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Schmucke Hofanlage

Besondere Bauten in der Region: Schadenweiler Hof

Adelssitz, Spital, Gastwirtschaft, SA-Schule, Landespolizeischule und seit 1954 Landesforstschule. Bis auf dem Schadenweiler Hof zwei Kilometer südlich von Rottenburg am Fuße des Rammerts die Fachhochschule für Forstwirtschaft einzog – an der auch Peter Wohlleben zum Förster ausgebildet wurde – hatte die schmucke Hofanlage eine bewegte Geschichte hinter sich.

05.02.2020

Rottenburg. Um 1100 wurde der Ort „Scadewiler“ dem Kloster Hirsau gestiftet. Vermutlich gab es dort eine kleine Siedlung mit etwa einem halben Dutzend Haushalten. Ein Will Hans Heintzen lebte dort und es gab auch einen Wirt namens Albrecht. Irgendwann zogen diese Familien in das vermutlich attraktivere und sicherere Rottenburg und die Siedlung verfiel.

Die älteste Urkunde von Schadenweiler stammt von 1345. Aus ihr geht hervor, dass zu dieser Zeit der Ort Schadenweiler der Pfarrei Rottenburg-Sülchen und dem Chorherrenstift St. Moriz gehörten.

Im 16. Jahrhundert baute ein Heinrich Wigelin aus Messkirchen „Bürger zu Rottenburg und Schadenweiler“, der mit einer Tochter aus einer wohlhabenden Rottenburger Familie verheiratet war, den Hof Schadenweiler. Der Besitz ging bald an einen Juristen in kaiserlichen Diensten namens Joseph Münsinger von Frundeck. Dessen Tochter wiederum heiratete einen Adam Werner von Themar aus Thüringen. 1570 errichtete dieser Themar einen repräsentativen Adelssitz.

Im Dreißigjährigen Krieg brannte das komplette Schloss ab. Es sei „ganz zu Grund gerichtet und steht gleichsam nur noch auf vier Stützen, ganz durchsichtig“. 1680 baute man die vier noch heute bestehenden Türme, ungefähr zur gleichen Zeit kam das mit 179 Morgen größte Anwesen weit und breit in den Besitz des Rotenburger Spitals, das die Liegenschaften an einzelne Rottenburger Bauernfamilien verpachtete. 1707 schlug der Blitz in das Schloss ein und ruinierte es mitsamt der Hauskapelle.

Im 19. Jahrhundert muss der Schadenweiler Hof eine Art vormoderne Klinik für Suchtkranke gewesen sein: Ein gewisser Ferdinand Zepf wohnte und arbeitete damals auf dem Schadenweiler Hof, wo er „am Trinken gehindert wurde“. Seine Ehefrau galt als geisteskrank und war ins Spital eingeliefert worden. Dieser Herr Zepf fiel dann weiterhin auf, weil er in der Stadt „Schlösser von Türen, Reben im Weinberg und Bratwürste vom Metzger“ entwendet und verkauft hatte, um den Erlös in geistigen Getränken anzulegen. Er „besserte sich erst, als er in eine Arbeitsanstalt gesteckt wurde“, verraten die Akten des Spitals.

1920 wurde auf dem Schadenweiler Hof eine Gaststätte eingerichtet und 1938 riss sich die SA den Hof als Reichsnachrichtenschule unter den Nagel. (Offiziell kaufte sie das Anwesen, zahlte aber nie eine müde Reichsmark dafür.) Hier wurden Meldehunde ausgebildet, die unter anderem darauf trainiert wurden, den Lärm von Maschinengewehrsalven auszuhalten – der Lärm muss unbeschreiblich gewesen sein.

Nach dem Krieg gab es ein kurzes Franzosen-Intermezzo, 1948 erhielt die Stadt Rottenburg den Schadenweilerhof zurück und verkaufte ihn wenig später dem Land.

1954 wurde mit der Gründung der „Landesforstschule“ auch das 2,6 Hektar große Arboretum angelegt, das eine beeindruckende Sammlung an Gehölzen und einheimischen Wildrosenarten enthält. Andrea Bachmann

Der Schadenweiler Hof – hier ein Blick in den Innenhof mit der alten Befestigungsmauer. Bilder: Erich Sommer

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Erstellt:
5. Februar 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
5. Februar 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. Februar 2020, 01:00 Uhr

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