Der Kommentar

Abflug: Bis nächstes Jahr!

Von Martina Fischer

Eine Lieblingsbeschäftigung unserer Störche ist derzeit sicherlich das Schnabulieren. Bald machen sie sich, wie jedes Jahr Ende August, im Flugverband auf den weiten und kräftezehrenden Weg nach Afrika. Und dafür benötigen die Schreitvögel Energiereserven.

Im Frühjahr tauchen sie stets am angestammten Brutplatz auf, weshalb die großen Vögel volkstümliche Bedeutung als Frühlingsboten und Kinderbringer erlangten: Mit seinem Schnabel lieferte der Klapperstorch Wickelkinder, die er aus dem Brunnen oder einem Teich holte. Die Familienmutter kniff er ins Bein, sodass sie tagelange das Bett hüten musste. So oder ähnlich wurde es Geschwisterkindern erzählt, die mancherorts Zucker auf's Fensterbrett streuten, damit der Storch kam und ihnen dafür ein Brüderchen oder Schwesterchen daließ.

Der Storch hat keine Stimme, er äußert sich durch Bewegung und Schnabelklappern. Klappert der Storch auf dem Nest, sagte man früher, betet er. Und in Schwaben glaubte man: „Wenn der Storch eine Zunge hätte, so würde er reden, und dann tät er Land und Leute verraten, weil er alles sieht und hört, was im Hause vor sich geht“.

Der Name des Stelzvogels leitet sich ab vom althochdeutschen Wort stor(a)h und bedeutet starr sein oder steif gehen, womit das alte Sprichwort „wie ein Storch im Salat gehen“ wunderbar verständlich wird. Sein volkstümlicher Name lautet Adebar, das heißt so viel wie „Sumpfgänger“ und lässt Rückschlüsse auf seinen bevorzugten Lebensraum zu.

Er ist Segensbringer und Glücksträger zugleich und heißt deshalb auch „Freund Adebar“, denn nach altem Glauben heißt es: „Wer das Glück hat, dass die Störche ihr Nest auf sein Haus oder Schornstein bauen, der wird lange leben und reich werden“. Als Orakeltier verheißt der erste gesichtete Storch des Jahres fliegend Glück oder ruhend Unglück, und sind die Federn bei seiner Ankunft schön weiß, so gibt’s ein trockenes, sind sie aber grau oder schmutzig, ein nasses Jahr.


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14.08.2019, 01:00 Uhr