Klerus an der Front

Aktuelle IMI-Studie klärt über die Militärseelsorge auf

Rund 30 Millionen Euro pumpt das Bundesverteidigungsministerium jedes Jahr in die Militärseelsorge. Über die Verwendung dieser Gelder klärt eine aktuelle Studie der Tübinger Informationsstelle Militarisierung (IMI) auf, die demnächst veröffentlicht wird.

11.04.2018

Militärbischof Franz-Josef Overbeck auf der Internationalen Soldatenwallfahrt nach Lourdes im Mai 2017. Papst Franziskus würdigte die Teilnehmer in einer Grußbotschaft als „Diener des Friedens“ und „Zeugen der Wahrheit“. Bild: Christina Lux

Jeweils 100 evangelische und katholische Militärgeistliche zelebrieren Gottesdienste für die Angehörigen der Bundeswehr, spenden Soldaten die Sakramente und begleiten sie auf Manövern und Auslandseinsätzen wie in Afghanistan. Militärgeistliche sind Beamte, die vom Staat bezahlt werden und von der Bundeswehr ein Dienstfahrzeug bekommen.

„Das System der Militärseelsorge verweist auf eine enge Verflechtung von Kirche und Staat“, stellt Victoria Kropp fest. „Die obersten Behörden der Militärseelsorge, das Evangelische Kirchenamt für die Bundeswehr (EKA) und das Katholische Militärbischofsamt (KMBA) sind keine Organe der Kirche, sondern Behörden des Verteidigungsministeriums“, betont die IMI-Mitarbeiterin. „Und die Lehrpläne für den lebenskundlichen Unterricht, mit dem Soldaten von den Militärgeistlichen in ethischen Fragen geschult werden, schreibt die Bundeswehr. Somit ist die Militärseelsorge in das Ausbildungsprogramm der Armee eingebunden.“

Die Arbeit der evangelischen Militärgeistlichen basiert auf dem Militärseelsorgevertrag, der 1957 zwischen dem Rat der EKD und der Bundesregierung geschlossen wurde. Darin wurde nicht nur geregelt, dass der Staat für den organisatorischen Aufbau der Militärseelsorge und ihre Finanzierung zuständig ist. Die Bundesregierung segnet auch die Ernennung des Militärbischofs ab, dem die kirchliche Leitung der Militärseelsorge obliegt. Und die Organisation der katholischen Militärseelsorge geht auf das Reichskonkordat zurück, das der Papst 1933 mit Hitler geschlossen hat.

„Zwar besteht der offizielle Auftrag der Militärgeistlichen darin, Soldaten die freie Religionsausübung zu ermöglichen“, erklärt Kropp. „Aber allein ihre Existenz ist eine Legitimation des Militärs.“ Stefan Zibulla


(siehe auch den Kommentar
auf Seite 2)

Victoria Kropp von der Tübingern Informationsstelle Militarisierung (IMI) macht das System der Militärseelsorge transparent.Bild: Zibulla

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Erstellt:
11. April 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
11. April 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. April 2018, 01:00 Uhr

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