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Jazz im Prinz Karl holt das international besetzte Tingvall Trio ins Sudhaus
Martin Tingvall hat vor mehr als 14 Jahren das Tingvall Trio gegründet. Bild: Jürgen Spieß
Jazz, der mit dem Rock flirtet

Jazz im Prinz Karl holt das international besetzte Tingvall Trio ins Sudhaus

Das Tingvall Trio hat in den vergangenen zwölf Jahren eine beispiellose Musikkarriere hingelegt und gilt manchen als der deutsche Exportschlager in Sachen Jazz: „Die Musik ist der Chef, nicht das Trio“, behauptet dagegen Martin Tingvall, Pianist und Namensgeber des Hamburger Jazztrios über ihr neues Album „Cirklar“.

09.08.2017

Seit dem 2008 bei einem Tauchunfall verstorbenen Esbjörn Svensson ist es wohl keinem Jazzpianisten mehr gelungen, mit seinem Spiel derart Spannung aufzubauen, ein Thema unvorhergesehen ins nächste zu überzuführen und schroffe Brüche zu inszenieren wie dem in Hamburg lebenden Pianisten Martin Tingvall.

Die kleinen, schwarz-weißen Hämmerchen machen bei dem Schweden, was er will. Ähnlich einem Rockpianisten springt er in die Tasten, selbst bei ruhigeren Stücken attackiert Tingvall den Flügel mit einer erfrischend ruppigen Grobschlächtigkeit. Während er in der linken Hand die Kraft einer Dampflok hat, setzt die rechte so leichte Läufe dazu, dass das Ganze zuweilen klingt wie das Zusammenspiel von Zügen einer Modelleisenbahn. Der früher in dem südschwedischen Dorf Snarestad und seit 1999 in Hamburg lebende Pianist kümmert sich mit seinen Mitspielern Omar Rodriguez Calvo (Kontrabass) aus Kuba und dem gebürtigen Bremer Jürgen Spiegel (Drums) nicht um Stile, sondern verlegt sich lieber auf waghalsige Spurensuche.

Martin Tingvall hat die seltene Gabe, einen Klavierton gleichermaßen weich und unerbittlich klingen zu lassen. Sein Anschlag ist so offen wie kaum ein zweiter. Gleichzeitig ist er vieles mehr auf einmal: euphorisch, zupackend, gefühlvoll, perkussiv, erzählerisch: „Jedes Stück ist ein Spiel, ein Drama, das sich in Kreisen (Cirklar) dreht, bis es fertig ist“, so der 42-jährige Pianist, der auch für die Komposition der Stücke zuständig ist. Man hat oft das Gefühl, der ohne Noten spielende und meist mit verwaschenen Jeans und bunten Turnschuhen auftretende Pianist spiele einfach, was ihm gerade in den Sinn kommt. Auch sein Bassist Omar Rodriguez Calvo, der seit 1994 in Hamburg lebt und ebenfalls fließend Deutsch spricht, ergeht sich gerne in kleinen Sperenzchen. Er lässt den Kontrabass mal wie ein E-Cello, mal wie eine indische Sitar oder eine Rockgitarre klingen.

Vor etwas mehr als 14 Jahren gründete der in Schweden geborene Pianist Martin Tingvall mit dem kubanischen Kontrabassisten Omar Rodriguez Calvo und dem Bremer Drummer Jürgen Spiegel das Trio, das heute mit seinem melodischen Jazz halb Europa verzaubert. Am Anfang stand 1996 ein zufälliges studentisches Aufeinandertreffen im holländischen Groningen. Bei dieser Gelegenheit lernte der Stipendiat Martin Tingvall den Musikstudenten Jürgen Spiegel kennen. Drei Jahre später besuchte Tingvall den inzwischen mit einer Schwedin verheirateten und in Hamburg lebenden Schlagzeuger und 2003 gründeten sie gemeinsam mit dem Kubaner Calvo das Tingvall Trio.

Der klassisch ausgebildete Kontrabassist kam bereits 1994 nach Hamburg, heiratete eine Deutsche und ist inzwischen Bundesbürger, was das Herumtouren mit der Band aus steuerlichen Gründen enorm vereinfacht. Während Omar Rodriguez Calvo von kubanischem Rumba und klassischer Musik geprägt ist, schätzt Jürgen Spiegel harte Rockmusik im Stile von Black Sabbath und Deep Purple. Martin Tingvall dagegen komponierte neben Jazz- und Filmmelodien auch Rocksongs für Udo Lindenberg, Gunter Gabriel, Baschi und Inga Rumpf. Aber längst ist das Jazztrio zum Lebensmittelpunkt aller drei Musiker geworden und sie haben damit einen ganz eigenen Weg eingeschlagen.

Dabei versucht das Tingvall Trio nicht von der Aura des Gestern zu zehren, von den großen alten Standards, wie es derzeit so viele Jazzer tun. Längst sind sie ihre eigene Referenz geworden, stürzen dabei aber nie ab oder verlieren sich im Ungefähren. Jürgen Spieß

Das Tingvall Trio stellt am kommenden Samstag, 12. August, um 20 Uhr ihr neues Album „Cirklar“ auf der Sudhaus-Waldbühne vor.

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09.08.2017, 01:00 Uhr
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