Der Kommentar

Abschied vom Sommer

09.09.2020

Von Martina Fischer

Nachdem das alte römische Kalenderjahr erst mit dem März eingeläutet wurde, galt der September als der siebte Monat im Jahr. Sein Name ist entlehnt aus dem Lateinischen: „mensis september“, septem = sieben. Karl der Große ließ ihn „Herbistmanoth“ (Herbstmonat, Herbsting) nennen, denn der September bringt allmählich den Herbst. Er führt uns aus dem Sommer heraus und heißt deshalb auch Scheiding oder Abschiedsmonat.

Nun ist schon der Altweibersommer angebrochen mit seinen Sommerfäden, dem „Mariengarn“, das der Volksglaube für ein Gespinst von Elfen, Zwergen oder der Jungfrau Maria hält. In Wirklichkeit sind es Spinnfäden von meist jugendlichen Spinnen zur Herbstzeit, die sich an ihnen mit dem Wind forttragen lassen. Jetzt blühen die Herbstzeitlosen, und die Holunderbeeren werden reif. Zur Freude der Kinder fallen von den Kastanienbäumen endlich die braunen Früchte in ihren stacheligen Hüllen. Der Hopfen wird geerntet, die Wintergerste kommt zur Aussaat, und so führt der September, wie auch der Oktober, als Zeit der Winteraussaat, den Namen Sämonat.

Im Gäu werden jetzt die Kartoffeln nach Hause gebracht, und früher erntete man dort den spät gesäten Flachs. Im bäuerlichen Jahr gilt der September als der große Dankmonat, und man bereitet sich auf das Erntedankfest am ersten Sonntag im Oktober vor. Auf die Fülle der Erntezeit verweist der Name Fulmonet (Vollmonat).

Man spricht auch vom Holzmond, in dem die Waldarbeit begann und man die Bäume fällen konnte. In der Poesie des Volksmundes gilt der September als der Mai des Herbstes und als Frühling der Jäger, denn in diesen Monat fällt der Jagdbeginn für das Haar- und Federwild. Für die Zugvögel ist nun der Abflug in den Süden gekommen: Zu Mariä Geburt (8. September) ziehen die Schwalben fort.

In alten Kalendern ist auch die Bezeichnung Schutzengelmonat zu finden, da am 29. September das Fest der Erzengel Michael, Gabriel und Raphael gefeiert wird. Die Dunkelheit bricht Ende September schon gegen sechs Uhr abends ein, und die Arbeiten im Stall und am Feierabend mussten nun bereits schon bei Licht von Kienspänen, Talg und später Petroleumlampen ausgeführt werden. Daran lässt der Spruch denken: Michael steckt‘s Licht an, das Gesind muss zum Spinnen ran.

Der 30. September gilt in den Mittelgebirgsgegenden und den Alpen als Datum für den Viehabtrieb. Hat es den ganzen Sommer über kein Unglück wie Blitzschlag oder Absturz gegeben, dann darf die erste Kuh zum Viehscheid „gekränzt“ werden.

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Erstellt:
9. September 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
9. September 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. September 2020, 01:00 Uhr

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