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Das sechswöchige Indi(e)stinction-Festival im franz.K präsentiert acht Bands
Movits aus dem schwedischen Städtchen Luleå sind das erste Highlight des Festivals. Bild: Spieß
Reutlingen

Das sechswöchige Indi(e)stinction-Festival im franz.K präsentiert acht Bands

Dieses Festival arbeitet im Grenzbereich von Beatnik-Poesie, provokantem Krach und intelligentem Rock: Die zweite Auflage des vom franz.K organisierten Indi(e)stinction-Festivals hat vom 10. Februar bis 18. März insgesamt acht Indierock-Konzerte zu bieten – von den schwedischen Movits und dem Allgäuer Rainer von Vielen über The Notwist und Käptn Peng bis zu den Nerven und Who Killed Bruce Lee.

08.02.2017
  • Jürgen Spieß

Reutlingen. Ein Festival, das sich als unabhängig und innovativ versteht und gerne nach eigenen Regeln spielt. Als solches könnte man das Indi(e)stinction-Festival im franz.K bezeichnen, das im vergangenen Jahr als alternativer Gegenentwurf zum Mainstream-Pop gegründet wurde und in dem gleichwohl mitschwingt, dass man für gute Rockmusik noch immer diverse Instrumente benötigt. Und vor allem, dass das Phänomen „Indierock“ von der Live-Performance lebt. Acht ausgesuchte Bands in sechs Wochen präsentiert das Festival, das bereits in der zweiten Auflage als eine Art Markenzeichen des Hauses gilt.

Das Abschlusskonzert

bestreitet Rainer von Vielen

Dass Musik physisch erfahrbar werden kann und als vibrierender Sound erlebbar ist, dass man sich ihr ausgeliefert fühlt und ihre Attacken spürbar erfährt, dafür braucht eine Kapelle wie The Notwist keine zwei Minuten. Die Band aus dem oberbayrischen Weilheim dient seit über 30 Jahren als das gute Indie-Gewissen, als jene Band also, auf die sich in der deutschen Indieszene viele einigen können, egal ob sie eher Breitwand- oder Alternative-Rock anhängen. Ihre Melodien erheben sich mit ausladender Energie, verhehlen kaum ihren Hang zur Größe. Die Gitarren weiten den Klangraum mit assoziativer Wucht. Das Bild von Songs, deren Arme sich um einen legen, bis sie dich vor lauter Power fast erdrücken, steht schnell im Raum. Eigenwillig und gut, so klingen The Notwist, die am 18. Februar die franz.K-Bühne rocken.

Auch beim Auftritt der aus Beirut und Berlin stammenden Band Who Killed Bruce Lee am 17. März und beim Abschlusskonzert der Gruppe um Sänger und Akkordeonist Rainer von Vielen am 18. März erwartet das Publikum reichlich Hochdruck. Dabei kennt gerade die musikalische Welt von Rainer von Vielen kaum Grenzen. In einem atemberaubend freien Spiel geht seine Reise von Deutsch-Rap über Clubbeats und Elek-trorock bis hin zu angloamerikanischen Spielarten. Obertongesang aus Südsibirien wird dezent mit Partybeats unterlegt, Heimatklänge aus dem Allgäu finden sich unversehens in den Echo- und Hallkammern des Quartetts wieder. Der Mann, der einst bei der britischen Dark-Waverin Anne Clark im Hintergrund agierte, scheint nun mit seiner eigenen Band vor Kreativität fast zu platzen. Stilistische Grenzen scheinen bei ihm keine Rolle zu spielen. Die exotische Klangmischung von perkussiven Signalen und elektronisch erzeugten Klängen zielt auf eine Begegnung der Kulturen hin, die durch Mark und Bein geht.

Laut und spannend verspricht auch der Auftritt der Band Die Nerven am 10. März zu werden: Was die drei Stuttgarter von vielen anderen Bands unterscheidet, ist die Power ihrer Performance, die sich von Song zu Song noch zu steigern scheint. Die Musik selber wirkt im besten Sinne unfertig, hingeworfen, hingetupft, scheint sich in manchen Passagen fast zu überschlagen oder hört abrupt auf. Die Nerven holen weit aus, um dann da, wo andere Bands einen hymnischen Refrain setzen, sich gleich wieder zu entziehen. Die Melodien sind nicht im eigentlichen Sinn eingängig, dazu sind sie zu hart und zu energiegeladen. Sie bleiben nicht sofort im Ohr haften, entwickeln aber einen nachhaltigen Effekt.

Als außergewöhnlich kann man auch die Movits aus dem schwedischen Städtchen Luleå bezeichnen, die am 12. Februar für das erste Highlight des Festivals sorgen. Das Quintett um Sänger und Mastermind Johan Jivin‘ Rensfeld präsentiert einen Mix aus HipHop, Swing, Funk, Soul und Jazz und bezeichnet ihren Sound als „Äppelknyckarjazz“ (Apfelklaujazz). Diese schräge Musikergemeinschaft zündet mit zwei Bläsern und einem trommelnden DJ wahre Hip-Jazz-Tornados auf ihre Fans und lässt doch nichts anbrennen. Aber nicht nur tanzbare Beats und Party sind ihre Botschaft, anständige Bässe und messerscharfe Bläsersätze sind ebenfalls Ehrensache.

Musikalischer Anspruch und das Bewusstsein für die Wirkung schließen sich auch beim Eröffnungskonzert von Lucie M und das Tribunal des Escargots am 10. Februar nicht aus. Fehlt noch das abgedrehte Künstlerkollektiv HGich.T aus Hamburg, das am 24. Februar für elektronische Vielfalt sorgen will. Jürgen Spieß

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08.02.2017, 01:00 Uhr
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