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Fünf Jahre nach dem zweiten Weltkrieg
wurde die TSG Tübingen neu gegründet
Spiel, Sport und Spaß

Fünf Jahre nach dem zweiten Weltkrieg wurde die TSG Tübingen neu gegründet

15.02.2017

16.Februar 1950. Im Silchersaal des Museums trifft sich alles, was in Tübingen schon einmal auf einer Aschenbahn oder einem Fußballfeld unterwegs war. Wichtige Dinge sind zu besprechen: Hermann Hepper, Otto Schott, Albert Klett, Karl Klett, Albert Märkle, Wilhelm Kempf, Hans Maier und Ernst Geiger haben vor etwa zwei Monaten eine Petition bei der französischen Militärregierung eingereicht: Man möge das Abhalten einer Versammlung zum Zwecke der Gründung eines Turnvereins gestatten. Fünf Jahre nach Kriegsende hatten die Franzosen damit tatsächlich kein Problem mehr und so wurde an diesem Februarnachmittag die Turn- und Sportgemeinde Tübingen aus der Taufe gehoben.

Schon im September 1945 hatten in Tübingen bereits Fußball- und Boxwettkämpfe stattgefunden. Das Tagblatt druckte Aufrufe zur Teilnahme am Fußball-, Handball- oder Leichtathletiktraining auf dem Gelände der ehemaligen Turngemeinde und 1946 wurde mit Unterstützung der französischen Besatzungsmacht, ohne die in diesen Jahren gar nichts ging, ein Großsportverein gegründet, der alle Vereine Tübingens unter einem Dach zusammen schloss.

Damit wollte man erst einmal all den Vereinen wieder ein institutionelles Dach über dem Kopf anbieten, die der Nationalsozialismus zerstört hatte. Dazu gehörte auch die Tübinger Turngemeinde, die bereits 1845 das Licht der Welt erblickt hatte. Da turnten Bürger und Studenten noch in schöner Eintracht für die „Freiheit des Vaterlands“ auf dem Tübinger Wöhrd, angefeuert von dem Jahn-Schüler Karl Völker und dem Universitätsturnlehrer Karl Wüst.

Die schöne stadtübergreifende Harmonie zwischen Tübinger Bürgern und Studenten war leider nicht von langer Dauer, es gab ständige Spannungen und bald trennten sich die Wege.

Die Turngemeinde war nicht gerade ein Symbol sportlichen Fortschritts. Erst 1904 traute man sich, eine Turnerinnenabteilung einzurichten und der Anspruch der 1910 verabschiedeten Satzung machte ein neues, durch Sport und Spiel geprägtes Verständnis der „Leibesübungen“ fast unmöglich: Ziel der Turngemeinde war die „Förderung des deutschen Turnens als eines Mittels zur körperlichen und seelischen Kräftigung, sowie die Pflege des deutschen Volksbewusstseins und vaterländischer Gesinnung“. Dass Ballspiele oder Sportgymnastik ganz einfach Spaß machen und zum allgemeinen Wohlbefinden beitragen könnten, war da noch nicht vorgesehen.

Bis 1932 blieb dieses durchaus politische und ernsthafte Selbstverständnis der Turngemeinde bestehen. Danach wurde es kaum besser: Fritz Bauer, NSDAP-Mitglied nahezu erster Stunde, schwang sich zum „Vereinsführer“ auf und drückte bis 1935 eine Satzungsänderung nach der anderen durch, bis der Verein schließlich aufgelöst und gleichgeschaltet wurde.

Die Diskussion um den „Sport“ spielte auch 1950 noch eine Rolle. Wollte man wirklich eine „Turn- und Sportgemeinde“ sein? Lief man da nicht Gefahr, zu einem elitären, oberflächlichen Spaßverein zu werden, in dem Spiel und Gemeinschaft wichtiger war als körperliche Ertüchtigung und mannhafte Disziplin? Wie konnte man so an die hergebrachte und bewährte Turntradition anknüpfen? Der Leiter der Universitätsturnanstalt Karl Klett – der den Spitznamen „Purzelbaumprofessor“ trug – was einiges über das Ansehen des Sports in der akademischem Welt noch in der Jahrhundertmitte aussagt – plädierte weitsichtig für eine moderne Namensgebung und die Aufnahme des Sports in den neu zu gründenden Verein und setzte sich durch.

Mittlerweile gehören Spiel, Sport und Spaß sowie ein vielfältiges, breitgefächertes und gesundheitsorientiertes Angebot genauso selbstverständlich zur Tübinger Turn- und Sportgemeinde wie die Tatsache, dass mittlerweile mehr als doppelt so viele Mädchen und Frauen als Jungen und Männer Mitglieder sind. Vom deutschen Turnen ist schon lange nicht mehr die Rede. Andrea Bachmann

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15.02.2017, 01:00 Uhr
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