Unterstützer gesucht

Amnesty International sammelt Unterschriften

Von 16 Jahren Haft wegen eines Verstoßes gegen die Kleiderordnung bis hin zum quecksilberverseuchten Fluss in Kanada: In zehn Fällen von Menschenrechtsverletzungen hilft Amnesty International (AI) beim diesjährigen Briefmarathon.

11.12.2019

Im Tübinger Rathaus können Briefe gegen Menschenrechtsverletzungen unterschrieben werden. Bild: Monica Brana

Tübingen. „In den nächsten Wochen und Monaten verfolgen wir die Fälle weiter“, sagte Pauline-Sophie Dittmann am Montagabend im Foyer des Tübinger Rathauses. Neben Oberbürgermeister Boris Palmer (Bild, Mitte), einigen Gemeinderatsmitgliedern und weiteren Interessierten scharten sich auch Vertreter der Presse um die große Auslage mit den gelben Kästen, in die Unterstützer noch bis Donnerstag, 19. Dezember, ihre Unterschriften für zehn Fälle internationaler Menschenrechtsverletzungen stecken können.

Die vorformulierten und unterschriebenen Briefe sendet AI an zuständige Ansprechpartner, also an Regierungen, Botschaften oder Gefängnisdirektoren – so erläuterte Dittmann das Verfahren dem TAGBLATT ANZEIGER. „Die ganze Amnesty-Bewegung zielt verstärkt in Richtung Klimaschutz“, sagte die Studentin zu den diesjährigen Fällen, welche die in London ansässige AI-Zentrale auswählte. Das liege mit am AI-Generalsekretär, einem ehemaligen Direktor von Greenpeace.

Die Unterschriftenaktionen seien immer wieder von Erfolgen gekrönt: Die 5,9 Millionen Briefe kamen 2018 beispielsweise kirgisischen Behindertenrechtlern zugute. Aktivistinnen wie Gulzar Duishenova setzten sich in Kirgisistan über Jahre und letztlich erfolgreich für bessere gesellschaftliche Teilhabe Behinderter ein.

Zwar können Interessierte auch online bei der Briefaktion mitmachen, sagte AI-Mitglied Isabel Denzel. Eine weitergeleitete Unterschriften-Email wirke jedoch anders, als wenn bei den Adressaten zahlreiche papierne Briefe ankommen. Dennoch: „Lieber online unterschreiben als gar nicht!“

In einem Fall unterstützt AI dieses Jahr eine im kanadischen Ontario lebende indigene Bevölkerungsgruppe. „Die Regierung redet viel, tut aber nichts“, wird im Infomaterial eine 13-Jährige zitiert. Seit 50 Jahren sind die Flüsse im Gebiet der Grassy Narrows First Nations laut AI mit Quecksilber verseucht, Anwohner zeigten Vergiftungserscheinungen. Im deutschsprachigen Brief an den „Prime Minister of Canada“ fordern diejenigen, die unterschreiben, entsprechend eine Reinigung der verseuchten Gewässer und ärztliche Betreuung im Vergiftungsfall. Monica Brana

Der Briefmarathon von Amnesty International läuft bis zum Donnerstag, 19. Dezember. Im Foyer des Tübinger Rathauses (Am Markt 1) liegen Briefvordrucke für zehn verschiedene Fälle von Menschenrechtsverletzungen zur Unterschrift bereit. Die AI-Hochschulgruppe übernimmt den Versand.

Mehr dazu online unter: amnesty.de/allgemein/kampagnen/schreib-fuer-freiheit-der-amnesty-briefmarathon-2019.

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Erstellt:
11. Dezember 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
11. Dezember 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. Dezember 2019, 01:00 Uhr

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