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Die Stadt als Turnhalle

Urban Fitness ist ein schweißtreibender Trendsport mit hohem Spaßfaktor

02.08.2017

Wir stehen an einem etwas regnerischen frühen Sommerabend am Goldersbach, ein paar Bretter in verschiedenen Längen und zwei Seile in den Händen und sollen auf das andere Ufer gelangen, ohne nasse Füße zu bekommen. Mit mir überlegt ein gutes Dutzend wahnsinnig sportlich aussehender junger Studentinnen und eine knappe Handvoll junger Männer, wie das Problem zu bewerkstelligen wäre.

Die Mutigste klettert die Uferböschung herunter, aus den Brettern und ein paar Steinen im Bach entsteht schließlich eine provisorische Brücke, die ich mich tatsächlich traue zu überqueren – ich freue mich allerdings sehr, als jemand mir eine Hand entgegenstreckt. Wir sind ganz stolz, diese Aufgabe so gut bewältigt zu haben. Aus lauter Einzelpersonen ist eine Gruppe geworden. Teambildung war das Ziel dieser Übung.

Wir joggen durch Lustnau und spielen uns dabei einen Ball zu. Regen und Wolken verziehen sich, die Luft riecht nach Sommer. Wir balancieren auf Kantsteinen, rennen im Slalom um eine Reihe Poller, machen an einem Geländer Liegestütze und kriechen eine Treppe auf allen vieren herunter, was erstaunlich schwierig ist. Das Ganze erinnert ein bisschen an den guten alten Trimm-dich-Pfad, ist sehr spielerisch, sehr anstrengend und macht ziemlich viel Spaß.

Urban Fitness heißt dieser neue Sporttrend. Die Stadt selbst wird zum Fitnessstudio, Treppen, Zäune, Geländer, Bänke, Mauern oder ein Kinderspielplatz liefern die Geräte und jede noch so kleine Rasenfläche verwandelt sich in eine Gymnastikmatte.

Im Laufe der nächsten anderthalb Stunden sehe ich mehr und vor allem anderes von Tübingen als an einem Sightseeingwochenende. Ich balanciere auf hohen Mauern, hangel an einem Geländer oberhalb der Straße und springe über Banklehnen und Fahrradsperren. Das fordert mir einiges ab. Auf der Mauer habe ich solche Angst, dass ich kaum einen Fuß vor den anderen setzen mag und springen kann ich überhaupt nicht. Das habe ich zum letzten Mal beim Gummitwist auf dem Pausenhof gemacht.

„Urban Fitness ist wahnsinnig funktionell und effizient“, erklärt Trainer Philippe Clédon, der den minimalistischen Trendsport im Rahmen des Hochschulsportprogramms anbietet. „Du trainierst gleichzeitig Ausdauer, Koordination, Kraft und Beweglichkeit. Und du kommst immer wieder an deine Grenzen. Entweder, weil du dich überwinden musst, irgendwo runterzuspringen oder raufzuklettern. Oder weil wildfremde Passanten lustige Kommentare abgeben. Aber du bist ja nicht allein – das Gruppenfeeling ist ein wesentlicher Bestandteil des Trainings.“

In der nächsten Woche sind Treppen an der Reihe. Wir hüpfen hoch und kriechen herunter, rückwärts, im Krebsgang. Im Parkhaus König veranstalten wir ein kleines Wettrennen, dann geht es zum Schloss. Wir robben um die Sternwarte herum. Es fühlt sich an wie eine sehr softe Variante eines Bootcamps und es ist lange her, dass ich mich beim Sport so dreckig gemacht habe.

Nach der dritten Trainingseinheit traue ich mich Sachen, die am Anfang noch vollkommen indiskutabel waren. Für mich ist Urban Fitness eine hervorragende Vorbereitung für einen Kletterwanderurlaub in den Bergen.

Mit dem Parkour, den waghalsige junge Leute praktizieren, hat Urban Fitness nur am Rande etwas zu tun. Es ist eine schöne Alternative für Menschen, denen reines Joggen zu langweilig ist, die lieber an der frischen Luft als im Studio trainieren, die gerne mit anderen Menschen zusammen trainieren, ohne sich gleich einem Verein anschließen zu müssen und denen es gefällt, wenn man zum Training nichts anderes braucht als einfachste Sportkleidung und ein Paar Gartenhandschuhe. Die sind sehr nützlich, wenn man sich beim Krabbeln und Klettern nicht die Hände ramponieren möchte.

Das Angebot kommt an. „Die Kurse im Hochschulsport sind immer ganz schnell ausgebucht“, freuen sich Philippe Clédon und sein Kollege Benedikt Mothes. Der Spaßfaktor ist hoch und das Training trotzdem effizient. Andrea Bachmann

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02.08.2017, 01:00 Uhr
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