Wendelsheim und traf oft auf Gegner, für die sein Bruder spielte. „Ich wollte immer ein Tor gegen ihn schießen“, erinnert sich Michael Varetto, der Sprüche einsteckte, wenn er ohne Torerfolg heimkam. Für Daniel wiederum war jenes 0:1 im Trikot des SV Wendelsheim („ein Torwartfehler“) die größte Niederlage – weil der Bruder beim Gegner spielte.
Schon in der Jugend wollten sie nicht alles gleich haben – an der Haartracht ließen sich die Varetto-Brüder unterscheiden: Während Michael verschämt ein Bild aus den frühen 80ern präsentiert, auf dem er mit Popperschnitt zu sehen ist, war Daniel wenige Jahre später auf einem ganz anderen Pfad.
Es begann mit einem Urlaub in Jamaika: „Ich habe mir dort mit Rasierklingen ein Muster hineinscheren lassen. Hier war ich damit ein Exot.“ Die Muster wurden irgendwann langweilig, Varetto trug nun alle zwei Wochen eine andere Botschaft auf dem Hinterkopf spazieren. Das „black & white“ sollte nicht an seinen Beruf als Maler erinnern, sondern an seine Zeit als Breakdancer mit türkischen und dunkelhäutigen Freunden. Zu Zeiten des AIDS-Todes von Schauspieler Rock Hudson ließ sich Daniel Varetto „Safer Sex“ und ein stilisiertes Kondom in die Frisur rasieren.
„Die Phase ging ziemlich lang“, sagt Daniel Varetto. Mit Mitte 40 trägt er seine Haare bürgerlicher, aber: „Heute hat man das wieder.“ Varetto verweist auf die Kandidaten der Fernsehsendung „Deutschland sucht den Superstar“ und grinst.Michael Sturm