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Aus einem Rittergut entstanden

Besondere Bauten in der Region: Schloss Kressbach

30.10.2019

Schloss Kressbach ist ein einfacher barocker Rechteckbau mit Walmdach.Bilder: Erich Sommer

Im Jahre 1572 flüchtete der General François de Saint-André nach Holland, um den Hugenottenverfolgungen zu entgehen, die nach der Hochzeit von Heinrich von Navarra mit der Schwester des französischen Königs, Margarethe von Valois, in der Bartholomäusnacht einen traurigen Höhepunkt erreicht hatten. Seinen Enkel Daniel Rollin de Saint-André verschlug es nach dem 30-jährigen Krieg bereits nach Südwestdeutschland, er wurde Mitglied im Ritterkanton Kraichgau. Dessen Urenkel Alexander Magnus von Saint André wiederum heiratete eine Maria Juliana Freiin Leutrum von Ertingen und bekam mit ihr einen Sohn, der Ernst Philipp hieß, kaiserlicher Rittmeister wurde und 1830 verstarb.

1749 kam Kressbach in den Besitz der freiherrlichen Familie. Die Anlage ist aus einem Rittergut entstanden, das im 17. Jahrhundert den Herren von Closen, später der Familie Leutrum von Ertingen gehörte. 1766 errichtete der Generalfeldzeugmeister Friedrich Daniel von Saint-André das Schloss, ein hübscher, aber einfacher barocker Rechteckbau mit Krüppelwalmdach, flachem Eingangsrisalit und einem vorgesetzten Portikus mit toskanischen Säulen. An den Bauherren erinnert eine Inschrift über dem linken der beiden Portale. Im Schlussstein des Portals ist die Jahreszahl 1766 eingemeißelt, zudem schmückt ihn das Allianzwappen der Familien Saint-André und Leutrum von Ertringen. Außerdem ziert das Allianzwappen der Familie Saint-André den Balkon an der Ostseite. Der Erweiterungsbau im Stil des Neubarock an der Südseite kam 1920 hinzu.

Im ehemaligen Friedhof befindet sich eine Kapelle, die 1571 erbaut wurde und der Familie als Grablege diente. Als im Juli 2013 der Hagel über Tübingen niederging, wurde das Dach der Kapelle so stark beschädigt, dass es erneuert werden musste. Dabei machte die Eigentümerin, Freiin Nicoletta von Saint-André eine schlimme Entdeckung: Das Tragwerk des kleinen Glockenturms war so kaputt, dass das gesamte Türmchen einzustürzen drohte. Auch das Mauerwerk hatte einen tiefen Riss. Die Kapelle wurde geschlossen, die dort stattfindenden Gottesdienste in die Nikomedes-Kirche nach Weilheim verlegt und die Kapelle wurde für stolze 200 000 Euro saniert. Dabei sicherte man den Baugrund mit einer stützenden Spezialemulsion und trug den Glockenturm aufwändig mit einem Spezialkran ab. Bei der Restaurierung kamen außerdem Wand- und Deckenmalereien aus den unterschiedlichsten Epochen zum Vorschein. Alles wurde sorgfältig und liebevoll wieder hergestellt und jetzt erstrahlt die kleine Kapelle in genau dem Glanz, den viele Hochzeitspaare lieben.

Auch ein Schlossgarten und ein dekorativer Rokokobrunnen an einem der Nebengebäude sind noch erhalten.

Noch heute ist das Schloss in Familienbesitz. 1971 zog eine Forschungsgruppe des Fraunhofer Instituts für optronische Feldmessungen in die “Meßstelle Schloss Kreßbach des Astronomischen Instituts der Universität Tübingen“. Seit dem Jahr 2002 wird das Schloss von der Zentrale der Deutschen Knochenmarkspenderdatei genutzt. Andrea Bachmann

Der Brunnen beim Schloss.

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Erstellt:
30. Oktober 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
30. Oktober 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 30. Oktober 2019, 01:00 Uhr

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