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Jimmy's Hall

Jimmy's Hall

Ken Loach erzählt die Geschichte eines Iren, der in den 1930-er Jahren die allmächtige katholische Kirche herausgefordert hat.

Jetzt im Kino: Ein Tanzsaal treibt die Kirche zur Weißglut - „Jimmy_APOSTROPHE_s Hall“

Jetzt im Kino: Ein Tanzsaal treibt die Kirche zur Weißglut - „Jimmy_APOSTROPHE_s Hall“ --

02:08 min

GB

Regie: Ken Loach
Mit: Barry Ward, Simone Kirby, Jim Norton

- ab 6 Jahren

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11.08.2014
  • von Klaus-Peter Eichele

Jesus Christus oder Jimmy Gralton – vor diese Alternative stellt der katholische Pastor von der Kanzel herab seine Schäfchen. Der von Barry Ward gespielte Gralton ist für den Geistlichen der Antichrist, und für diese Einschätzung gibt es aus seiner Sicht gute Gründe. Denn der Mann ist drauf und dran, die bis dato fast unbeschränkte Macht der katholischen Kirche zu brechen – zumindest im County Leitrim im so pittoresken wie ärmlichen Hinterland der grünen Insel.

Dabei wollte Gralton, als er 1932 nach zehn Jahren im amerikanischen Exil in seine Heimat zurückgekehrt war, eigentlich nur seiner alten Mutter beistehen. Doch dann überredet ihn die von der Wirtschaftskrise deprimierte Landjugend, einen alten Schuppen zur Tanzhalle umzumodeln. Nach gemeinsamer Renovierung wird dort allerdings nicht nur zu neumodischem Jazz geschwoft, sondern auch geboxt, gesungen, gemalt, über Literatur und das Zeitgeschehen diskutiert – ein Affront gegen die Kirche und ihr als heilig erachtetes Erziehungsmonopol. Auch die reichen Landbesitzer sind beunruhigt, war die katholische Propaganda doch stets ein Garant dafür, dass die Habenichtse ihr Elend als gottgegeben hinnahmen.

In seinem nach eigenem Bekunden letzten Film beschäftigt sich der britische Altmeister Ken Loach („Angels‘ Share“) zum zweiten Mal mit der irischen Geschichte. „The Wind that Shakes the Barley“ (2006) handelte vom Unabhängigkeitskrieg in den frühen zwanziger Jahren, und was sich dort andeutete, ist eine Dekade später noch offensichtlicher: Für die Armen macht es keinen Unterschied, ob sie von Engländern oder Iren ausgepresst werden; ihnen hilft allein die Solidarität untereinander, die gern, siehe Tanzhalle, mit Lebenslust gepaart sein darf. Allerdings erweist sich der Freiheitskampf in Irland als besonders heikel, weil die fanatisch konservative katholische Kirche hier über mehr Einfluss verfügt als in jedem anderen europäischen Land außer dem Vatikan – gerade auch auf die Unterdrückten.

Doch ist Loach nicht nur ein wackerer Linker, sondern auch ein souveräner Geschichtenerzähler. In Jimmy Gralton, einer realen Figur, über die aber wenig bekannt ist, hat er einen Protagonisten gefunden (und ein bisschen ausgeschmückt), der zunächst mit rein menschlichen Qualitäten aufwartet – und erst dann (oder deswegen) zum Kämpfer für eine bessere Welt gedeiht.

Sie wollen nur tanzen und lernen – und reizen die Herrschenden damit bis aufs Blut.

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11.08.2014, 12:00 Uhr | geändert: 10.09.2014, 12:00 Uhr
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