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70 Jahre nach ihrer Gründung bietet die Volkshochschule viele Kurse für Migranten an
Susanne Walser und Jürgen Zeiselmeier bilden seit 15 Jahren das Führungsduo der Tübinger Volkshochschule. Bild: Bachmann
Ein wichtiger Motor der Integration

70 Jahre nach ihrer Gründung bietet die Volkshochschule viele Kurse für Migranten an

Am 13. März 1947 öffnete die Tübinger Volkshochschule (VHS) ihre Pforten, damals noch in der Neckarhalde. Nach Umzügen in die Silberburg am Marktplatz und ins Schwabenhaus am Neckar befindet sich die größte Einrichtung für Erwachsenenbildung in Tübingen jetzt in der ehemaligen Lorettokaserne.

15.03.2017

Susanne Walser hat 1989 ihren ersten EDV-Kurs an der VHS geleitet, 1991 wurde sie Fachbereichsleiterin und seit 2002 ist sie Leiterin der Volkshochschule. Die Verwaltungsleitung liegt seit 2002 in den Händen von Jürgen Zeiselmeier, der im Jahr zuvor die Verantwortung für den EDV-Bereich übernommen hatte. Seit nunmehr 15 Jahren bilden die beiden das Führungsduo der VHS. 25 fest angestellte Mitarbeiter(innen) kümmern sich um Programm und Organisation.

TAGBLATT ANZEIGER: Wie hat sich die Volkshochschule in den 70 Jahren ihres Bestehens verändert?

Walser: Sie hat sich gar nicht so sehr verändert. Unsere drei Kernkompetenzen sind Beratung, Bildung und Begegnung. Heute wie vor 70 Jahren. Wir haben den Leuten immer angeboten, was gerade aktuell war. In den ersten Programmen nach dem Krieg mussten die Menschen vor allem Wissenslücken schließen, da haben wir Kurse in Chemie und Technik angeboten. Dann war der größte Fachbereich lange Zeit der für Gesundheit und Prävention und jetzt bieten wir Sprachkurse an, vor allem Deutsch als Fremdsprache.

Zeiselmeier: Im Grunde ist hier alles sehr beständig, wir haben ein treues Publikum und treue Kursleiter – zwei sind schon seit über 40 Jahren dabei. Aber natürlich ist die Welt insgesamt größer geworden und unser Angebot dementsprechend größer und vielfältiger. Der Anspruch der Teilnehmenden an die Qualität des Unterrichts war immer hoch – aber der an die Organisation ist eher gestiegen. Geduldiges Schlange stehen bei der Anmeldung wie im Schwabenhaus – das war einmal. Wenn wir im August um Mitternacht das neue Kursprogramm hochladen, ist um 0.02 die erste Anmeldung online.

Was war das Außergewöhnlichste, das Sie je angeboten haben? Und was geht immer?

Walser: Sprachkurse für Urdu und Tibetisch – das war schon sehr exotisch. Dann gibt es so kurzfristige Hypes: Letztes Jahr wollten alle jodeln lernen und in den 90er-Jahren gab es eine große Nachfrage an EDV-Kursen für Mütter. Konstanten sind Englisch- und Französischunterricht und Literaturkurse – Tübingen war halt immer eine Stadt des Wortes. Ein Dauerbrenner ist die Gebärdensprache – da gibt es nur wenige Anbieter und da schließen wir in Tübingen eine Lücke.

Also keine Makrameekurse für Hausfrauen?

Zeiselmeier: Nein! Man kann bei uns alle Schulabschlüsse nachholen. Und unser Angebot im Kreativbereich hat einen hohen Stellenwert als Ausgleich zur Arbeit, als Teil einer gelungenen Work-Life-Balance. „Bastelkurse“ gibt es bei uns gar nicht – da ist die Realität weit von dem entfernt, was in den Köpfen mancher Leute herumspukt.

Hat es je Zeiten gegeben, in denen man die Volkshochschule für überflüssig gehalten hat?

Zeiselmeier: Eigentlich nicht. Die Institution Volkshochschule wurde nie ernsthaft in Frage gestellt. Aber wenn es um Einsparungen ging, war die VHS eine Manövriermasse, da wurden Teile von Fachbereichen schon einmal zur Disposition gestellt. Allerdings erwirtschaften wir 74 Prozent unseres gesamten Etats über die Mitgliedergebühren, bei uns lässt sich also gar nicht so viel einsparen. Insgesamt haben wir im Jahr 20000 Anmeldungen für 2500 Kurse mit 42000 Unterrichtseinheiten. Und zur Zeit sind wir sicherlich einer der wichtigsten „Integrationsmotoren“. 2016 haben wir 20 Integrationskurse mit insgesamt sieben Modulen angeboten. Das bedeutet: 14000 Unterrichtsstunden in 173 Kursen, an denen 1041 Menschen teilgenommen haben, dazu sind noch 14 Kurse mit 230 Teilnehmenden für Geflüchtete dazugekommen. Darauf sind wir schon ein bisschen stolz.

Walser: Die Integrationskurse waren die größte Veränderung in den letzten beiden Jahren. Wir haben die Abteilung quasi verdoppelt.

Zeiselmeier: Wichtig ist: In den Kursen treffen nicht nur Einheimische auf Fremde, sondern auch Fremde auf Fremde, auch Migranten untereinander lernen sich besser kennen. Die Vormittagspause in der Cafeteria ist da zur Zeit ein beeindruckendes Erlebnis! Wer bei uns einen 700-Stunden-Deutschkurs macht, bekommt von der hiesigen Kultur mehr mit als in seiner Flüchtlingsunterkunft.

Walser: Im Moment besteht eine der wichtigsten Aufgaben der Volkshochschule darin, einen Beitrag zum Zusammenleben in unserer Gesellschaft zu leisten und als demokratiefördernde Bildungsinstitution zu wirken.

Fragen von Andrea Bachmann

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15.03.2017, 01:00 Uhr
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