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Daniel Wangler erklärt, warum er gerne Clown ist
Richtiges Timing

Daniel Wangler erklärt, warum er gerne Clown ist

Daniel Wangler ist selbständiger Clown, Figurenspieler, Jongleur, Stelzenläufer und Schauspieler. Im Zirkus Zambaioni arbeitet er als Clown- und Jonglagetrainer.

03.05.2017
  • Andrea Bachmann

Tübingen. Das diesjährige Programm vom Kinderzirkus Zambaioni heißt „KUNSTstück“. Dabei geht es um eine Museumseröffnung der besonderen Art. Am Freitag ist Premiere.

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Wie wird man Clown?

Daniel Wangler: Vermutlich immer über Umwege. In meinem Heimatdorf Eisenbach im Schwarzwald gab es nicht viel mehr als Fasnet und Metallindustrie. Da ich früh Geld verdienen wollte, wurde ich notgedrungen Industriemechaniker. Ein sehr unlustiger Beruf übrigens. Die Fasnet hingegen verschaffte mir die Möglichkeit, schon in jungen Jahren angeheitertes Publikum zu erheitern. Die fanden in ihrem feuchtfröhlichem Zustand so ziemlich alles gut. Auf einer langweiligen Party hab ich angefangen Bälle durch die Luft zu werfen, während alle anderen am Knutschen oder Trinken waren. Leider gab es damals für mich nicht so etwas Tolles wie den Zirkus Zambaioni. Ich musste mir vieles selber beibringen. Mein Cousin und ich kratzten alles zusammen, was aufführbar war: Akrobatik, afrikanisches Trommeln, Jonglage. Dann kauften wir uns den billigsten Kassettenrekorder und traten auf der Straße auf. Unser erster Auftritt war dem Publikum zwei Mark wert. Im Folgejahr, diesmal zu viert, konnten wir bereits unseren Urlaub damit finanzieren. Es gibt nun mal keine bessere Schule als die Straße.

Und wann wurde es ernst?

Meine zweite Ausbildung als Krankenpfleger absolvierte ich in Freiburg, ein sehr kreatives Pflaster. Dort traf ich das erste Mal professionelle Künstler, die mich sehr inspiriert haben.

Da mich aber neben dem Zirkus auch das Theater interessierte, landete ich 2001 auf der Figurentheaterschule Stuttgart. Auch da bekam ich neuen Input, diesmal mehr im absurden Theater, im Maskenspiel, aber auch im klassischen Puppenspiel. Seitdem spiele ich fast ausschließlich Kindertheater, mal alleine oder deutschlandweit mit dem Theater Mimikri.

Die Figur des Clowns hat mich dabei nie losgelassen.

Was ist am Kindertheater so besonders?

Kinder sind unberechenbar, dass macht es so spannend. Ohne eine gewisse Lust auf Improvisation sollte man da besser nicht auftreten. Auch da ist die Ehrlichkeit der Kinder eine sehr gute Schule. Wenn es ihnen nicht gefällt, kann es passieren, dass sie aufstehen und gehen. Bei mir dürfen sie oft auch mitspielen und mitbestimmen. Das hält mein Spiel wach und frisch.

Mit dem Theater Mimikri versuchen wir das Unberechenbare der Kinder berechenbar zu machen. Da wir oft vor sehr großem Publikum auftreten, arbeiten wir sehr klar, mit wenigen Worten, dafür mit viel Körpersprache und deutlichen Emotionen. So schaffen es auch fremdsprachige Kinder, das Stück zu verstehen.

Wie bist du nach Tübingen zum Zirkus Zambaioni gekommen?

Künstlerkollegen aus Freiburg, der Clown und Tänzer Günter Klingler und der Zauberer Peter Leonhard haben beide schon mit dem Zirkus Zambaioni gearbeitet. Als ich vor fünf Jahren nach Tübingen zog, brachten sie mich auf die Idee, dort doch mal anzuklopfen. Wie schön, dass ich dort jetzt mitarbeiten darf.

Wie trainiert man Clowns?

Erstmal versuche ich eine gute, lockere Grundstimmung herzustellen. Durch viele Körperübungen verlieren die Teilnehmer ihre Scham auf der Bühne. Schließlich arbeitet der Clown mit der Vorgabe, dass ihm nichts peinlich sein darf. Das ist leichter gesagt als getan. Wenn es aber klappt, ist es wunderbar. Es macht riesig Spaß mit den Jugendlichen vom Zambaioni zu arbeiten. Mit einigen von ihnen arbeite ich schon seit Jahren zusammen. Auch sie geben mir immer wieder neuen Input. Es ist also eine gegenseitige Bereicherung.

Ein klares Körperspiel setzt eine gute Beobachtungsgabe voraus: Wie langsam bewegt sich ein schwermütiger Mensch, wie stellt man Unsicherheit dar, wie spielt man hibbelig, möchtegerncool oder traurig, wie laufen Kinder oder Hip-Hopper. Dann kann das Spiel übertrieben oder karikiert werden.

Sehr spannend ist auch das Spiel mit Gegenständen: Was Menschen im Alltag gut bewältigen, stellt einen Clown immer vor Herausforderungen: Die zu hohe Leiter, das klebende Klebeband oder der wackelige Pudding. Wenn dann also das Scheitern im richtigen Moment auf den Punkt kommt, also der Slapstick sich mit dem richtigen Timing mischt, wird gelacht. Hoffentlich.

Was ist das Tolle daran, ein Clown zu sein?

Das Schönste daran ist für mich die Anarchie. Als Clown kann ich mir all das erlauben, was sich der Normalbürger abtrainiert hat. Leute veräppeln, nass spritzen, erschrecken und sich in ihrer Peinlichkeit suhlen. Clowns spielen oft mit ihren eigenen Schwächen, man lernt also auch zu seinen eigenen Schwächen zu stehen und sie zu Stärken zu machen.

Als Akrobat oder Balletttänzer sind die besten Jahre früh vorbei. Gute Clowns können auch noch mit 80 Jahren auftreten.

Text und Bild: Andrea Bachmann

Die Zambaioni-Vorstellungen auf der Derendinger Festwiese sind am 5. Mai, 18 Uhr; 6. Mai, 16 Uhr; 7. Mai, 11 und 15 Uhr; 19. Mai, 18 Uhr; 20. Mai 16 Uhr; 21. Mai, 11 und 15 Uhr.

www.zambaioni.de

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03.05.2017, 01:00 Uhr
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