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Weidenkorb und Tanzlust

Auf den Spuren uralter Flurnamen: Kreben

Wer in Dußlingen beim Sägewerk an der Steinlach spazieren geht, dem fällt vielleicht das Straßenschild „Im Kreben“ ins Auge. Auch in einigen anderen Gemeinden um Tübingen und Mössingen stößt man auf ähnliche Flurnamen.

04.12.2019

Das Straßenschild „Im Kreben“ in Dußlingen. Bild: Arndt Spieth

Die alte Bezeichnung „Kreben“ ist heute vielen kein Begriff mehr und es ist ganz spannend, sich hier etwas auf Spurensuche zu begeben. „Krebe“ war im mittelhochdeutschen Sprachraum sehr gebräuchlich und der Begriff hat sich bis heute vor allem im schwäbischen Sprachraum erhalten. Das Wort bezeichnet einen dicht geflochtenen Weidenkorb, der für allerlei Dinge verwendet wurde (und wird): Zum Transport von Ferkeln und Hühnern, Hausierer verstauten darin ihre Waren auf ihren langen Wegen durch die Dörfer und in Weingegenden landeten die geernteten Trauben in der Krebe auf dem Rücken des Weingärtners.

Im Gegensatz zu den geschlossenen Tragekörben aus Holz oder Metall, den Butten oder Bütten, bezeichnet Kreben immer offene, geflochtene Weidenkörbe. In manchen Gegenden im Schwäbischen sprach und spricht man auch von „Kratten“, „Krätten“, „Krätze“ oder „Zainen“, je nach Funktion, Größe und Form. So bezeichnet Kratten eher einen Armkorb, Krätze einen Tragekorb, ein Zainen war ein Weidenkorb ohne Deckel und Kreben wurden meist auf dem Rücken getragen. Diese waren für schwere Lasten gedacht und wurden besonders stabil gefertigt. Zainen ist übrigens in der deutschen Schweiz heute noch die gängige Bezeichnung für einen Korb.

Neben diesen geflochtenen Körben gab es auch den „Futterkreb“, aus dem wohl das Wort Krippe hervorgegangen ist. Das Wort Kreben in einem Flurnamen bezeichnete laut Flurnamensforscher auch mit Weidegeflechten eingefriedete Feldstücke, die offensichtlich eine besondere Funktion hatten. So findet man noch Flurnamen wie „Krebenhag“.

In alten Aufzeichnungen wie dem Ringinger Fleckenbuch aus dem 16. Jahrhundert wird mit Kreben ein Platz im oder am Dorf bezeichnet, auf dem besondere Freiheiten galten, wo die Gemeinde tagte und Gericht gesprochen wurde, was seinen Ursprung vielleicht in den germanischen Thing-Stätten hat. Diese „freien“ Plätze hatten offensichtlich auch noch weitere Funktionen. So gab es in Salmendingen auch den „Tanz-Kreeb“, der lange noch als Tanz- und Vergnügungsplatz der Jugend bekannt war. In einer Pfarrpfründe-Erneuerung von 1728 ist noch der Satz zu entziffern: „Der Kreb… unten im Dorf, darin ist eine Freiheit von 24 Stund.“ In katholischen Gegenden scheinen solche besonderen Freiheiten und Gebräuche offensichtlich noch bis ins 18. Jahrhundert gegolten zu haben, während man in protestantischen Kirchenbüchern solche Einträge vergebens sucht. Arndt Spieth

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Erstellt:
4. Dezember 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
4. Dezember 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. Dezember 2019, 01:00 Uhr

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