Wenn Krankheit Zeit kostet

Bei Frauen ist es der Brustkrebs, bei Männern der Alkohol, der Lebenszeit raubt

Welche Erkrankungen tragen in Deutschland maßgeblich zur Sterblichkeit bei und wie viele Lebensjahre gehen jeweils durch sie verloren? Im Rahmen des Projekts Burden 2020 hat das Robert-Koch-Institut (RKI) dies nun für Deutschland berechnet.

14.04.2021

Lebenszeit und Lebensqualität gehen durch verbreitete Krankheiten wie Brust-Tumore verloren. Bild: Fotolia/dalaprod

Verlorene Lebensjahre (YLL) sind ein Maß für die vorzeitige Sterblichkeit, welches sowohl die Häufigkeit der Todesfälle, das Alter in dem sie auftreten und außerdem die statistische Restlebenserwartung berücksichtigt. Die Ergebnisse ermöglichen es, die Auswirkungen unterschiedlicher Todesursachen auf die Gesundheit der Bevölkerung vergleichend zu bewerten.

Berechnungszeitraum für die RKI-Studie war das Jahr 2017. Die gut 930.000 Sterbefälle resultierten den Ergebnissen zufolge in Deutschland in rund 11,6 Millionen YLL, 42,8 Prozent entfielen auf Frauen, 57,2 Prozent auf Männer. Die größten Anteile wiesen (bösartige) Tumore (35,2 Prozent), Herz-Kreislauf-Erkrankungen (27,6 Prozent), Verdauungserkrankungen (5,8 Prozent) und neurologische Störungen (5,7 Prozent) auf.

Sterbefälle in jüngerem Alter wirken sich erwartungsgemäß stärker auf die Bevölkerungsgesundheit aus: Während 14,7 Prozent der Sterbefälle bei den unter 65-Jährigen zu verzeichnen waren, entfielen 38,3 Prozent der verlorenen Lebensjahre auf diese Altersgruppe. Häufige Sterbeursachen waren in dieser Gruppe Unfälle, Selbstschädigung und Gewalt, bösartige Tumore sowie Alkohol-assoziierte Erkrankungen. Vergleicht man die reinen Sterbefallzahlen und Verlorenen Lebensjahre, so zeigten sich Unterschiede in der Rangordnung wichtiger Todesursachen: Beispielsweise nehmen die Auswirkungen von Brustkrebs bei Frauen und von Alkoholkonsum-induzierten Störungen bei Männern auf die Bevölkerungsgesundheit bei Betrachtung der YLL im Vergleich zu den Sterbefällen deutlich an Bedeutung zu. Insgesamt entfiel ein bedeutender Teil der YLL auf jüngere und mittlere Altersgruppen. „Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, gerade bei jungen Menschen mit Präventionsangeboten anzusetzen, um frühe Todesfälle zu verhindern und auch Risikofaktoren für Krankheiten zu reduzieren, die erst im Alter auftreten“, betont RKI-Chef Lothar Wieler. TA

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Erstellt:
14. April 2021, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
14. April 2021, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. April 2021, 01:00 Uhr

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