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Anarchie am Saurucken

Am Vatertag sind traditionell große, laute Menschengruppen im Wald unterwegs

Die Freiluftsaison ist schon längst eröffnet und spätestens mit dem morgigen Vatertag beginnt auch die besonders bei Männern beliebte Saison „Wandern mit Bier im Wald“. Manche Gruppen sind da mit lautstarker Musik unterwegs. Darf man das eigentlich?

09.05.2018

Von Angelika Brieschke

Mit dem Traktor in den Wald darf man ohne Genehmigung sowieso nicht. Archivbild: Eisele

Kreis Tübingen. „Jeder darf den Wald zum Zweck der Erholung betreten“, erklärt Thomas Zürn, Sachgebietsleiter Abteilung Forst beim Tübinger Landratsamt. Wandern mit Bollerwagen und Bierkästen ist da eigentlich kein Problem – solange die Erholung anderer nicht beeinträchtigt wird. „Dass da welche mit lauter Musik unterwegs sind, das sind bei uns eher Einzelfälle, vielleicht mal am Vatertag“, sagt Zürn. Und auch das regle sich meistens von selber durch andere Waldbesucher, die die Lärmer zurechtwiesen. Förster haben zwar durch das Landeswaldgesetz durchaus die Möglichkeit, Ruhestörern eine Ordnungswidrigkeit aufzubrummen, aber „wir sind auch nicht dauernd als Polizisten im Wald unterwegs“, meint Zürn. Und auch die Forstbeamten versuchen in solchen Fällen eher an die Vernunft der Leute zu appellieren als mit einer Strafe zu drohen. Wenn das nicht funktioniere, dann gelte bei aggressiven Waldbesuchern klar der Grundsatz: „Die Eigensicherung unseres Forstpersonals geht vor.“ Insgesamt sieht Thomas Zürn das Thema Ruhestörung im Wald aber gelassen: „Bei uns im Rammert ist es eher ein bisschen ruhiger.“

Laute Discomusik im Wald – das passt für Mathias Allgäuer, Geschäftsführer des Naturparks Schönbuch, überhaupt nicht zusammen. „Der Schönbuch ist ein sehr sensibles Schutzgebiet, wir haben hier besonders schützenswerte Pflanzen- und Tierarten“, erklärt er. „Vor allem jetzt braucht es Ruhe. Es gibt viele Tiere, die gerade brüten oder Junge haben, wenn da so eine Horde betrunkener Väter vorbeikommt, dann ist das ein Problem.“

Ein Problem, dass die Förster im Schönbuch nicht immer in den Griff bekommen. „An den Hotspots herrscht da Anarchie an manchen Tagen“, bekennt Allgäuer und meint mit Hotspots zum Beispiel den Saurucken bei Entringen oder das Waldgebiet rund um Bebenhausen. Aber auch er sieht es pragmatisch wie Thomas Zürn: „Wir können nicht an jedem Eck einen Förster stehen haben, wir müssen da schon die Verhältnismäßigkeit der Mittel im Blick haben. Versuchen Sie zum Beispiel mal, einen Mountainbiker zu ermahnen, der fährt dann halt einfach weg.“

Der Naturpark-Geschäftsführer findet es richtig, dass jeder zur Erholung in den Wald darf. „Wir haben in Deutschland ein sehr freizügiges Betretungsrecht im Wald“, betont er, „gefördert wird aber die ruhegebundene Erholung.“ Angelika Brieschke

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Erstellt:
9. Mai 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
9. Mai 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. Mai 2018, 01:00 Uhr

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