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Das südtiroler Frauentrio Ganes kommt ins franz.K
Diese drei südtiroler Mädchen singen in einer fremden Sprache. Bild: Jürgen Spieß
Soulpop auf Ladinisch

Das südtiroler Frauentrio Ganes kommt ins franz.K

Ein Mix aus Soul, Pop, Weltmusik und einfühlsamen Texten: Das Südtiroler Frauentrio Ganes (Feen) stellt am 11. März ihr neues Album „an cunta che“ im Reutlinger franz.K vor.

15.02.2017

Manchmal meint man, ein paar englische Wortfetzen herauszuhören. Doch das täuscht. Ganes, die drei hübschen Damen aus Südtirol, singen ausschließlich auf Ladinisch, einer seltenen Sprache mit romanischem Ursprung, die nur noch von etwa 30 000 Menschen in einigen italienischen Dolomitentälern gesprochen wird.

Über den einzigartigen Zauber, den die ladinische Sprache verbreitet, ist in unseren Breiten wenig bekannt. Weich und melancholisch klingt sie, ein wenig wie Portugiesisch, nur poetischer. Bilder von saftigen Tälern und zerklüfteten Südtiroler Bergen ziehen vor dem geistigen Auge vorüber. Einigermaßen fremd hört sich das an, doch hat man sich erst einmal reingehört, ist man geradezu verzaubert. Dann schweben die Stimmen der beiden Geigen spielenden Schwestern Marlene und Elisabeth Schuen und ihrer Cousine Maria Moling geradezu schwerelos durch den Raum, die Melodiebögen werden auf harmonische Weise verschoben, und doch bleibt alles unmittelbar und unverfälscht.

Dazu breitet eine vierköpfige Begleitband an Keyboard, Bass, Gitarre und Schlagzeug einen satten Klangteppich aus eingängigem Pop mit souligem Einschlag aus. Uptempo-Nummern wie das fordernde „Barcaurela“ vom Debütalbum „Rai de sorëdl“ wechseln sich ab mit eher ruhigen und sehnsuchtsvollen Melodien wie „Da sora“. „Herzen aus Nutella, Wangen aus Mortadella“, heißt es in dem Stück. Wie überhaupt die ladinischen Texte viel von der südtiroler Heimat des kleinen Dorfes La Val erzählen, das die drei Ladinerinnen ihre Heimat nennen. Von gefährlichen Drachen, einer traurigen Mondprinzessin, Wasserfrauen und anderen geheimnisvollen Legenden ist da die Rede, von Heimweh, Sehnsucht und vom Alleine-sein.

Wie souverän die jungen Frauen aus Südtirol ihr Metier beherrschen, zeigt sich vor allem an den ausgebildeten Stimmen, aber auch an ihren instrumentalen Fertigkeiten. Das gilt für die studierte Jazz-Schlagzeugerin Maria Moling und die ehemalige Mezzosopranistin Elisabeth Schuen ebenso wie für ihre geigende Schwester Marlene, die neben Jazzgesang auch Psychologie und Philosophie studiert hat. Gemeinsam sind sie vor gut neun Jahren mit Hubert von Goisern, dem Miterfinder der alpinen Weltmusik, auf einem Bühnenschiff über die Donau getourt.

Und während der konzertfreien Stunden, wenn die Musiker unter dem großen Sonnensegel Karten spielten, schrieben die drei Ladinerinnen Lieder in ihrer eigenen Sprache: „Das Schiff hat uns zusammengeschweißt“, erzählt Elisabeth Schuen. „Und das Liederschreiben auf der Donau hat uns richtig inspiriert“, ergänzt ihre Cousine Maria Moling, die zur Verwendung der ladinischen Sprache in der Musik eine für sie typische Theorie vertritt: „Es ist gar nicht schlecht, wenn die Besucher die Sprache nicht verstehen. Das gibt mehr Raum für Fantasie.“

Während der Zeit mit Hubert von Goisern entstanden viele Lieder für das Debütalbum und es reifte die Idee, eine eigene Formation zu gründen. Inzwischen hat das Trio ihr fünftes Album mit dem Titel „an cunta che“ veröffentlicht. Auch hier begegnen sich Tradition und Moderne auf aufregende und sympathische Weise und strahlen bei aller Wärme viel Melancholie aus. Und es gelingt den drei Damen mit ihrer ungekünstelten Art, der Traurigkeit eine Form von Schönheit abzugewinnen, die Hoffnung macht.

Ganes lassen die alten Geschichten ins Heute wirken: „Wenn man eine Sprache spricht, die niemand versteht, kann man sich umso mehr mit ihr identifizieren“, meint Marlene Schuen und ihre Cousine Maria Moling freut sich darüber, dass sie ihre Muttersprache jetzt öfter benutzen kann: „Durch die Musik können wir nun überall ladinisch sprechen.“ Jürgen Spieß

Ganes kommen am 11. März, 20 Uhr ins franz.K.

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15.02.2017, 01:00 Uhr
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