Rußiges Leben im finstern Wald

Auf den Spuren uralter Flurnamen: Kohlgrube

Auf dem Weg durch das Gomaringer Erdmannsbachtal entdecken wir den Flurnamen „Kohlgrube“ und der weitere Flurname „Brenntenwald“ gibt uns einen guten Hinweis zum Ursprung dieses Ortes: Hier wurde das Holz der umliegenden Wälder in Grubenmeilern zu Holzkohle verkohlt.

16.12.2020

Im Gemeindewald von Gomaringen befindet sich ein „Brenntenwald“ mit Kohlgrube. Bild: Arndt Spieth

Einstmals gab es überall Köhler, die auf Waldlichtungen in der Nähe eines Baches ihre rauchenden Meiler betrieben. Die Grubenverkohlung war eine in vielen Kulturen verbreitete Technik zur Herstellung von Holzkohle. Erste Grubenmeiler findet man in der Bronzezeit, das heißt von 2200 bis 800 vor Christus.

In der sich anschließenden Eisenzeit waren sie schon recht verbreitet und im Mittelalter arbeiteten noch viele Köhler mit der Grubenverkohlung. Die Größe der archäologisch nachgewiesenen Meilergruben ist überschaubar: Wannenförmige Grubenmeiler waren selten größer als 2 Meter x 1 Meter x 0,5 Meter, schachtförmige Meiler selten tiefer als 2 Meter. Trotz ihrer vergleichsweisen geringen Effektivität wurde dieser Meilertyp bis ins 18. Jahrhundert hinein verwendet. Die Grubenmeiler wurde damals immer mehr durch die an der Oberfläche als Hügel sichtbare, sogenannte „liegende“ und „stehende“ Meiler verdrängt, weil hier der Holzkohleertrag wesentlich höher war. Diese rentablere Technik bezeichnet man auch als Meilerkohlung.

Zur Verkohlung wurde vor allem das für sonstige Verarbeitungen wertlose Holz benutzt, das heißt Holz mit Insektenbefall oder aus Schnee- und Windbrüchen, Äste, Wurzel- und Dürrholz. Reichte das nicht aus, wurde weiteres Holz im Wald geschlagen und vor der Verkohlung getrocknet. In der Mitte der Grube blieb ein Schacht frei, durch den der Grubenmeiler später entzündet wurde. Das eingestellte Holz wurde mit Farnkraut und erdfeuchtem Boden oder Grassoden bedeckt und festgestampft. In diese Abdeckungen wurden dann einige Löcher zum Abzug der Holzgase eingestochen. Über den freiliegenden Schacht wurde der Meiler durch Einfüllen von Glut und brennendem Holz entzündet.

Erst wenn sich dann das Feuer überall hin verbreitet hatte, wurde der Schacht verschlossen. Die aus der Grubenabdeckung austretenden Gase änderten ihre Farbe von weiß über gelb zu blau. Wenn die Gase klar wurden, wusste der Köhler, dass die Verkohlung abgeschlossen war und er erstickte dann das Feuer durch Verschließen der Rauchöffnungen. Danach musste er bis zum Erkalten der Glut warten, um dann die Grube zum Entnehmen der Holzkohle zu öffnen.

Die Verkohlungsdauer betrug im Grubenmeiler je nach Technik zwischen 12 und 36 Stunden. Das anstrengende Leben der Köhler war von Warten, Wind und Wetter, Ruß und auch Einsamkeit geprägt und die rußigen Waldgesellen waren in der Gesellschaft wenig anerkannt. Sie mussten den Meiler bei jedem Wetter im Auge behalten und wenn nötig immer wieder umbauen, so dass das Holz optimal verkohlte. Zwischendurch nahmen sie einfache Mahlzeiten ein und nachts schliefen sie neben dem Holzmeiler in einfachen Unterständen oder hielten Nachtschichten, um ihren Meiler auch da kontrollieren zu können.

Trotzdem wurden sie vor allem von Städtern gerne um ihr scheinbar freies und ungebundenes Leben in der Natur beneidet so wie dieses romantisch verklärte Volkslied aus Bayern deren Dasein schildert: „Lustig ist das Köhlerleben, in dem Wald, da is so fein, und i mecht koan Herrn abgeben, liaba will i ruaßig sein. Ja, mei Jöpperl is ma liaba und mei lodans Kamisol, denn mi plagt koa Sorg, koa Fiaba, mir is all wei katzerl wohl. In der Stadt mecht i net hausen, o, da geht’s grad soviel zua, dass es mecht dem Teufi grausn, hint und vorn hast gar koan Ruah…“.

In den trockenen Sommermonaten konnte es, wenn der Meiler „durchging“, durch glühende Kohlestücke und Funkenflug zu Waldbränden kommen, wodurch vermutlich der zweite Flurname „Brenntenwald“ entstanden ist. Arndt Spieth

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Erstellt:
16. Dezember 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
16. Dezember 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. Dezember 2020, 01:00 Uhr

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