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Friedrich Ludwig Anweil war in Kriegszeiten Präsident des Württembergischen Hofgerichts
So sieht der Hofgerichtssaal im Tübinger Rathaus seit der neuesten Renovierung aus. Archivbild: Kramer
Tübingen

Friedrich Ludwig Anweil war in Kriegszeiten Präsident des Württembergischen Hofgerichts

08.02.2017
  • Andrea Bachmann

Am 8. Februar 1646 stirbt Friedrich Ludwig Anweil in Tübingen. In seinem letzten Lebensjahr hatte der 69-Jährige das Amt des Präsidenten des Württembergischen Hofgerichts bekleidet, das seinen Sitz in Tübingen hatte. Das Hofgericht war ein Appellationsgericht, hier konnte gegen das Urteil eines Stadt- oder Dorfgerichts Berufung eingelegt werden. Ursprünglich wurde das Hofgericht vom Grafen und seinen Räten selbst abgehalten. Bereits im 16. Jahrhundert wurden jedoch studierte Rechtsgelehrte zu Hofrichtern bestellt. Anweils Vater, der Herrenberger Obervogt Hans Burkhardt Anweil, war bereits Hofrichter gewesen und hatte 1582 von Herzog Ludwig zu Württemberg das Schloss Mötzingen zum Lehen gekommen.

Als Friedrich Ludwig Anweil 1577 in Herrenberg das Licht der Welt erblickt, ist die württembergische Welt noch in Ordnung. Herzog Christoph hat dafür gesorgt, sein Sohn und Nachfolger Herzog Ludwig übernimmt blühende Landschaften und einen funktionierenden Verwaltungsapparat. Er fördert Schulwesen und Wissenschaft, das Stuttgarter Hofleben bekommt Glanz und Eleganz, die Tübinger Hochschule genießt einen ausgezeichneten Ruf, im neu gegründeten Collegium illustre werden Fach- und Führungskräfte für Verwaltung und Ministerialbürokratie ausgebildet.

Am 7. März 1593 beginnt der junge Friedrich Ludwig in Tübingen sein Jurastudium, im selben Jahr übernimmt Herzog Friedrich die württembergischen Regierungsgeschäfte. Der Cousin von Herzog Christoph stammt aus Mömpelgard. Hier hatte er durch die Differenzen zwischen den württembergischen Protestanten und calvinistischen Hugenotten, die in der Grafschaft Zuflucht suchten, erste Erfahrungen mit konfessionellen Konflikten gemacht, die bald die gesamte europäische Politik prägen sollten.

Nach seinem Studium begibt sich Friedrich Ludwig auf eine längere Studienreise nach Italien. Vielleicht ist er im Gefolge des Herzogs unterwegs gewesen, der mit seinem Lieblingsbaumeister Heinrich Schickhardt monatelang durch Italien reiste, um sich über technische Neuerungen zu informieren, mit denen auch die württembergischen Wirtschaft in Schwung gebracht werden sollte.

Anschließend wird Anweil Kammerjunker in Stuttgart. Zu Herzogs Friedrichs Zeiten diente der Posten hauptsächlich dazu, in unmittelbarer Nähe des Herzogs die Erfahrungen und persönlichen Beziehungen zu erlangen, die für eine Karriere beim Militär oder in diplomatischen Diensten notwendig waren. Vom Kammerjunker wurde Anweil zum Stallmeister befördert und war für die Beaufsichtigung der herrschaftlichen Pferdeställe zuständig – ein wichtiges Amt mit Prestige und Verantwortung.

Notlage durch Unwetter,

Missernten und Epidemien

Mittlerweile war in Württemberg nicht mehr allzu viel in Ordnung. 1608 hatte Johann Friedrich ein Land von seinem Vater übernommen, das durch Unwetter, Missernten und Epidemien in eine soziale und wirtschaftliche Notlage geraten war und verzweifelt versuchte, sich aus den heftigen religiösen Turbulenzen im Reich herauszuhalten. Was nicht gelang – schon aufgrund seiner geographischen Situation musste Württemberg nach Verbündeten suchen und es schloss sich der 1608 gegründeten protestantischen Union an.

1628 wird Friedrich Ludwig Anweil Obervogt in Sulz am Neckar und damit Vertreter des Herzogtums vor Gericht und Verwaltung. Für Württemberg ist es das erste richtig schlimme Jahr in diesem endlosen europäischen Krieg: Johann Friedrich stirbt und Wallenstein fällt mit 16000 Kaiserlichen im Land ein. Ein Jahr später erlässt Kaiser Ferdinand II das sogenannte Restitutionsedikt, mit dem sämtliche Klosterherrschaften wieder hergestellt werden sollen – immerhin ein Drittel des gesamten württembergischen Territoriums.

1633 verbündet Herzog Eberhard III, gerade einmal 19 Jahre alt, sich mit dem schwedischen König Gustav Adolf. 1634 werden die Schweden in der Schlacht bei Nördlingen von den kaiserlichen Truppen vernichtend geschlagen, Württemberg wird zum Zentrum des Krieges. Eberhard flieht panisch nach Straßburg, wo er bis 1638 bleiben wird – die meiste Zeit in den Armen von Anna Katharina von Salm, die ihm 14 Kinder schenkte.

Anweil ist mittlerweile Obervogt in Herrenberg und muss zusehen, wie marodierende Soldateska in die Stadt einfällt, plündert, brandschatzt und vergewaltigt. Zehn Jahre später ist er Obervogt in Tübingen, schlägt sich mit der kaiserlichen Administrationsregierung herum und wartet auf den Frieden. Den hat er nicht mehr erlebt. Andrea Bachmann

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08.02.2017, 01:00 Uhr
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